Theaterstück „Die Welle“: Schüler treffen wunden Punkt

Von: Kr.
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Die Welle hat sie überrollt und mitgerissen: Nur Laurie (links), gespielt von Maria Neumayer, lehnt sich auf und muss dies schwer büßen. Foto: Kròl

Jülich. „Die Welle – ein Versuch, der daneben ging“, nur Laurie, gespielt von Maria Neumayer, Chefredakteurin der Schülerzeitung, lehnt sich auf, spricht klare Worte und muss dafür bitter büßen.

Denn was tatsächlich als Experiment begann, läuft furchtbar aus dem Ruder und endet in einer Katastrophe. Im Geschichtsunterricht befassen sich die Schüler und ihr Lehrer Ben Ross mit dem Naziregime.

Die jungen Leute können nicht begreifen, wie ein ganzes Volk auf die Versprechungen und den Wahn eines Einzelnen hereinfallen wollen. Deshalb startet Ross das Experiment und gründet die Bewegung „die Welle“, um deutlich zu machen, was Gruppenzwang, Gemeinschaft und absoluter Gehorsam – ohne kritisch zu hinterfragen – für Auswirkungen haben können.

Es fängt alles ganz harmlos an: Die Schüler erlernen die Grundregeln der Disziplin, entdecken ihren Gemeinsinn und fühlen sich wohl dabei. Die Welle schwappt aus dem Klassenzimmer nach draußen und greift auf die Schule über. Die jungen Leute fühlen sich stark in ihrer Gemeinschaft, die schon bald totalitäre Züge annimmt. Besonders Robert, der bis dahin stets als Außenseiter galt, tut sich in der Bewegung hervor, fühlt sich endlich in die Gemeinschaft aufgenommen und macht sie zu seiner Lebensaufgabe.

Doch was als Spaß begann, wird zu blutigem Ernst. Der Lehrer möchte das Experiment abbrechen. Die Welle aber ist nicht mehr zu stoppen, die Sache eskaliert: Robert erschießt einen Mitschüler und sich selbst, der entsetzte Lehrer Ben Ross steht vor einem Scherbenhaufen.

Mit der Aufführung des Theaterstücks „Die Welle“ hat der Literaturkurs der Jahrgangsstufe Q1 des Gymnasiums Zitadelle sicherlich einen wunden Punkt berührt und überraschte die zahlreichen Zuschauer in der Stadthalle mit einer ganz eigenen Darstellung.

Der Kurs legte der Aufführung nicht nur den Roman von Morton Rhue, sondern auch den gleichnamigen Film und das Theaterstück nach Reinhold Tritt zugrunde. Sehr gut brachten sie die einzelnen Charaktere zu Ausdruck. Da war zunächst der Lehrer Ben Ross, gespielt von Luca Derjung, der zunächst als einfühlsamer Pädagoge auftritt, dann bekennt, dass ihm sein totalitäres Auftreten im Experiment auch Spaß bereitet und letztendlich verzweifelt.

Christie Ross, gespielt von Kimberley Hartung, steht der ganzen Situation hilflos gegenüber und muss mit ansehen, wie die ganze Sache eskaliert. Hervorragend brachte Tim Tieves den Wandel des Schülers Robert vom verschrobenen Einzelgänger zum fanatischen und gewaltbereiten Anhänger der Welle rüber. Kämpferisch und engagiert gibt sich Maria Neumayer und auch die übrigen Mitstreiter punkteten mit der Darstellung der einzelnen Charaktere.

„Wir haben auf einen großen technischen Aufwand ganz verzichtet und stattdessen unser Spiel in den Vordergrund gestellt“, erklärte Pedro Obiera, der den Literaturkurs unterrichtet. Es sei ein Wunsch der Schüler gewesen, die das Stück bereits als Lektüre behandelt hatten, „die Welle“ auch zur Aufführung zu bringen. Reichlich Stoff zum Nachdenken und etliche aufwühlende Gedanken bescherten sie damit ihren Zuschauern.

Neben den beiden Aufführungen in der Stadthalle sind sie auch bei den Theatertagen in Schloss Burgau Düren zu Gast. Am Freitag, 9. Mai, stehen sie dort um 11 Uhr auf der Bühne.

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