Theaterfestival der Zitadelle und Obieras Ära endet

Von: ptj
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Iwan Chlestakow aus St. Petersburg (Tobias Giesen, auf der Couch) fügt sich gerne in die Vorstellung der Stadtbewohner – eine Szene aus der Komödie „Der Revisor“, den Schüler(-innen) des Gymnasiums Zitadelle in Jülich auf die Bühne brachten. Foto: Jagodzinska

Jülich. Mit der Komödie „Der Revisor“ nach dem gleichnamigen Theaterstück von Nicolai Gogol beschlossen die Literaturkurse der Q1 der Zitadelle ihr erfolgreiches Theaterfestival 2016. Gleichzeitig lief nach 37 Jahren die letzte Produktion des beliebten Lehrers Pedro Obiera über die Bühne, der sich stets in der letzten Szene kurz selbst ins Rampenlicht stellte.

Diesmal hatte er auch das Stück ausgesucht. „Es handelt sich um eine der besten klassischen Komödien mit sehr aktuellem Bezug“, begründete er seinen Entschluss und verwies in Richtung Korruption und Behördenwillkür. Wegen der „allzu altertümlichen Wendungen“ in der Übersetzung aus dem Russischen hatte der Kurs den Text aber „etwas frischer gestaltet“.

Gogols böse, 1836 veröffentlichte Komödie mit witziger Aufarbeitung spielt in einem russischen Provinznest, das sich überall auf der der Welt befinden könnte. In der moralisch heruntergewirtschafteten Kleinstadt regiert Geld die Welt, das symbolisch öfter über die Bühne und ins Publikum geworfen wird. Das Bühnenbild beginnt mit einem Saufgelage.

Auch sonst fließt der Vodka in Strömen, die Stadt ist dreckig. Die Gefängnisinsassen müssen ihre Rationen entbehren, die Krankenhauspatienten ihr sauberes Nachthemd, im Sitzungssaal wird Wäsche getrocknet. Dann erhält Bürgermeister Anton Antonowitsch Skwosnik-Dmunchanowskij (Luca Scharr) einen Brief, in dem er vor dem Eintreffen eines Revisors gewarnt wird, der incognito erscheinen soll. Panik bricht aus. Die Bürger vermuten politische Motive hinter der Maßnahme, etwa den „Krieg mit der Türkei. Das haben uns die Franzosen eingebrockt“. Der Bürgermeister hingegen glaubt an eine Denunziation. Schnell leitet er Aufräummaßnahmen ein.

Im Bühnenbild werden Bilder, die vom Kontrolleur allzu leicht „missverstanden“ werden können, durch Ikonen oder Motive ausgetauscht, in denen etwa Putin einem Kälbchen lächelnd die Milchflasche verabreicht. Den kleinen bankrotten Beamten Iwan Alexandrowitsch Chlestakow aus St. Petersburg (Tobias Giesen), der mit seinem Diener Ossip (Maik Thüncher) bereits im Wirtshaus wohnt, hält man irrtümlich für den Revisor. Verwicklungen und Missverständnisse nehmen eine urkomische Wendung an.

Chlestakow befürchtet seinerseits, von Skwosnik-Dmunchanowskij inhaftiert zu werden, fügt sich dann doch bereitwillig in die Vorstellung der Bewohner. Der devote Bürgermeister mit seinem schelmischen Charme biedert sich Chlestakow an und besticht ihn.

Dann stellt er erleichtert fest: „Gott sei Dank, der nimmt Geld“. Vergnüglich sind die wilden Phantastereien von Chlestakow und Ossip, die den Bewohnern Lügengeschichten von großen Schlössern und Bällen mit der russischen Elite auftischen. Chlestakow ahnt bald die Verwechslung und zieht ab. Einem befreundeten Zeitungsredakteur schreibt er von seinem Schildbürgerstreich. Postmeisterin Iwanka Kusmitschowa Schpekina (Laura Ruthmann) fängt wie gewöhnlich die Post ab und liest den Brief vor versammelter Gemeinde vor.

Dabei kommt keiner der darüber zugleich erstaunten als auch erbosten Bürger gut weg. Die Verwirrung ist komplett, als in der Schlussszene der echte Revisor angekündigt wird. Das begeisterte Publikum klatschte sogar beim Bühnenbildwechsel des Fünfakters zur eingespielten russischen Weise „Kalinka“ mit und spendete abschließend kräftigen Applaus.

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