Jülich - Tiefgarage Zitadelle: Wasser in den Betondecken

Tiefgarage Zitadelle: Wasser in den Betondecken

Von: Volker Uerlings
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Dieser „Wasserfund“ am Boden ist erklärbar: Durch die Lichtschächte (dreieckige Öffnung in der Decke) dringt es in beide Ebenen der Tiefgarage Zitadelle ein. Nun haben Gutachter aber Feuchtigkeit in Deckenteilen gefunden, deren Herkunft Rätsel aufgibt. Foto: Uerlings

Jülich. Der Sanierungsbedarf in der Tiefgarage an der Zitadelle ist hoch und lange bekannt: Seit genau neun Jahren fielen die im Jahr 2007 geschätzten Kosten von 1,3 Millionen Euro immer wieder dem notleidenden Haushalt zum Opfer. Jetzt geht es ans Eingemachte. Gutachter Holger Tebbe sagte im Ausschuss für Planung, Umwelt, Bauen: „Ein Zusatzproblem ist jetzt erst aufgetaucht und kann durchaus ein gravierendes Problem darstellen.“

Die Fachleute haben bei Probebohrungen an den Deckenplatten aus Beton Wasser gefunden, das da nicht sein dürfte.“ In beiden Geschossdecken gibt es Feuchteflächen. Das hatte Ausschussvorsitzender Christian Klems (Jül) noch nicht auf der Rechnung, als er eingangs sagte „Hier muss etwas getan werden.“

Weil das Wasser im Beton eventuell Tausalze enthält, die die Stahlbewehrung angreifen können, lässt sich derzeit die Statik des Gebäudes nicht abschließend bewerten. Nähere Untersuchungen bis zum Jahresende sollen Aufschluss bringen.

Der „Wasserfund“ wunderte die Fachleute, weil die bislang einzige Maßnahme an dem Parkhaus-Komplex genau das verhindern sollte. Das oberirdische Deck ist mit einer Asphaltschicht versehen worden, die die Fläche eigentlich hätte versiegeln sollen, damit kein Wasser durchsickert. Nach den bisherigen Untersuchungen glaubt der Gutachter auch, dass diese Sicherung funktioniert: „Es gibt derzeit keine Hinweise, dass größere Leckagen am Parkdeck sind.“ Seine Arbeitsthese ist, dass das Wasser schon vor langer Zeit eingedrungen ist und nicht abfließen konnte.

Der Vortrag ging tief in die Bauphysik hinein. Der Versuch einer knappen Erklärung: Beim Bau der Tiefgarage in den 80er Jahren wurden Betonplatten wie in einem Baukastensystem verwendet. Sie wurden auf Stützen an der Decke angebracht und dann von oben mit einer Schicht Beton verstärkt, den Mischfahrzeuge angeliefert haben (Ortbeton). Damit sich beide Betonarten miteinander verbinden, müssen sie eine bestimmte Rauigkeit aufweisen. Aber: „Der Aufbeton ist glatt. Die Fuge hat sich abgelöst“, sagte Holger Tebbe.

Jetzt will der Gutachter wissen, ob das aufgespürte Wasser auch Fluoride enthält, die den Stahl angreifen können. „Was ist da drin? Wenn man das weiß, kann man sagen, was zu machen ist.“ Ist das Wasser nicht stahlschädlich, dann lassen sich die beiden Betonarten mit Zusatzdübeln miteinander verbinden. Ist die Sachlage anders, wird‘s kritisch. Tebbe: „Sonst müsste die Garage gesperrt werden, weil die rechnerische Tragfähigkeit nicht nachweisbar ist.“

Weil das Parkhaus „relativ stark schwingt, wenn Fahrzeuge fahren“, hat der Gutachter auch einen Statiker eingeschaltet. Der hat auf die Bauweise in den 80ern einen besonderen Blick: „Man hat damals nicht so genau gewusst, wie das funktioniert und wie die Rauigkeiten zu definieren sind.“ Jetzt geht es zunächst darum, eine taugliche Untersuchungsmethode zu finden.

Neun Jahre nicht realisiert

Das alles geschieht unabhängig von den Instandhaltungsarbeiten, die seit neun Jahren bekannt, aber nicht realisiert worden sind. Dazu zählt die Behebung eines „Geburtsfehlers“. Die für die Ent- und Belüftung wichtigen Fenster und Lichtschächte befinden sich auf der Wetterseite. Hier dringt regelmäßig Wasser in die Tiefgarage ein, wo etliche Parkflächen abgesperrt sind. Das soll mit kleinen Dächern behoben werden. Darüber hat die Kommunalpolitik kurzfristig zu entscheiden. Beigeordneter Martin Schulz: „Wir müssen entscheiden, was wir mit den Lichtschächten machen.“

An die 1,3 Millionen Euro Gesamtkosten glaubt im Jülicher Rathaus niemand mehr. Die Verwaltung hatte ihre Schätzung erhöht: auf eine Million Euro pro Tiefgeschoss. Nun aber gibt es eben auch in finanzieller Hinsicht das genannte „Zusatzproblem“.

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