Titzer vor Gericht: „Bade-Extrakt“ eine Droge?

Von: hp
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Titz/Düren. Wenngleich noch viele Fragen unbeantwortet sind, so darf man jetzt schon von einem spannenden Strafprozess vor dem Dürener Schöffengericht sprechen. Im Wesentlichen geht es um den Handel mit einem Extrakt, der aus den Blättern des Kratombaumes gewonnen wird. Und genau deshalb beschäftigen sich die Juristen damit.

Denn die Laubblätter – Kratom genannt – werden in der Pharmazie als Arzneimittel verwendet, lassen sich aber auch als Rauschmittel konsumieren.

Auf der Anklagebank sitzen ein 42-Jähriger aus Titz sowie eine Ehepaar (37 / 25 Jahre alt) aus der Städteregion Aachen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, zwischen März und August 2011 in 340 Fällen gemeinschaftlich Arzneimittel über das Internet in den Verkehr gebracht zu haben, ohne dafür eine Genehmigung zu besitzen. In der Anklage hieß es zudem, die Extrakte seien schlicht als Bademittelzusätze offeriert worden.

Der 42-Jährige soll sich allerdings, nachdem die Bezirksregierung auf seine Anfrage zur Importgenehmigung von Kratom offensichtlich Bedenken geäußert hatte und zudem ein Beamter des Landeskriminalamtes ihn davor gewarnt haben soll, von diesem Geschäftszweig getrennt haben. Ein Mitarbeiter seines Internet-Handels, besagter 37-Jähriger, habe das Geschäft dann auf eigene Faust weiter betreiben wollen, wie sein Verteidiger erklärte.

Dabei sei er stets davon ausgegangen, dass der Handel unbedenklich sei und alles seine Richtigkeit habe. Zunächst habe er deshalb vom rund 500 kg umfassenden Warenbestand seines Chefs 320 kg übernommen. Bezahlt werden sollte nach dem Weiterverkauf an Endverbraucher.

Sie sei geradezu geschockt gewesen, als ihr die Anklageschrift zugestellt worden war, ließ die Ehefrau des 37-Jährigen über ihren Anwalt erklären. Auf Bitten ihres Mannes habe die nun 25-jährige Frau lediglich auf ihren Namen ein Gewerbe angemeldet und ein Firmenkonto eröffnet. Von den Geschäften habe sie im Detail überhaupt nichts gewusst, zumal sie in einem Einkaufsmarkt vollzeitbeschäftigt ist und abends müde nach Hause komme.

Sie sei der Meinung gewesen, bei dem Produkt handele es sich um bräunliches Pulver, eine Art Kräutermischung. Bei einer Hausdurchsuchung des 42-Jährigen in der Gemeinde Titz fand die Polizei rund 120 kg des Mittels. Dazu ließ auch dieser Angeklagte seinen Verteidiger erklären, dies habe der 37 Jahre alte Mitarbeiter an jenem Tag abholen wollen. Er selbst habe immer angenommen, das Produkt sei gesundheitlich unbedenklich.

Als Zeugen sagten zwei Nachbarn des 42-jährigen aus. Der Angeklagte habe bei ihnen angefragt, ob sie zurückgesandte Warensendungen für ihn entgegennehmen, was diese bejahten. Ein Zeuge erklärte, er habe sich gewundert, dass die Adresse seines Büros als Absender auf den luftgepolsterten Briefsendungen gestanden hätte. Nachdem seine Skepsis geweckt war, habe er die Polizei informiert.

Ausgiebig untersucht wurden die Substanzen beim LKA. Eine Biologin und ein Chemiker schilderten dem Gericht Zusammensetzung und Wirkungsweise des untersuchten Extraktes, der eindeutig Kratom enthielt. Dabei erklärte der Chemiker, dass dies in Deutschland Bestandteil eines rezeptpflichtigen Hustenmittels sei.

Fortsetzungstermin ist am 20. September ab 11.30 Uhr im Saal 1.07 des Dürener Gerichtes. 

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