Titzer Geschäftsidee: Drohne sucht Defekte

Von: Daniela Mengel-Driefert
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Hochbetrieb am Himmel über Titz: Was die beiden Tauben wohl vom „Unbekannten Flugobjekt“ halten, das mit seiner Kamera das Dach des Titzer Silos dokumentiert? Foto: Mengel-Driefert
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Ivo und Kim Krichel von der Firma Drobotec bereiten die Drohne zum Flug vor. Foto: Mengel-Driefert

Titz. Es ist ein bisschen wie im Science-Fiction-Film. Ivo und Kim Krichel, Vater und Sohn, holen zwei schwarze Koffer aus ihrem Auto. Sie packen ein Fluggerät aus, eine Drohne. Kim Krichel ergänzt sechs Rotoren, zwei sind schon installiert. Er befestigt eine Kamera, eine Sony alpha 7R. Das Gerät gleicht nun einem Insekt, vielleicht einer Spinne. An ein Flugzeug erinnert es weniger.

Vater Ivo stellt beide Koffer aufeinander, öffnet den oberen, und ein 22-Zoll-Bildschirm kommt zum Vorschein. Mit Sonnenblenden ergänzt, entsteht ein mobiler Arbeitsplatz.

Bevor der Flug losgeht, machen die zwei noch einen Sicherheitscheck, zeigen eine gelbe Mappe mit Aufstiegsgenehmigungen, Versicherungsbelegen und Flugprotokollen. Sohn Kim legt sich das Band des Steuerungsgerätes um den Hals und legt los. Ein kleinerer Bildschirm gibt ihm Orientierung. Die Rotoren beginnen zu drehen, die Drohne steigt nach oben und entschwindet in die Lüfte. Gesteuert wird mit GPS, über eine Fernbedienung wird die Kamera ausgelöst.

Ausgefeilte Technik

Der Standort ist das Getreidesilo in Titz. Auf 37 Metern Höhe parkt Krichel das Gerät. Die Kamera fotografiert, macht detaillierte Aufnahmen, filmt, zeitgleich werden die Fotos auf dem Bildschirm dargestellt. Das Dach des Silos ist zu sehen, die Drohne zeigt die Sicht von oben. Dann schwenkt die Kamera – auf dem Bildschirm wird die Straße sichtbar. Eine ausgefeilte Technik macht den Schwenk bis zu 180 Grad möglich. Die Flugdauer kann mit zwei Akkus 20 Minuten betragen.

Eventuelle Schäden am Dachsilo können mit der Drohne gesichtet und dokumentiert werden. Ein Gerüst wird dadurch überflüssig. Mit dieser Dienstleistung wollen Vater und Sohn nun auf den Markt. „Wir sind ein Start up und werden offiziell am ersten September beginnen“, sagt Ivo Krichel. „Drobotec“ lautet der Name ihrer Firma und setzt sich aus den Begriffen Flugroboter und Drohne zusammen.

Sie bieten eine brandneue Leistung an, die bis jetzt nur wenige Mitstreiter kennt. Zielgruppe und mögliche Auftraggeber seien Gutachter, Unternehmen, Gemeinden oder auch Telekommunikationsgesellschaften.

Wenn Sendeanlagen gewartet werden, sind ein Kran und ein Industriekletterer notwendig. Das ist eine sehr aufwendige Angelegenheit. „Für uns ist das kein Thema, wir führen das mit einem Flug durch“, sagt Ivo Krichel. Windkraftanlagen müssen ebenso kontrolliert werden. Durch Blitzschlag oder Hagel können Korrosionsschäden entstehen. „Wir sichten die Defekte in einem Fünftel der Zeit“, erklärt Krichel. Mit der Drohne besteht also die Möglichkeit, an Orte zu kommen, die ansonsten schwer zugänglich sind. Auch Indoorflüge in Industriehallen gehören zu den möglichen Aufträgen.

Es sei ebenfalls machbar, ein Haus aus verschiedenen Perspektiven zu fotografieren.

Auch die Gesamtdarstellung von großen Industrieanlagen sei kein Problem. Geflogen wird im Schnitt in einer Höhe von 100 bis 150 Metern, das hänge von dem darzustellenden Objekt ab.

Um die Dienstleistung seriös anbieten zu können, absolvierten Ivo und Kim Krichel eine entsprechende Pilotenausbildung. Denn ungefährlich sei das Fliegen mit Drohnen nicht, räumt Vater Krichel ein. Die Propeller sind scharf wie Rasierklingen. Daher stehen regelmäßige Übungsflüge auf dem Programm, um größtmögliche Sicherheit und Professionalität zu erlangen. Vater und Sohn fotografierten und dokumentierten zum Beispiel den Indemann oder die Zitadelle von ganz oben.

Auch die finanzielle Investition war nicht unerheblich. Die Flugausrüstung kostet 45.000 Euro.

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