Titz - Titz ist eine der artenärmsten Gemeinden Deutschlands

Titz ist eine der artenärmsten Gemeinden Deutschlands

Von: ptj
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Beispielhaft: Ein „Biodreieck“ mit selbst gebautem Insektenhotel. Foto: Jagodzinska
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Wilde Müllhalde am Wegesrand: Zu den Aufgaben des Naturschutzbeauftragten Michael Leifeld gehört es, solcherlei Verstöße zu melden. Foto: Jagodzinska
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„Schwarze Schafe“: Hier hat ein Landwirt einen Streifen Gemeindegebiet vereinnahmt und radikal abgemäht. Foto: Jagodzinska

Titz. „Übertriebene Ordnung macht die Natur kaputt“. Das sagt Michael Leifeld, der seit rund einem Vierteljahrhundert als Landschaftswart beziehungsweise Naturschutzbeauftragter im Einsatz ist, wie die korrekte Bezeichnung inzwischen lautet. Noch länger gehört Leifeld der Umwelt- und Naturschutzorganisation BUND an.

Sein Einsatzgebiet ist „eine der artenärmsten Gemeinden Deutschlands“, wie es ein Biologe bei einer Führung an der alten Bahntrasse 2007 betont hatte. Diese alte Bahntrasse auf halber Strecke zwischen Titz und Jackerath, wo einst eine Zugverbindung von Aachen nach Mönchengladbach vorbeiführte, ist inzwischen ein „wichtiger naturgeschützter Bestandteil der Gemeinde“, wenn auch kein ausgewiesenes Naturschutzgebiet, von denen es in der Landgemeinde keines gibt.

Platz für Wildpflanzen lassen

Wie in der gesamten Jülicher Börde wird in der Flächengemeinde intensiv Landwirtschaft betrieben, was der Naturschutzbeauftragte keineswegs vorwurfsvoll bemerkt. Er wünscht sich allerdings, dass „die Kreisbauernschaft auf ihre Mitglieder einwirkt“ und sie sensibilisiert. Etwa dafür, die Feldränder nicht zu früh und vor allem nicht so radikal zu mähen, damit dort Wildpflanzen wachsen können, die eine breite Insektenwelt anlocken, was wiederum für den biologischen Kreislauf unerlässlich ist. Eine Exkursion führt zu strategischen Punkten in der Natur, die Leifeld bei Beobachtungsfahrten durch seinen Bezirk als besonders beispielhaft oder besonders negativ aufgefallen sind.

Erste Station ist eine wilde Müllhalde an einem Wegesrand neben hochgewachsenem Mais nahe der Bahntrasse. Ein tröstender Aspekt in diesem Zusammenhang ist die Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung, die sich „positiv entwickelt hat“. Soll heißen die Gemeinde reagiert schnell, wenn der Naturschutzbeauftragte unerlaubte Eingriffe beziehungsweise Verstöße meldet und trägt in diesem Fall den wilden Müll schnell ab. Aber Leifeld will positive (Privat-)Initiativen in den Vordergrund seiner Rundfahrt in Richtung Gevelsdorf/Ralshoven bis hin zur Magdalenenhöhe an der Bezirksgrenze zum Kreis Heinsberg in den Vordergrund stellen.

So hat ein Landwirt seinen Feldrand so großzügig bemessen, dass dort eine Pflanzenwelt entstehen konnte, wenn auch im August schon fast verblüht ist. Noch nicht verblasst ist zum Beispiel die Kornblume, die seit so vielen Jahren kaum noch gesehen wird. In einem anderen Feld blühen unzählige Phacelias mit ihren duftenden blauen Blüten, die aus gutem Grund im Volksmund auch „Bienenfreund“ genannt werden. Ein „Biodreieck“ mit einem selbst gebauten Insektenhotel ist zu sehen, eine Streuobstwiese auf einem etwa vier Morgen großen Kirchengrundstück, auf dem Alpakas weiden. Nicht zu vergessen sind die kleinen Feldraine, die im Zuge des Zusammenlegungsverfahren der Autobahnen 44 und 61 im Rahmen des Baunkohlentagebaus „Garzweiler II“ entstanden sind.

„In diesem Gebiet, wo wir um die Reste kämpfen müssen, muss man auf jeden Zentimeter achten“, betonte Leifeld und wies auf „schwarze Schafe“ hin, die – wie die Begrenzungssteine beweisen – ihr Feld dreist um ein Stück Gemeindegebiet erweitert und radikal abgemäht haben, während sie die Grenze zum Nachbarfeld sehr wohl respektieren. „40 Prozent der Streuobstwiesen, die früher hier waren, sind verschwunden“, weiß Leifeld ferner und motiviert die Bürger zum Mittun: „Wer was für die Natur tun will, soll seine Vorgärten nicht versiegeln, sondern Pflanzen blühen lassen“, wobei „die Natur kein Unkraut kennt“ . So sei etwa die Brennnessel Futterpflanze für rund 20 Schmetterlingsarten, für vier einheimische Tagfalter ist sie im Übrigen die einzig mögliche...

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