Tierische Therapeuten arbeiten in Jülicher Altenheim

Von: Daniela Mengel-Driefert
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Ein Pony hilft in Kontakt zu treten: Die Bewohner reagieren erfreut. Foto: Mengel-Driefert
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Tiergestützte Therapie in St. Hildegard: Gregor Kryk und Pony Leica nehmen den Aufzug, um in die zweite Etage zu kommen. Foto: Mengel-Driefert

Jülich. „Da steht ein Pferd auf dem Flur“, ist nicht nur ein Stimmungshit von Klaus & Klaus. Der Satz entspricht der Tatsache, wenn Gregor Kryk mit seinem Pony Leica im Altenheim St. Hildegard auftaucht. Dann steht da ein Pferd auf dem Flur. Und nicht nur da. Denn wie kommt das Pony in die zweite Etage?

Leica schwebt mit dem Aufzug nach oben, steigt routiniert aus, lässt sich auf ihrem Rundgang bereitwillig von Bewohner zu Bewohner führen. Die sind begeistert. Kaum ist das Pony im Blickfeld, verändert sich die Mimik, die Augen blicken wacher, die Mundwinkel gehen nach oben, sie strahlen.

Die Senioren erinnern sich daran, wie ein Pferd riecht und wie es sich anfühlt, wenn es aus der Hand frisst. Bilder, die vielleicht verschüttet, aber nicht vergessen waren, sind wieder da. Dann wird spontan erzählt. Von der Vergangenheit, den eigenen Erfahrungen mit Tieren, vielleicht dem Leben auf dem Bauernhof, von der Landwirtschaft. „Das ist interessant, wie viel bei Demenz-Erkrankten dann wieder hoch kommt“, sagt Kryk.

Kryk ist gelernter Altenpfleger, heute stellvertretender Leiter einer Altenpflegeschule, nebenbei studiert er Pflegewissenschaften an der Katholischen Fachhochschule Köln. Was Altenpflege bedeutet, welche Bedürfnisse ältere Menschen haben, was wichtig im Umgang mit älteren Menschen ist, auf diesem Gebiet ist er Profi. Er marschiert nicht nur mit einem Pony durchs Altenheim, er hat ein entsprechendes Konzept entwickelt. Es trägt den Titel: Panuba Tiergestützte Aktivitäten & Therapie. Hier führt er aus, was es mit den Tieren im Altenheim auf sich hat. Was das bringt und was das soll.

Da steht dann, dass Tiere Kontaktmöglichkeiten eröffnen, Kontaktprozesse fördern. Diese Kontakte wirkten sich positiv auf den gesundheitlichen, kognitiven, sozialen und emotionalen Status bei Menschen mit Demenz aus. Ein Pferd zu füttern und zu streicheln sind Bewegungen, die die Bewohner vielleicht schon länger nicht mehr ausgeführt haben.

Auf seinem Rundgang kommt Kryk mit den Bewohnern ins Gespräch, es wird viel gelacht, ja sogar ein wenig geflirtet. Es gehe um Erkennen, Lachen, Erinnern und Erzählen, bringt Kryk es auf den Punkt. Das Pony ist nicht das einzige Tier, das der Altenpfleger einsetzt. Nachdem Leica ihren Dienst geleistet hat, holt er eine Ente, zwei Kaninchen und ein Meerschweinchen. Ach, und eine Katze ist auch dabei. Brav sitzen sie im Bollerwagen. Er ist mit Stroh ausgelegt, Wasser und Futter stehen bereit.

„Zuhause warten noch ein Mini-Schwein, ein Hund, Esel, Schaf und Zwergziegen. Die sind aber noch in der Ausbildung“, sagt er lachend, was aber ernst gemeint ist. Die Tiere müssen geschult sein.

Seit 2009

„Gregor Kryk kommt seit 2009 ins Haus“, sagt Ulrike Breuer, Leiterin sozialer Dienst in St. Hildegard. Die Bewohner nehmen ihn sehr positiv auf, besonders die, die früher viel mit Tieren zu tun hatten. Anspannungen würden sich lösen, es sei eine andere Form des Körperkontaktes. Die Finanzierung der Tiergestützten Aktivitäten laufe über das Haus im Rahmen der Beschäftigungsangebote. Kryk kommt jeden Samstag und immer mit anderen Tieren. Mit der Wohnbereichsleitung werde abgesprochen, wen er besuche, wo es Sinn ergebe. „Für uns ist das eine sehr wertvolle Arbeit“, sagt Breuer. Er habe ein Händchen dafür.

Die Tiere unterliegen einer tierärztlichen Kontrolle, seien geimpft und entwurmt, das werde regelmäßig kontrolliert, sagt der Altenpfleger. Natürlich werden auch die Hufe gereinigt, bevor es ins Haus gehe. Ein bisschen erinnert sein Auftritt an die Welt der Bauernhöfe in Kinderbüchern. Spontan ruft eine Bewohnerin auf der Demenzstation: „Dass ich sowas noch mal sehe!“

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