Tilman Röhrigs lebendige Lesung ist ein königliches Vergnügen

Von: Silvia Jagodzinska
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Vergnüglich und informativ: Die Gäste genießen in der Buchhandlung Fischer die lebendige Lesung mit dem Schauspieler und Autor Tilman Röhrig. Foto: Jagodzinska

Jülich. Besonders lebendig gestaltete sich die Lesung mit Tilman Röhrig aus seinem neuesten historischen Roman „Die Könige von Köln“. Der Grund liegt auf der Hand: Der mehrfach preisgekrönte Autor ist ausgebildeter Schauspieler und weiß seine Stimme, seine Gestik und Mimik pointiert einzusetzen.

„Gab es in Köln Könige? Kommen Sie mit, begleiten Sie mich“. So lud der „langfristig erfolgreiche Autor“, wie Gastgeberin Eva Behrens-Hommel ihn bezeichnete, seine Gäste zu einer Lesereise ein, in der er versprach, alle Hauptpersonen vorzustellen. Roter Faden des Buches sind die Gebeine der „Heiligen Drei Könige“, die sich in den drei Kronen des Kölner Stadtwappens wiederfinden.

Stadtschlüssel auf dem Cover

Dieses wiederum ist über einer Skizze der historischen Stadt und dem Stadtschlüssel auf dem Buchcover zu finden. Der Schrein ist in Gefahr, als sich im Herbst 1794 die ausgehungerten und raffgierigen französischen Truppen der Domstadt nähern. Einige Gelehrte, darunter der Priester und damalige Direktor der Universität zu Köln, Ferdinand Franz Wallraf, wollen den goldenen Dreikönigenschrein über den Rhein nach Arnsberg bringen, um ihn vor den Franzosen zu retten. Beim schnellen Verladen hilft der Tagelöhner Arnold Klütsch, der über Herkuleskräfte verfügt. Diese Kräfte hatte er schon im ersten Kapitel unter Beweis gestellt, als er eine verunglückte Kutsche wieder in die Waagerechte hob. Trotz des Dramas um einen tödlich Verunglückten gab es dank einiger mit trockenem Humor gespickter Passagen viel zu lachen.

Eine wechselvolle Geschichte beginnt, sowohl im Hinblick auf die politische Situation als auch in Bezug auf das Wechselbad der Gefühle zwischen drei Protagonisten. Das sind Arnold, dessen Freund, der gerissene und schnell unsympathischer erscheinende Student Norbert Fletscher und die Schneiderstochter Walburga Müller, in die beide verliebt sind. Kampflos übergibt die bis dato freie Reichsstadt ihre Stadtschlüssel dem französischen General Championnet vor dem Hahnentor, um einer militärischen Übernahme durch die französischen Revolutionstruppen zu entgehen. Im Gegenzug dürfen die Kölner Bürger nach französischer Zusage an ihren Sitten und Gebräuchen festhalten, ein Versprechen von kurzer Dauer...

„Es wird eine Menge Mut, Witz und Kraft vonnöten sein, diese Zeit zu überstehen. Es wird noch zehn Jahre dauern, bis Napoleon und Josefine kommen...“, ermutigte der Autor abschließend zum Kauf des Buches und damit zur Weiterverfolgung seiner Handlung. In jedem Kapitel umreißt Röhrig die jeweilige politische Lage und lässt das historische Köln und seine authentischen und erdachten Bewohner vor dem geistigen Auge des Lesers lebendig werden.

Erzählenswert ist etwa eine historische Episode, die der Autor bei seinen einjährigen Recherchen im Domarchiv entdeckte, und zwar nur deshalb, weil das eingestürzte Stadtarchiv nicht mehr verfügbar war: Der historische Domvikar Heinrich Nettekoven, der die Unordnung im Sarg bemängelt hatte, wurde beauftragt, das Durcheinander zu beseitigen. Denn: „In diesem Zustand dürfen wir die Heiligen nicht auf die Flucht schicken“. Tatsächlich hatte Nettekoven dann Knochen mit dunkler Färbung dem „Mohr“ Caspar zugeordnet.

Für den jüngeren König hatte er die „dünneren, gut erhaltenen Knochen und den Unterkiefer mit den meisten Zähnen“ ausgewählt, für den älteren dementsprechend die „etwas angegriffenen Knochen und den Unterkiefer mit nur einem Zahn“. Bei der Sortierung übersah der übermüdete Domvikar dann 20 Reliquienteile, die Wallraf zu verbergen versprach. Nach der Restaurierung des Goldenen Schreins im Jahr 1808 gab Nettekoven die heimlich aufbewahrten Teile zurück und erzählte dazu noch einmal seine Geschichte.

Die Zuhörer spendeten begeisterten Applaus für einen vergnüglichen und gleichzeitig lehrreichen Abend.

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