Theaterstück zu Onlinesucht: Schritt für Schritt ins Verhängnis

Von: ptj
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Jule (Kristin Hörmann) will sich mitteilen, doch ihre Mutter (Michaela Lisa Pehlke, r.) hört nicht zu: So kann eine Onlinesucht beginnen. Foto: Jagodzinska

Titz. „Ich muss ins Internet, die brauchen mich.“ Jule (Kristin Hörmann) schreit ihre Mutter (Michaela Lisa Pehlke) förmlich an, wirft panisch mit Gegenständen um sich und stürzt sich hinaus auf die Straße, wo sie von einem Auto erfasst wird.

Mit dieser Szene schließt die lebensnah gespielte Geschichte „Online“, die der „Weimarer Kultur Express“ für die Klassen 7 bis 10 auf die Bühne der Gemeinschaftshauptschule Titz gebracht hat. Das freie Jugendtheater im Tourneebetrieb hat es sich zur Aufgabe gemacht, Schulen zu besuchen und typische Probleme Jugendlicher durch bildliche Beispiele und Diskussionen zu erörtern. Natürlich soll ganz nebenbei auch der Spaß am Theater geweckt werden.

Wie wurde Jule „onlinesüchtig“? Alles beginnt mit einem Umzug von Jule und ihrer Mutter, die nach einer Zeit der Arbeitslosigkeit in ihrem neuen Job als Logistikerin den „Aufstieg ihres Lebens“ sieht. Obwohl Jule ungern die Schule wechselt, sind beide zunächst optimistisch.

Mobbing

Doch dann wird die Jugendliche von ihren Mitschülern nicht angenommen, bekommt sogar bösartige Mitteilungen übers Internet, das Thema Mobbing zeichnet sich ab. Weil ihre Mutter einen guten beruflichen Einstieg anstrebt, ist sie jedoch selten zu Hause und auch dann mit ihren Gedanken bei der Arbeit. Dennoch bemüht sie sich um ihre Tochter. Sie schenkt Jule zum Geburtstag einen neuen Laptop, mit dem das Mädchen sofort der realen Welt entflieht, sie gegen ein virtuelles Dasein in Chatrooms und Onlinespielen eintauscht.

Hinzu kommt, dass Elli, Jules beste Freundin aus dem alten sozialen Umfeld, sie mehr und mehr dazu drängt, das kostenpflichtige Rollenspiel „The other world“ herunterzuladen. „Komm, mach doch mit. Wir machen es alle.“ Sogar das Ende der Freundschaft droht.

Um ihr Spiel zu bezahlen, stiehlt die Protagonistin sogar Mutters Kontendaten. Ihre Noten werden schlechter, ihre Versetzung ist gefährdet, sie vernachlässigt Ernährung und Körperpflege.

Ihre Mutter, „Frau Büchner“, bemerkt die Veränderung und erkennt den Grund dafür. Doch der Kampf gegen die Anziehungskraft des Internets gestaltet sich schwierig. Hilfe sucht sie telefonisch bei ihrem Ex-Mann Thomas, der sich zwar nicht besonders um seine Tochter bemüht, aber die rettende Idee einer Therapie vorschlägt. Doch noch vor einer möglichen Umsetzung artet die Situation aus,

Jule gerät hörbar unter die quietschenden Reifen eines Autos. Die Mutter berichtet von zwei Monaten Krankenhausaufenthalt, bis Jule wieder laufen kann.

Sie lebt jetzt bei ihrem Vater auf dem Land und macht dort eine Therapie. Sie hat weder Laptop noch CD-Player, ein Radio muss reichen. „Es ist besser, wenn Jule erst mal bei ihrem Vater wohnt. Sie wird mir fehlen“, resümiert die Mutter sichtbar bedrückt.

Ein wichtiger Part war im Anschluss an das Bühnenstück, „das eben Gesehene zu besprechen“, wie Kirstin Hörmann betonte. Warum wurde Jule abhängig?

Als Gründe nannten die Schüler den Umzug, Anschlussschwierigkeiten in der neuen Schule, Stress mit der Mutter. Aber unter Anleitung der Schauspielerinnen gelang es, weitere mögliche Hintergründe der eigenen Suchtgefährdung zu erkennen.

War Jule ganz unschuldig? „Nein, sie hat gar nicht nach anderen Freunden gesucht und ist nicht ausgegangen.“ Sie strebte keine Lösung ihrer Probleme an und flüchtete sofort in die virtuelle Welt. Erwähnenswert war auch die Bemerkung eines Schülers: „Wenn ich so frech gewesen wäre zu meiner Mutter, hätte ich den Tag nicht überlebt.“

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