Jülich - „Tattoo“ in Jülich: Grelle Satire über die Kunstszene

„Tattoo“ in Jülich: Grelle Satire über die Kunstszene

Von: rb
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„Tattoo“: Wolfgang Merkens, Andreas Hugo und Eva Eischet vom Aachener Blackout-Theater auf der Bühne des KuBa.

Jülich. Gerade einmal vier Jahre alt war der kleine Igor Bauersima, als seine Eltern 1968 mit ihm die Tschechoslowakei verließen und nach der Niederschlagung des Prager Frühlings in die Schweiz emigrierten.

Heute ist der studierte Architekt ein preisgekrönter Dramatiker und Regisseur, der in seinen Stücken so manches Mal seine eigene Vergangenheit verarbeitet – eine Vergangenheit, die in der damals sozialistischen CSSR begann und ihn in den kapitalistischen Westen führte. So geschehen auch in dem Theaterstück „Tattoo“, das vom Aachener Blackout-Theater im Kulturbahnhof Jülich aufgeführt wurde.

Lea, eine arbeitslose Schauspielerin, die von zuhause aus Musiksendungen im Internet moderiert, ist mit Fred liiert, einem erfolglosen Schriftsteller. Beide sind sie Künstler von der brotlosen Sorte und teilen nicht nur eine winzige Einzimmerwohnung, sondern auch ihren hohen Anspruch an die Kunst.

In diese Bohème-Idylle platzt plötzlich Tiger hinein, ein alter Freund, der in den USA mit banaler „Concept Art“ das große Geld verdient hat. Mit unkorrumpierbaren Künstler-Idealen hat Tiger genau so wenig am Hut wie mit den existenziellen Problemen des mittellosen Pärchens. Denn banale Geld- und Alltagssorgen sind ihm auf erfrischende Weise fremd. Nur eines würde er nicht tun: sich selber verkaufen. Darum vermacht er im Falle seines Ablebens seiner besten Freundin Lea, sozusagen vorsorglich, seinen mit kunstvollen Tattoos verzierten Körper als „Geschenk“.

Kasse oder Klasse, Kunst oder Kommerz, Markt oder Moral: In der Zeit der vielen glitzernden Casting-Shows sowie der Einschaltquoten-orientierten TV-Talentwettbewerbe beweist das Blackout- Theater aus Aachen durchaus den richtigen Riecher bei der Stückauswahl.

„Tattoo“ erweist sich als grelle Satire auf die Kunstszene mit einem bitter-ironischen Ende.

Unter Alkoholeinfluss vermacht Tiger seinen Körper, der im Fall seines Ablebens plastiniert erhalten bleiben soll, seiner Freundin Lea. Doch als kurz darauf Tigers Tod scheinbar tatsächlich eintritt, interessieren sich plötzlich zahlungskräftige Kunstsammler für den Leichnam, und Leas Ideale geraten ins Wanken.

Seit vielen Jahren schon macht das Blackout-Theater, diesmal in der Besetzung mit Eva Eischet, Wolfgang Merkens, Andreas Hugo, Katrin Jager und René Beaujean, Station im Jülicher KuBa.

Zuletzt zeigte das Ensemble den Krimi „Dangerous Obsession“ (2010) sowie die Komödie „Vier Männer im Nebel“ (2012).

Einige neue Denkanstöße über das Schein und Sein nahmen die Besucher des KuBa jedenfalls nach der Inszenierung von Thorsten Keller mit nach Hause.

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