Juelich - „Tarantella Napoletana“: Liebe und Intrige in Florenz

„Tarantella Napoletana“: Liebe und Intrige in Florenz

Von: ptj
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Ausdrucksstarkes Spiel mit prägnanten Requisiten im renaissancezeitlichen Ambiente: Das Ensemble der Aachener Schauspielschule begeistert ein ausgewähltes Publikum mit einer öffentlichen Kostprobe des „Comedia-dell‘arte“-Stücks „Mandragola“ von Niccolo Machiavelli. Hockend ist Schauspielschulleiter Réné Blanche zu sehen, der den einfältigen und kraftlosen Florentiner Rechtsgelehrten Messer Nicia spielt.

Juelich. Die „Tarantella Napoletana“ von Rossini erklang im Schlosskeller der Zitadelle und ein ausgewähltes Publikum kam in den Genuss einer „öffentlichen Kostprobe“ der Theateraufführung, die im Frühsommer für Besitzer der neuen NRW-Ehrenamtskarte gedacht ist.

Ein neunköpfiges Ensemble aus Schülern und Absolventen der Aachener Schauspielschule begeisterte mit einer der bedeutendsten Komödien der Renaissance, „Mandragola“ von Niccolo Machiavelli. Zwischen den Abgüssen der fein ausgearbeiteten Orginalpostamente im Südportal des Schlosses wirkten die überzeugenden Darsteller in schwarzer Kleidung nur durch Sprache, Mimik und Gestik sowie prägnante minimalistische Requisiten wie bunte Schärpen und venezianische Masken.

Durch die Kürzung des klassischen „Comedia dell‘arte“-Stücks und der Einsetzung eigener Erzählerinnen hatten Theaterschulleiter Réné Blanche und die künstlerische Leiterin Andrea Royé Bewegung in das Stück gebracht, das im Original rund zwei Stunden dauert.

Wie im Original dient die hier allerdings gesprochene „Canzone“ (Lied) als Prolog. In ironischer Manier erteilen die Sprecher den wenig lehrreichen Beschwernissen des Lebens eine Absage. Lieber wollen sie dem freudigen Leben frönen, zur Zeit dem Karneval von Faenza, der der Komödie als Rahmen dient.

Die Erzählerinnen Christina Papenfuß und Tabea Peters führen in die in Florenz spielende Handlung ein, in der Intrigen um eine schöne verheiratete Frau gesponnen werden. „Wie in Renaissance-Stücken üblich, spielt die Kirche eine nicht unerhebliche Rolle“, fügte Blanche hinzu.

Der Edelmann Callimaco (Mario Lötzsch) hat Paris den Rücken gekehrt, weil er die schöne Lukrezia (Anne Papenfuß) erobern will, die mit dem reichen, aber kraftlosen Florentiner Rechtsgelehrten Messer Nicia (Réné Blanche) verheiratet ist, der sich sehnlichst ein Kind wünscht. Der Heiratsvermittler Ligurio (Stephan Schley) greift also Messer Nicia gegenüber zur List und preist den vermeintlichen Arzt Callimaco in den höchsten Tönen. Letzterer hält Nicias Prüfung stand, weil er auf Latein zu antworten vermag. Ligurio und Callimaco brauen für Lukrezia aus der Wurzel der titelgebenden „Mandragola“ (Alraune) einen fruchtbarkeitsspendenden Trank, der allerdings den Nachteil hat, den ersten Beischläfer möglicherweise zu vergiften.

So kommt der „Galgenstrick des Ligurio“ zum Einsatz. Callimaco, sein Diener Siro (Roman Visser), Nicia und Ligurio verkleiden sich und fangen nachts auf der Straße einen vermeintlichen Herumtreiber. Das ist in Wirklichkeit Callimaco, dessen Tuch amüsanterweise beim Überfall verrutschte – sehr zum Vergnügen des Publikums. Um die tugendhafte Lukrezia gefügig zu machen, wurde ihr Beichtvater Frater Timoteo (Johannes Glowka) bestochen. „Madonna Lukrezia, was euer Seelenheil betrifft, so seid völlig ohne Sorge.

Ihr werdet schwanger und schenkt dem Herrgott ein Kind“, solchermaßen besänftigt der Geistliche Lukrezia. Deren Mutter Sostrata (Chantal Dreimüller) verabreicht ihr eigenhändig den Trank. Sanft interpretieren Callimaco und Lukrezia die Beischlafszene durch einen Tanz. „Der perfide Plan wird in die Tat umgesetzt, was für eine Scharade“, spotten die Erzählerinnen und fügen später hinzu: „Die Nacht ist vorbei, der Tag bringt ans Licht, wie unglaublich diese Geschichte ist“.

Bevor Lukrezia am nächsten Tag in der Kirche gesegnet wird, stellt Nicia seiner auffallend gelösten Frau Callimaco als Retter aus der Not vor und überlässt ihm den Schlüssel zu seinem Haus. „Und die Moral von der Geschicht‘: Machts wie Messer Nicia nicht“, höhnen die Sprecherinnen. Begeisterter Applaus der Zuschauer belohnte die ausdrucksstarken Darsteller im „optisch optimalen Ambiente“.

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