Tina Teubner zeigt in Jülich Männer-Grenzen auf

Von: ptj
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Tina Teubner brachte ihr Publikum in Jülich gleichzeitig zum Lachen und zum Nachdenken. Foto: Jagodzinska

Jülich. Hochkarätig endete die Jülicher Veranstaltungsreihe „Watt zum Lachen“ mit Tina Teubner und ihrem ebenso amüsanten wie tiefgründigen Kabarett-Programm „Männer brauchen Grenzen“. Beim ersten Gastspiel der beliebten Kölner Komikerin, Musikerin und Stimmenimitatorin in der Herzogstadt war der Saal des KuBa sofort ausverkauft.

Als Pianist und Gelegenheits-Gesprächspartner trat Ben Süverkrüp mit ihr auf die Bühne. Im Hosenanzug, ihr langes Haar straff zurückgebunden, hatte die Allround-Künstlerin, die in Köln als „alleinerziehende Ehefrau lebt“, sogar etwas Männliches. Ihre intelligenten Wortspiele rund um die Geschlechteranalyse, um gesellschaftliche Rahmenbedingungen oder die „Absichtslosigkeit im Alter“ waren intelligent, sarkastisch, scharfzüngig oder bissig. Nie fehlten aber das Quentchen Herzenswärme und die Prise Humor, ausgelöst durch irrwitzige, oft nachträglich eingeschobene Gedankenspiele.

„Ist es juristisch möglich, als Außenstehender für fremde Paare die Scheidung einzureichen?“, fragte sie etwa nach einem einfallsreichen „Beschimpfungsduett“ im völligen Gleichklang mit Ben. Obwohl sie von der Ehe zwischen Frau und Mann als Beziehungskonstrukt sprach, betonte sie sogleich, sie sei nicht festgelegt auf diesen Partnerschaftstypus. Teubner kam nach vielen Ehejahren, von denen sie „nur wenige bedauert“, zu dem Schluss, dass das „was für ein Kind gut ist, muss doch auch für den Mann gut sein“. Männer brauchen demnach „klare Ansagen, etwa: „Das ist nicht deine Frau, lass sie liegen.“

Ausdruckvoll und autoritär

Dazu schlug Teubner den Erziehungsratgeber mit dem Titel „Männer brauchen Grenzen“ auf, den sie zur Rettung von Beziehungen gleich selbst geschrieben hat und aus dem sie trotz „kabarettistischer Schweigepflicht“ treffende Passagen vorlas.

Natürlich setzte sie bei der Wurzel des Übels an, beim Mann. Ihre amüsanten Wortspiele unterstrich sie durch ausdrucksvolle Chansons und autoritäre Liebeslieder in wechselnden Stimmungen, zu denen sie sich teilweise auf der Ukulele oder der Viola begleitete.

Auch die eine oder andere treffende Stimmenimitation war dabei. „Machen Sie doch mal was komplett Verrücktes, nichts zum Beispiel. Carpe diem. Vergeude den Tag“, empfahl sie und entließ ihr Publikum musikalisch mit dem „Nachtzug nach Paris“ in die Pause.

Ein echter Knaller war in der zweiten Hälfte ein Klaviersolo von Süverkrüp, der Bachs „Oh Haupt voll Blut und Wunden“ oder Beethovens „Mondscheinsonate“ als launisches Wechselspiel zwischen klassischen Kompositionen und Gassenhauern interpretierte, um zu zeigen, wie die Stücke hätten entarten können, wenn die Komponisten von der (Ehe)Frau beim Komponieren gestört worden wären...

Das Programm gestaltete sich wie das Lebens selbst als Wechselspiel aus heiteren und ernsten Passagen. So variierten Überlegungen wie die „Lebensaufgabe, das Unvermeidliche immer ein bisschen tolerant zu lieben“ mit dem Heiterkeit provozierenden Reim „Eine Kindheit voller Zweifel in der Eifel“.

Teubner resümierte, Glück und Zufriedenheit seien „in diesem Leben ohne Traurigkeit nicht möglich“. Oder, wie es in einem Aphorismus von Theodor Adorno heißt: „Geliebt wirst du einzig, wo du schwach dich zeigen darfst, ohne Stärke zu provozieren“.

Mit kräftigem Applaus belohnte das Publikum einen amüsanten Abend mit Tiefgang.

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