Tischtennis: Der magische rote Pullover des Miro Broda

Von: Jörg Sauer
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„Auf Wiedersehen“: Jülichs Niederländer Ewout Oostwouder verlässt den TTC und verabschiedete sich beim letzten Heimspiel. Foto: Król
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Erst merklich angespannt, dann sichtbar erfreut: TTC-Manager Arnold Beginn.

Juelich. Zwei Spieltage vor Saisonende stürmte der TTC Indeland Jülich am Freitagabend in der gut gefüllten Nordhalle mit einem fulminanten 6:2-Sieg über Borussia Dortmund an die Tabellenspitze der 2. Tischtennis-Bundesliga.

Nun hat der TTC vor seinen letzten beiden schwierigen Auswärtsspielen in Hilpoltstein und zum Liga-Showdown in Bad Königshofen alle Trümpfe in der Hand, um die Meisterschaft aus eigener Kraft zu gewinnen. „Jetzt werden wir auch Meister“, freute sich Jülichs Cheftrainer Miro Broda.

Viele TTC-Fans haben längst bemerkt, dass ein Zusammenhang zwischen dem fast schon unglaublichen Gipfelsturm der Indeländer und einem markanten Kleidungsstück des Jülicher Trainers besteht: „Miros roter Pullover“ hat mittlerweile Kult-Charakter erlangt; seit dem 24. Januar trägt der Coach diesen Pulli, seit diesem Tag war der TTC in sechs aufeinanderfolgenden Spielen siegreich und stürmte vom siebten Platz auf die Pole Position der Liga.

„Vielleicht sehen wir bald Miros roten Pullover neben Udo Latteks blauen Pullover im Deutschen Sportmuseum hängen“, scherzt man schon in der Vorstandsetage des TTC Indeland. Im Jahr 1987 geriet Lattek als Sportdirektor des 1.FC Köln mit dem blauen Pullover in die Schlagzeilen der Gazetten, als die Domstädter eine unglaubliche Erfolgsserie in der Fußball-Bundesliga hinlegten.

Broda steht nun mit dem TTC kurz vor der Meisterschaft, und falls die Jülicher ihre tolle Form konservieren, können sie auch die beiden letzten Hürden meistern. Lauric Jean, der gegen Dortmund vor Selbstbewusstsein strotzte, scheint momentan fast unschlagbar. Gegen Evgeny Fadeev und Erik Bottrof dominierte er zu jeder Zeit die Partien. Immer, wenn es brenzlig wurde, forcierte der Belgier das Tempo.

Auch im Doppel läuft es für Jean momentan sehr gut: Nach leichten Unstimmigkeiten in der Hinrunde harmoniert er mit seinem Doppelpartner Ewout Oostwouder wieder vorzüglich; das belgisch-niederländische Gespann wirkt gut getaktet und scheint für die kommenden schwierigen Aufgaben gerüstet. Oostwouder ließ im Einzel zuletzt alle Skeptiker verstummen. Am Freitag hatte er einen 3:0-Sieg gegen Björn Helbing fest vor Augen, nach zwei Ehrenrunden in den im dritten und im vierten Satz fand er im fünften wieder zu seiner Stärke und brachte somit den wichtigen Zähler zum 4:2 für Jülich ins Ziel.

Vor dem Spiel feierte Oostwouder, der nach der Saison in die 1. dänische Liga wechseln wird, einen emotionalen Abschied von den Jülicher Fans. „Ich hatte zwei sehr schöne Jahre in Jülich. Ich bin sehr gut aufgenommen worden und war Teil eines tollen Teams. Es war eine gute Zeit und ich hoffe, dass ich diese Zeit mit der Meisterschaft krönen kann“, bedankte sich Oostwouder bei den zahlreich erschienenen Fans.

Hermann Mühlbach erlebte gegen Dortmund eine Berg- und Talfahrt vom Feinsten. Im Doppel legte er an der Seite seines Partners Yoshihiro Ozawa gegen Bottroff/Fadeev einen glänzenden Start hin. Mit einem 2:0-Vorsprung im Rücken vergaben die Jülicher im dritten und im vierten Durchgang insgesamt neun Matchbälle. Im letzten Satz fanden sie nicht mehr ins Spiel zurück.

Sichtlich verunsichert von der fatalen Niederlage im Doppel hatte Mühlbach gegen Dortmunds Spitzenspieler Erik Bottroff im Einzel in drei kurzen Sätzen nichts zu melden. Der Borusse hatte überraschend wenig Probleme mit den sonst so gefürchteten Aufschlägen des Jülichers.

„Ich habe zuletzt in der Schülermannschaft ähnlich viele Chancen vergeben wie in diesem Doppel. Gegen Bottroff habe ich noch nie gut gespielt, er gewinnt meistens gegen mich, aber heute war es deutlicher als je zuvor“, erzählte Mühlbach nach dem Spiel in der Pressekonferenz. Gegen Evgeny Fadeev fand er zu seiner Ruhe zurück, stattdessen flippte der Russe mehrfach aus und schlug sich quasi selbst. Er lieferte sich mit Schiedsrichter Jürgen Wernerus mehrfach heftige Wortgefechte. Der Unparteiische bestrafte ihn mit Karten und Punktabzügen. Mühlbach nutzte die Verwirrungen gelassen zum sechsten Punkt für Jülich.

TTC-Manager Arnold Beginn kommentierte: „Es war ein packendes Spiel vor einer tollen Kulisse. Ich war so nervös, dass ich nach dem verlorenen Doppel die Halle verlassen musste. Aber ich bin rechtzeitig wieder gekommen, um mit meiner Mannschaft den Sieg zu feiern. Es war ein unvergessener Tischtennis-Abend. Jetzt wollen wir Meister werden.“

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