Theater als Chance für die Herzogstadt

Von: ptj
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„Theater macht man nicht alleine“: Deswegen tauschen sich Theaterleiter Réné Blanche (in der Rückenansicht) und die künstlerische Leiterin Andrea Royé mit interessierten Gästen an einem „Dialogabend“ im Franz von Sales Hof aus. Foto: Jagodzinska

Barmen. „Was ist Theater für euch?“ war der Dialogabend des neuen „Burgtheaters Overbach“ in seinem Zuhause im Franz von Sales Hof überschrieben. Zusammengefasst müsse Theater jugendaffin und für junge Leute finanzierbar sein.

Ferner legte das interessierte Publikum Wert auf theaterpädagogische Förderung schon von klein an. Damit rannten die Gäste bereits offene Türen ein: Gespräche mit Schulen und Lehrer-Workshops laufen, ferner ist in Jülich eine „Sommerschulwerkstatt“ geplant. Auch ein Casting für weitere Schauspieler in der kleinen Fernsehserie „La vie de Jean-Marie“ steht am 30. Juli im Terminkalender. Für die zehn Sieger dieses Castings zahlt die Aachener Schauspielschule die Hälfte der Kosten für ein Probesemester in der Schauspielschule.

Nicht zuletzt war die „Schneekönigin“ die erste größere Produktion des Jülicher Theaters, noch unter dem Namen „Theater der Stadt“. Das Familientheaterstück begeisterte in einer Woche rund 1200 Zuschauer, unter ihnen Familien, Kindergartenkinder und Schüler und erbrachte einen Überschuss, der wiederum in Jülichs Theaterarbeit fließt. Nach der erfolgreichen Produktion wurde das Jülicher Ensemble für Gastspiele in Alsdorf und Übach-Palenberg gebucht.

Wie René Blanche, Leiter der Aachener Schauspielschule und des Burgtheaters, in seiner Präsentation herausstellte, ist die Kooperation mit Schulen einer der Vorteile, die nur ein eigenes Ensemble leisten kann. „Durch Kooperationen züchte ich ein jüngeres Publikum“, betonte er. „Man braucht natürlich Rückenwind“, und die fehlte dem einstigen „Theater der Stadt“ in der Zusammenarbeit mit der Stadt.

Neben der bekannten Problematik um die Aufgabe der Stadthalle gab es für das junge Profitheater, das seinen Schauspielschülern Bühnenerfahrung bieten will, unter anderem nirgendwo in Jülich einen Lagerraum für das Bühnenbild. Gemeinsam arbeiteten Akteure und Auditorium weitere Vorteile eines eigenen Profitheaters für die Herzogstadt mit ihrer „tollen Infrastruktur“ heraus.

Ein eigenes Ensemble bereichert das gesellschaftliche und das Kulturleben, wertet den Standort auf, auch mit Blick auf den Tourismus. „Ein Theater kann Brücken schlagen, für Identifikation sorgen“. Auch die Kostenersparnis im Vergleich mit einer „Fremdbespielung“ ist auffällig. Ein Nutzen ist auch der individuelle Zuschnitt auf den Zuschauer.

Apropos: „Sind Jülicher Zuschauer konservativ?“ David Merz aus dem Publikum hatte die Erfahrung gemacht, dass Gäste bei einem modernen Theaterstück mit vertauschten Geschlechterrollen das Theater verlassen hatten. Auch Mike Knöll wusste: „Neuere oder selbst geschrieben Stücke sind nicht so beliebt“. Die künstlerische Leiterin Andrea Royé nahm daraufhin den erhöhten Altersdurchschnitt der Zuschauer in den Blick. Blanche nahm den Faden auf: „Das Problem dreht sich immer im Kreis. Man hält das Publikum für konservativ, nimmt Stücke ins Programm, die ausgenudelt sind...“

Er selbst bezeichnete den Jülicher Zuschauer hingegen als „durchaus experimentierfreudig“. Deshalb wird das erste Theaterstück des „Burgtheaters“, das am 9. September Premiere feiert, der „Steppenwolf“ von Hermann Hesse mit dem Untertitel „Nur für Verrückte“ sein. Hauptgrund: Es gibt nur eine einzige Theaterfassung, die das Landestheater Tübingen innehat. Nach Erlangung der Rechte wird das „Burgtheater“ erst das zweite oder dritte Ensemble sein, das das „magische Theaterstück“ auf die Bühne bringt.

Vor dem Dialogabend hatte am selben Ort ein Tages-Workshop mit Regisseur Wolfgang Dinslage, Andrea Royé und vier Schauspielschülern stattgefunden, die sich für darstellerische Übungen zur Verfügung stellten. 14 Lehrer aus der näheren und weiteren Umgebung nahmen teil und interessierten sich im Anschluss für Fortsetzungsworkshops oder die Einführung einer Arbeitsgemeinschaft. René Blanche referierte zum Thema „Wie verliere ich den Kopf als Schauspieler?“, denn nach Orson Welles ist ein „Intellektueller der Todfeind aller darstellenden Künste“.

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