Titz will den DSL-Ausbau forcieren

Von: ptj
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Bürgerinfo plus Wirtschaftsförderung in der Aula der GHS Titz: (v.l.) Michael Müller (Bauamt), Referent Helmut Haag und Bürgermeister Jürgen Frantzen. Foto: Jagodzinska

Titz. „Die große Politik können wir nicht ändern, lasst uns im Kleinen anfangen”, lautete das Resümee der ersten Titzer Breitbandmesse. Die Veranstaltung in der Aula der GHS diente nach Bekunden des Titzer Bürgermeisters Jürgen Frantzen gleichzeitig der Bürgerinformation über Bemühungen und Zukunftsperspektiven wie der Wirtschaftsförderung.

Denn zahlreiche Gespräche mit Telekommunikationsanbietern hatten ergeben: Es wird nur eine Breitbandinfrastruktur aufgebaut, wenn sich die Investition rechnet.

Zur Schließung dieser Infrastruktur-Lücke liegen nun insgesamt 370.000 Euro bereit. Wenn Anbieter in der Gemeinde Titz in Breitband investieren, stellt die Gemeinde 185.000 Euro, größtenteils aus dem Konjunkturpaket II, zur Verfügung. Um den gleichen Betrag hat der Kreis die Mittel aufgestockt. Zudem liegt ein Bewilligungsbescheid für Strukturverbesserungszuschüsse des Landes NRW vor.

Diese Förderquelle hatte Dipl.-Physiker Helmut Haag, wohnhaft in Titz, aufgetan. Als Fachmann und Betroffener zugleich referierte er über Hintergründe, Möglichkeiten und Förderung. Was ist Breitband überhaupt? „Schnell und viel”, lautete seine knappe Definition. Hauptanwendungsbereiche sind Videos, Surfen, E-Mails und Backup (Datensicherung).

Das weltweite Verkehrsvolumen im Internet über Breitband betrug vor zwei Jahren 2450 Millionen Gigabyte, der Breitbandbedarf verdoppelt sich alle zwei Jahre. Deutschlandweit seien heute fünf Millionen Bürger nicht genügend versorgt. Eine Datenübertragungsmöglichkeit sei DSL über Telefonkabel. Hierbei nimmt die Geschwindigkeit der Datenübertragung mit der Entfernung von der Vermittlungsquelle in Ameln ab.

Dieses Entfernungsproblem kennt die Übertragung über Fernsehkabel nicht. Je mehr Nutzer aber „hinten dran hängen, umso weniger kriegt der Einzelne”. In jedem Fall befinden sich Hasselsweiler, Müntz, Gevelsdorf und Ralshoven in der virtuellen Warteschlange, Titz, Rödingen, Höllen und Bettenhoven sind teilweise gut versorgt, Ameln, Kalrath und Spiel stehen gut da.

Funkübertragung per Satellit ist überall möglich, wie das jüngste Beispiel zeigt: In Titz wurden zwei Funkantennen in Betrieb genommen. Weitere Möglichkeiten sind Datenübertragungen über Stromkabel und Abwasserkanal, nur für Wasserleitungen gibt es keine Technik.

Ziel der Gemeinde Titz ist, 16 Mbit/s, mindestens aber sechs Mbit/s (bis Mitte 2011) in allen Ortschaften zu erreichen. Laut Ratsbeschluss wird ein eigenes Leerrohrnetz aufgebaut, in das Telekommunikationsanbieter dann ihre Glasfaserkabel verlegen.

Zu Eigenleistung bereit

Eine Bedarfs- und Versorgungsumfrage der Gemeinde hatte sogar ergeben, dass 64 Prozent der Bürger zu Eigenleistungen wie Einmalzahlungen oder Arbeitsleistungen bereit seien.

Ein Interessenbekundungsverfahren, nach vierwöchiger Frist gerade ausgelaufen, hat nach EU-Recht Marktversagen nachgewiesen, da kein Anbieter kostenlos investieren wollte. Nun steht ein Förderantrag zur Leerrohrverlegung in Kooperation mit den Nachbarkommunen an. „Reicht der Topf aus?” oder „Holt der Anbieter für 50 Anschlüsse in Gevelsdorf überhaupt den Stift raus?”, lauteten zwei der zahlreichen Fragen aus der Bürgerschaft.

Laut Frantzen ist die Betragsermittlung aus einer Rechnung mit Erfahrungswerten zustande gekommen. Es existiere allerdings keine Anspruchsgrundlage, die Bürger an der Finanzierung zu beteiligen, sollte der Betrag wider Erwarten nicht ausreichen. Als „Freund großer Maßnahmen” schlug er die Bündelung verschiedener Orte vor, überließ die Beantwortung dieser Frage allerdings den anwesenden Anbietern DN Connect, NET Aachen, Unitymedia, Telekom und Vodafone.
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