Jülich - Tinnitus-Selbsthilfegruppe: Hilfe von Betroffenen für Betroffene

Tinnitus-Selbsthilfegruppe: Hilfe von Betroffenen für Betroffene

Von: Antonius Wolters
Letzte Aktualisierung:
5932895.jpg
Leidensgenossen: Sprecher Josef Königs (l.) und Schriftführer Hans-Josef Katz zeigen den Flyer der Der Tinnitus-Selbsthilfegruppe Jülich, der in vielen Arztpraxen ausliegt. Foto: Wolters
5932886.jpg
Anhaltende Ohrgeräusche quälen viele Tinnitus-Patienten. Foto: imago Udo Kröner

Jülich. Hans-Josef Katz greift zu seinem Mobiltelefon und führt nach wenigen Handgriffen eine ganze Kollektion verschiedener Ohrgeräusche vor: Pfeifende, sägende, klopfende und brummende Töne, die den Betroffenen den letzten Nerv töten können.

Was wie ein Partygag klingt, ist für Katz bittere Realität, denn er ist Tinnitus-Patient und gehört der Tinnitus-Selbsthilfegruppe Jülich an, wo er als Schriftführer dem Vorstand angehört.

Gründer waren 2009 Josef Erkens und Josef Königs, der als Sprecher der Gruppe fungiert. Königs blickt auf eine mittlerweile 18-jährige Leidensgeschichte zurück, die 1995 mit einem Hörsturz begann. Der Prüfer für Luftfahrtgeräte zog sich 2001 noch ein Knalltrauma zu, das Schwerhörigkeit und Tinnitus weiter verstärkte.

Zunächst besuchte Königs eine Selbsthilfegruppe in Erftstadt, bevor er mit weiteren Betroffenen eine Gruppe in Jülich gründete. Hilfe von Betroffenen für Betroffene hat sich die rund zehn Personen umfassende Gruppe auf die Fahnen geschrieben, die über große Erfahrung mit der Krankheit verfügt und sich der Deutschen Tinnnitus-Liga (DTL) als Dachverband angeschlossen hat. „Es bleibt alles in der Gruppe“, sichern Königs und Katz möglichen Interessenten absolute Diskretion zu, denn viele Betroffene plagten Existenzängste, wenn sie nach Bekanntwerden der Erkrankung ihren Beruf nicht mehr ausüben könnten.

Als Tinnitus wird die Wahrnehmung von Geräuschen im Kopf oder in den Ohren bezeichnet, ohne dass eine Geräuschquelle außerhalb des Körpers vorhanden ist. Von Tinnitus wird erst gesprochen, wenn diese Geräusche regelmäßig und über einen längeren Zeitraum anhalten. In Deutschland leiden rund sieben Millionen Menschen darunter. Die Ursachen können Stress oder Dauerlärm, Hörsturz, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder selbst Störungen im Kiefergelenk sein. Begleitet werden die Beschwerden häufig von Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche und Schwindel.

„Wichtig ist: Wenn Tinnitus auftritt, muss schnell gehandelt werden“, raten Königs und Katz dringend dazu, umgehend einen HNO-Arzt aufzusuchen. Hans-Josef Katz sagt das aus leidvoller Erfahrung, denn er hatte seine Ohrgeräusche zunächst nicht ernst genug und ist jetzt rechtsseitig taub und von chronischem Tinnitus befallen. „Wir sind meist die erste Anlaufstelle“, weiß Gruppensprecher Josef Königs. So ist etwa ein Klinik-Leitfaden erstellt werden, der alle Spezialkliniken auflistet. Die Wartezeiten auf einen Behandlungsplatz betragen dort bis zu sechs Monate.

Ein weiteres Problem: Da Tinnitus (noch) nicht als Krankheit anerkannt ist – ein Verfahren bei der Weltgesundheitsorganisation läuft –, haben Betroffene häufig Probleme mit ihrer Krankenkasse. Auch hier stehen die Selbsthilfegruppe bzw. Anwälte der DTL mit Rat und Tat bereit. Dazu kommt, dass Betroffene meist auch psychologische Betreuung brauchen, um mit ihren Symptomen klar zu kommen, denn Medikamente gegen Tinnitus gibt es nicht. Bei der Behandlung wird deshalb meist auf Entspannungsübungen wie autogenes Training gesetzt. Für den Herbst plant die Gruppe ein Tinnitus-Symposion in Jülich.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert