Taler belohnt Jülicher Geschichtsforscher

Von: Antonius Wolters
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Anne Henk-Hollstein (r.), stellvertretende Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland, heftete Prof. Dr. Günter Bers nach der Verleihung des Rheinlandtalers auch die zugehörige Ehrennadel ans Revers. Foto: Wolters

Jülich. In ihre Laudatio auf Prof. Dr. Günter Bers hatte Anne Henk-Hollstein, stellvertretende Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland, eine Fülle von Attributen eingebaut, die den emeritierten Hochschullehrer auszeichnen.

Schatzbewahrer und Schatzsucher, Säule der rheinischen Geschichtsarbeit, der Generationen von Lehrern ausgebildet hat, stiller Arbeiter oder Hansdampf in allen Gassen, der 1968 in Bonn bei den Demonstrationen gegen die Notstandsgesetze vom Historiker zum Zeitzeugen wurde.

Vor allem war und ist der 75-Jährige Jülicher. Für sein langjähriges ehrenamtliches Engagement und seine regionalhistorische Arbeit in Jülich hat der Landschaftsverband Rheinland (LVR) Bers mit dem Rheinlandtaler ausgezeichnet, den Henk-Hollstein bei einem Festakt im Jülicher Rathaus überreichte. In der Herzogstadt hatte sich eine illustre Festgemeinde aus dem gesamten Kreisgebiet eingefunden, um einen Wissenschaftler zu ehren, der sich um die Erforschung und die Vermittlung der Geschichte des Jülicher Landes große Verdienste erworben hat.

1995 Ehrenmedaille erhalten

So erinnerte Bürgermeister Axel Fuchs bei seiner Begrüßung der vielen Gäste daran, dass Jülich dem großen Sohn 1995 schon die Ehrenmedaille verliehen hat. Er dankte Bers gleichzeitig für seinen Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte der Stadt.

An die Verpflichtung, Geschichte lebendig zu halten, erinnerte Landrat Wolfgang Spelthahn in seinem Grußwort. „Haben wir nichts aus der Geschichte gelernt?“ äußerte er sich besorgt über zunehmende Umtriebe aus der rechten politischen Ecke. Der Landrat bezeichnete Günter Bers als Lobbyisten für die Historie, der das Bewusstsein für die Kulturarbeit und für die Geschichte schärfe. Für dessen Mentorenrolle dankte er mit einer Kunsttasse, die Motive aus dem Kreisgebiet zeigt.

Bers‘ Werdegang in Forschung und Lehre und weit darüber hinaus hatte zuvor Laudatorin Henk-Hollstein skizziert. So wurde das Interesse für Geschichte und seine Heimatstadt schon früh geweckt. Als Schüler entdeckte der junge Günter in den Ruinen seines Elternhauses einen römischen Schreibgriffel aus Bronze, der heute im Stadtgeschichtlichen Museum zu finden ist. Neben Anregungen aus der Familie prägte ihn sein Geschichtslehrer Dr. Halbsguth.

Statt die väterliche Zahnarztpraxis zu übernehmen, studierte Bers lieber in Bonn Romanistik und Geschichte, wo er 1968 promovierte. Nach der Bonner Zeit erfolgte der Wechsel zur Pädagogischen Hochschule Rheinland in Köln, wo er sich 1977 habilitierte. Als die Pädagogische Hochschule drei Jahre später als pädagogische Fakultät der Uni Köln zugeordnet wurde, erhielt er die Ernennung zum außerplanmäßigen Professor. Das blieb er bis zum Eintritt in den Ruhestand 2005.

„Erschüttert von den übertriebenen Lobsprüchen“ äußerte sich Bers in seinen abschließenden Dankesworten. Er formulierte auch sein Credo, wonach zur Geschichtsschreibung auch und vor allem die politische Bewertung der Verhältnisse zählt. „Ich wäre 1968 gerne Stadtarchivar in Jülich geworden“, gestand Günter Bers den vielen Gratulanten, die ins Rathaus gekommen waren. Doch habe die damalige „Enthaltsamkeit der Stadt mir viel Glück gebracht“. Gleichwohl fühle er sich seiner Heimatstadt eng verbunden, in der er noch mit zweitem Wohnsitz gemeldet sei und auch einmal zur letzten Ruhe gebettet werden wolle, wie er weiter verriet.

Kleine Spitzen gegen das Herzogtum Jülich-Kleve-Berg, die Zitadelle und Herzog Wilhelm V. mochte sich der Historiker dennoch nicht verkneifen. Wilhelm sei ein unselbstständiger und schwacher Fürst gewesen, der nur wenige Entscheidungsmöglichkeiten gehabt habe und ein Befehlsempfänger der Habsburger in Brüssel gewesen sei. Die Zitadelle sei ein Außenposten der Habsburger gewesen „mit dem Charme eines Natobunkers“, während Bers das Herzogtum Jülich als „DDR des Habsburger Reiches“ apostrophierte.

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