Theater: „Gut gegen Nordwind“ birgt zauberhafte Liebesdialoge

Von: Hilde Viehöfer-Emde
Letzte Aktualisierung:
13519869.jpg
Das Online-Paar Emmi und Leo kommt sich näher. Foto: Wolfgang Emde

Jülich. Der Einstieg in die Theatersaison der Abo Reihe der Stadt Jülich ist gelungen. In der Stadthalle freuten sich die Zuschauer über eine Aufführung des Landestheaters Dinkelbühl. Die moderne Form des klassischen Briefromans wird im Stück „Gut gegen Nordwind“ in die moderne Form der E-Mail-Kommunikation gebracht.

Durch einen Tippfehler von Emmi Rothner gerät ein Kündigungsschreiben an einen Zeitschriftenverlag mehrfach an den Uniassistenten für Sprachpsychologie Leo Leike. Bezaubernd agierten Monika Reithofer als Emmi und Bernd Berleb als Leo, die aus einem spontanen Wortwechsel heraus Interesse an der anderen Person entwickeln, sich für die Persönlichkeit und ihre Gefühlswelt interessieren.

Ängste vor einer Enttäuschung

Die Mails werden persönlich, es entstehen virtuelle Bilder des anderen. Freundschaft entwickelt sich. Jeder erzählt von seinem Leben, Leo von seiner problematischen On-Off-Beziehung, Emmi von ihrer eigentlich glücklichen Ehe. Sie führen Alltagsgespräche, teilen aber auch ihre Sorgen und Ängste. Langsam entwickelt sich ein zauberhafter Liebesdialog, in dem beide ihre Sehnsüchte ausdrücken. Die Versuchung steigt, sich persönlich zu begegnen, die Ängste vor einer Enttäuschung allerdings sind groß.

In den klugen und witzigen Dialogen wird die Problematik des Kennenlernens im Internet thematisiert. Die Aussagen von Leo „Schreiben ist wie Küssen ohne Lippen, wie Küssen mit dem Kopf“ und „Ich habe mich in Deine Worte verliebt“ illustrieren die Problemsituation. Leo bringt es auf den Punkt mit den Worten „Uns fehlt der natürliche Anfang unserer Begegnung“. So scheitert auch der letzte Versuch eines Treffens an der emotionalen Bindung Emmis zu ihrem Ehemann.

Das klar strukturierte Bühnenbild verdeutlichte die räumliche Trennung von Emmi und Leo, signalisierte durch die Durchgängigkeit des Raumes jedoch die emotionale Nähe und Verbindung des Paares. Kleidung und Kleidungswechsel waren der Situation angepasst und verdeutlichte dem Zuschauer Tageszeiten und Zeitabschnitte.

Mit großem Charme und Ausdruckskraft verkörperten Monika Reithofer und Bernd Berleb das Paar, seine Gefühle, Ängste und Sehnsüchte. Ihre starke Bühnenpräsenz zog den Zuschauer in das Geschehen hinein und ließ ihn als mitfühlenden Beobachter zu. Großer Applaus für eine großartige Aufführung.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert