Tausende Bäume in Jülicher Ruraue liegen noch flach

Von: Thomas Mauer
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Eine Luftaufnahme der Jülicher Ruraue, die noch nach Monaten eindrucksvoll das Ausmaß der Zerstörung belegt: Die Bäume sind samt Wurzel einfach umgekippt. Foto: Dr. Uttenweiler
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Seine Liebe zur Natur und Ruraue zeigt Dr. Uttenweiler. Mit diesem Bild gewann er bei einem Bundeswettbewerb den dritten Platz. Foto: Mauer

Jülich. Als an Pfingsten im vergangenen Jahr das Tiefdruckgebiet „Ela“ über Deutschland mit bis zu 142 Stundenkilometern hinweg zog, hinterließ der Sturm Tote, Verletzte und einen beträchtlichen Schaden. Auch das Jülicher Land war in besonderer Weise betroffen.

So ist bis jetzt schon allein aufgrund der Schadensmengen noch nicht alles wieder „auf der Reihe“. Einen beeindruckenden Beleg hierfür liefert ein Luftbild vom Barmener Baggersee samt Ruraue, das eine Schneise umgekippter Bäume zeigt, deren Aufarbeitung immer noch andauert.

Im vergangenen Dezember überflogen in einem offenen Doppeldecker Pilot Dr. Paul Drescher aus Barmen mit seinem „Lions-Kollegen“ Dr. Volker Uttenweiler das Waldgebiet nördlich der Stadt. Aus der Luft bot sich dem begeisterten Hobbyfotografen Uttenweiler auch nach Monaten immer noch ein eindrucksvolles Bild der Zerstörung.

„Wir haben unmittelbar nach dem Sturm begonnen, die Verkehrswege erst zu sperren und dann von gefährlichen Bäumen zu befreien“, erklärt Thomas Mülheims, Leiter des Immobilienmanagements im Jülicher Rathaus, auf Nachfrage. „Das hat bereits Monate in Anspruch genommen und ist beileibe noch nicht abgeschlossen.“ Seine Kollegin Helga Schumacher schätzt, dass es drei bis fünf Jahre dauern wird, bevor alles wieder so wird wie vorher.

Das Gebiet der Ruraue mit dem Barmener See umfasst rund eine 1 Million Quadratmeter. Der Sturm fegte durch die Bäume und hinterließ eine deutlich sichtbare Schneise. Der bis zu sechs Meter hohe Bewuchs wurde in der Aue samt Wurzeln einfach umgekippt. Auf der Barmener Seite knickte der Wind die Bäume. „Der Wind hatte teilweise die Baumkronen geknickt und teilweise die kompletten Baum umgeworfen“, bilanziert Förster Moritz Weiland, der zufälligerweise genau zum Zeitpunkt des Sturms seine neue Stelle antrat. „Das erste Gerät, dass ich in die Hand nehmen musste, war eine Motorsäge.“

Für Weiland galt es, die Zerstörung zu beseitigen und das beschädigte Holz zu vermarkten. Da zumeist Pappeln die Opfer von Ela gewesen waren, blieb nur die Verarbeitung für die Papierwirtschaft oder als gehäckseltes Brenngut für die Industrie. „So gesehen, sind wir noch froh, dass viele Bäume an einem Wurzelteller hängen. Dieser Umstand hält das Holz noch eine Weile frisch.“ Ein Wiederaufrichten ist allerdings aus verschiedenen Gründen unmöglich. „Die Ruraue ist ein sensibles Gebiet. Hier müssen viele Aspekte berücksichtigt werden“, sagt Weiland. Deshalb erfolgen folgen auch die Aufräumarbeiten nicht nach dem Prinzip der einfachen Aufforstung. Der Waldexperte hofft auf eine trockenen Periode, denn nur dann ist es überhaupt möglich, mit schwerem Gerät in den Auenbereich vorzudringen.

Probleme hatte dem Förster der unkontrollierte Holzabbau durch Privatpersonen gemacht. Weiland: „Das ist Diebstahl, der zudem noch äußerst gefährlich ist.“ Zug- und Druckspannungen bei gestürzten Bäumen machen selbst für den Profi die Arbeit nicht ungefährlich. Unfälle stellen für Privatpersonen ein Versicherungsrisiko dar.

Deshalb bittet Weiland um Einsicht und Kooperation. „Selbstverständlich unterstütze ich den privaten Einsatz“, betonte der Förster. Aber er verlangt die klare Absprache und Genehmigung. Der professionelle Verwerter braucht entsprechende Stückzahlen, damit der Aufwand lohnt. Für den privaten Interessenten bleiben noch genügend kleine Bereiche übrig.

Im Zuge der Aufforstung soll der alte Bewuchs aus Stileichen, Erlen, Pappeln, Kirschen, Hainbuchen, Weidenarten und Sträuchern langsam wieder zurückfinden in die Ruraue. „Und vielleicht können wir auch stille Ecken finden, wo seltene Bäume ihre neue Heimat haben können“, sagte Moritz Weiland.

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