Theaterfestival: Literaturkurs interpretiert „Die Schneekönigin“ neu

Von: ptj
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Die eiskalte Schneekönigin (Anne Kieven, l.) trifft auf die beiden Oberteufel (Kimberley Olesch und Jana Fischer r.) Im Hintergrund ist der verwandelte Ole (Maurice Tirtey) zu sehen. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Ein Märchen hat immer etwas Zauberhaftes“. So begründete Anne Kieven aus der Q1, die später als Schneekönigin im gleichnamigen Märchen auf die Bühne der Stadthalle trat, die Stückauswahl des Literaturkurses im dritten Beitrag des schuleigenen Theaterfestivals.

Vorlage des Theaterstücks in neun Szenen ist das Kunstmärchen von Hans Christian Andersen, der in dem ewigen Spiel um Gut und Böse das Gute siegen lässt. Der Literaturkurs unter Leitung von Pedro Obiera hielt sich in seiner komplett selbst erstellten Theaterfassung eng an den märchenhaften Charakter, hatte aber eine Ergänzung und Verknüpfungen mit anderen Andersen-Figuren ersonnen und vor allem den Schluss modifiziert: Auf die allgemeine Freude folgt ein finaler Schlag.

Warum diese Änderung? „Wir wollten, dass das Böse auch am Ende noch gegenwärtig ist“, betonte Obiera. Also ist die Erzählung doch mehr „ein Märchen für Leute von heute“?

Eine große Rolle spielten Musik, Tanz und Pantomime als Ausdrucksform. Hier ging es um die Beherrschung der vielen unterschiedlichen Profile und darum, sie plastisch zum Ausdruck zu bringen. Das mit viel Spielfreude und Dynamik auf die Bühne gebrachte Stück verblüffte mit einigen Besonderheiten: Der nur 18-köpfige Kurs hatte für die attraktiven Nebenrollen Pennäler der Klasse 6e unter Leitung von Jana Einschütz eingesetzt. Diese stellten etwa eine wundervoll bewegte Szene im Schlossgarten als Blumen und Bäume, Zwerge, und eine reiche Fauna dar und hatten augenscheinlich mächtig Spaß daran. Sogar ein Geige spielender Marienkäfer durfte in der Szene nicht fehlen.

Gegenstücke der lebendigen Natur waren Dämonie und Komik, Naivität und berechnende Boshaftigkeit. An die Stelle des bösen Zauberers und seiner Lehrlinge in der ersten Geschichte des Andersen-Märchens tritt in der Fassung des Literaturkurses Luzifer (Johannes Reindahl) mit seinen stets miteinander konkurrierenden Oberteufeln (Kimberly Olesch und Jana Fischer) auf. Erstere zerbricht den Spiegel, der Luzifer als Machtins-trument dient. Die Splitter, die „die Macht des ganzen Spiegels haben“, verteilen sich auf der Erde. „Die Menschen werden so böse, wie ich es mir immer gewünscht habe“, freut sich Luzifer.

Ole (Maurice Tirtey) spielt mit seiner Schwester Sophie (Saskia Beginen) Ball und hört sich gerne mit ihr Großmutters (Janine Gesekus) Geschichten an, bis ihn ein Glassplitter ins Herz trifft. Fortan ist er „grausam, wie ausgewechselt“. Die eiskalte Schneekönigin bekommt Macht über Ole und er folgt ihr nach. Sophia trifft auf der abenteuerlichen Suche nach ihrem Bruder viele Gestalten: Die Blumenfrau als gute Hexe (Hannah Janknecht, die auch die Räubermutter spielt), Prinz (Daniel Dohmen) und Prinzessin (Julia Schmitz, die auch als Räubermädchen fungiert) oder den Räuberhauptmann (Tobias Flesch). Neben der Lappin (Lisa Maria Weckauf) und der Finnin (Ellen Vonberg) treten auch die kleine Meerjungfrau (Jana Fischer) und das Mädchen mit dem Schwefelhölzern (Janine Gesekus) in Erscheinung, oder der Wassermann als „dicke Überraschung“.

Gelungene Neuinterpretation

Die rundum gelungene Neuinterpretation des Märchens und alle helfenden Hände vor und hinter den Kulissen ernteten donnernden Applaus.

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