Tanken und türmen: Benzinklau nimmt zu

Von: hfs.
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Nach dem Griff zur Zapfpistole klingelt es nicht immer in der Kasse der Tankstelle. Denn der Benzinklau nimmt im Jülicher Land wieder zu. Foto: hfs.

Jülich. Tanken und Türmen: Der Benzinklau an Tankstellen nimmt wieder zu. Angesichts der steigenden Kosten an den Zapfsäulen ist die Zahl derer, die sich vor dem bezahlen aus dem Staub machen, wieder angewachsen.

Ein Phänomen, dass sich letztmalig in den Jahren 2006 bis 2007 in den Polizeistatisken bemerkbar machte. Auch in der des Kreises Düren.

Ausweis mit Adresse

„Der Mann hat mir seinen Ausweis gezeigt, ich habe Namen und Adresse aufgeschrieben, dann ist der Fahrer mit dem Versprechen gegangen, das Geld direkt vorbei zu bringen.” Gisela Rathmann (Name von der Redaktion geändert) arbeitet als Aushilfe an einer Jülicher Tankstelle. Ihre Schilderung ist erst wenige Tage alt.

„Dass der Typ zurückkommt, darauf warte ich bis heute”, sagt die 35-jährige Mutter von zwei kleinen Kindern. Natürlich erstattete der Tankstellenbetreiber Anzeige bei der Polizei. Es stellte sich heraus, dass die Angaben falsch waren.

Der Schaden in diesem Fall beträgt 92 Euro für 72 Liter Diesel. Die kann der Pächter „abschreiben”, die fehlen ihm am Monatsende bei der Abrechnung ebenso wie weitere gut 300 Liter. „Wie gesagt, in nur einem Monat haben sich üble Zeitgenossen diesen Sprit ergaunert”, erzählt der Tankstellenpächter.

Dazu gehörte auch jenes Pärchen, das sich mit einer anderen Masche bediente. „Die Frau stieg aus, hatte das Portemonnaie in der Hand. Alles sah normal aus.” Auf dem Video-Überwachungsband, das an jeder Tankstelle die Autofahrer aufnimmt, sehen der Pächter und die dann wieder informierten Polizeibeamten, wie der Mann seelenruhig die Zapfpistole einhängt, ins Auto steigt und startet. „Die Frau springt rein und weg ist der Dieb.”

Die Kennzeichen-Überprüfung anhand der Video-Aufzeichnungen ergibt, dass diese gefälscht sind, die Halterermittlung somit unmöglich ist.

Auf dem Schreibtisch von Willi Jörris, Sprecher der Kreispolizeibehörde, stapeln sich die Fälle von Benzinklau. „Die Zahl derer, die Tankbetrug begehen, ist leider sehr hoch”, sagt er.

Dass dies kein Kavaliersdelikt ist, darauf weist Jörris unmißverständlich hin. „Dies ist eine Straftat, die auch geahndet wird.” Vorausgesetzt, man erwischt den Tankbetrüger. „Normalerweise lohnt sich der Zeitaufwand nach der Suche des Übeltäters einfach nicht”, sagt eine Pächterin. „Natürlich erstatten wir Anzeige, aber meist erweist sich das Kennzeichen als gefälscht, oder aber bei demjenigen, der namentlich gemacht wurde, ist nichts zu holen.”

Dass es an dieser Tankstelle vermehrt Jugendliche sind, dies hat die langjährige Pächterin ebenfalls registriert. „Es hat in meinen Augen in vielen Fällen nichts mit dem fehlenden Geld zu tun. Die finden es einfach cool, jemanden übers Ohr zu hauen beziehungsweise sich in der Clique zu beweisen.” Der Schaden an dieser Tankstelle: Bis zu 800 Euro im Jahr.

Von der gleichen Größenordnung spricht auch ein Angestellter einer Tankstelle, die ebenfalls an einer großen Ausfahrtstraße der Stadt liegt. Der spricht von einer anderen „Klaumasche”, die in letzter Zeit vermehrt zu beobachten sei. „Der Kunde kommt rein, kauft Zigaretten oder eine andere Kleinigkeit, bezahlt und ist weg.” Dass er zuvor getankt hat, dies verschweigt er.

„Bei Hochbetrieb fällt dies dann erst auf, wenn der nächste tanken möchte, die Zäule aber noch gesperrt ist.” Dass das Videoband ausgewertet wird, ist klar. „Wenn wir den Übeltäter erkennen können, drucken wir von ihm ein Foto, hängen dies dann so in der Tankstelle auf, dass nur das Personal darauf einen Blick werfen kann. Denn schließlich merkt man sich solche Typen.”

Der Erfolg dieser „Fahndungstaktik” scheint dem Pächter Recht zu geben. Nach eigenen Angaben werden so bis zu 80 Prozent der Betrüger wiedererkannt. Und wenn möglich festgehalten.

Bis zum Eintreffen der Polizei kann der Tankstellenangestellte den vermeintlichen Tankdieb festhalten. „Wie jeder andere im Geschäft auch”, betont Polizeisprecher Willi Jörres. „Nach Paragraph 127 der Strafprozessordnung hat jedermann das Recht, eine Person festzuhalten, die eine Straftat begangen hat.”
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