Tagebaurandstraße: Die Macht der Gewohnheit endet an der Baustelle

Von: Leandra Kubiak und Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
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Spätestens hier ist Schluss: Am Stetternicher Kreisverkehr kann der Verkehr derzeit nur noch in Richtung Welldorf fließen.
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Viel Information auf einem Schild: Die Sperrung wird angekündigt, ist im Vorbeifahren aber nicht komplett wahrnehmbar. Foto: Kubiak

Jülich. Seit elf Tagen ist die Landstraße 264 zwischen dem Stetternicher Kreisverkehr und der Zufahrt zum Forschungszentrum in beiden Richtungen gesperrt. Gleich am ersten Tag der Sperrung registrierte die Polizei einen Unfall.

Vor allem in den ersten Tagen ist es häufiger zu Problemen und viel Verwunderung bei den Verkehrsteilnehmern gekommen, die die als Tagebaurandstraße bekannte Strecke als Verbindung zwischen Jülich in Richtung Düren und umgekehrt nutzen. Seitdem ist es aber zu keinen weiteren Vorfällen gekommen, die die Polizei auf den Plan gerufen haben.

„Wir kennen das Phänomen“, sagte Bernd Aulmann von Straßen.NRW. „Baustellenschilder werden nicht so ernst genommen, das Rot an Baustellen-Ampeln wird oft als halb-grün aufgefasst.“ Die Denkweise, dass es trotzdem eine Chance gibt, den Weg zu fahren, sei weit verbreitet. Viele Fahrer übersehen die Schilder möglicherweise auch. Die Macht der Gewohnheit fährt mit. Der Fehler wird erst augenscheinlich, wenn das Auto mit dem Kühlergrill direkt vor der Absperrung steht.

Testfahrt

Wie übersichtlich – oder eben auch unübersichtlich – die Verkehrsführung tatsächlich ist, hat unsere Redaktion selbst einmal ganz bewusst getestet. Ein Redaktionsmitglied ohne Ortskenntnisse hat sich auf den Weg begeben: Vom Stadtzentrum, der Bahnhofstraße, über die Römerstraße und die Kölner Landstraße Richtung Kreisverkehr, der normalerweise auf die L264 führt.

Gleich nach einigen hundert Metern lässt sich auf der Römerstraße zwar ein Schild mit dem Hinweis finden, dass die L264 gesperrt ist. Ist man aber tatsächlich ahnungslos unterwegs und auf den Verkehr konzentriert, lässt sich das Schild schnell übersehen. Ein Problem hat man auch, wenn man nicht ortskundig ist und man sich voll und ganz auf sein Navigationsgerät verlässt – denn das führt einen unter Umständen direkt vor die Baustelle, an der man sich nur links halten kann.

Die Polizei hat die Beschilderung der Baustelle kontrolliert. „Da entspricht alles den Vorschriften“, sagte Sprecher Ralf Meurer. Neben der Macht der Gewohnheit gibt es das Problem der Informationsflut auf den Hinweisschildern, die ein Fahrer beim einmaligen Vorbeifahren nicht immer sofort verarbeiten kann. „Es wird immer zu Irritationen kommen, wenn eine Verkehrsführung geändert ist“, bestätigte auch Meurer. Und das ist auch das Fazit unseres Tests: Selbst wenn eine Umleitung ordnungsgemäß beschildert ist, wird es wohl immer den ein oder anderen Fahrer geben, der sich auf der Strecke verirrt und schließlich vor der Baustelle steht.

Laut Straßen.NRW liegt die Fahrbahnsanierung der L264 im Zeitplan. Bis zum 29. Juli besteht die aktuelle Sperrung, vom 30. Juli bis zum 8. August ist dann der Abschnitt zwischen dem Stetternicher Kreisverkehr und der Zufahrt zur Bundesstraße 55 voll gesperrt.

„Wir haben die Fahrbahnsanierung bewusst in die Sommerferien verlegt“, sagte Aulmann von Straßen.NRW. „Dann beeinflussen wir den Schulbusverkehr nicht und das normale Verkehrsaufkommen ist geringer als sonst.“ Dass es trotzdem zu Chaos und Rückstaus kommt, liegt nicht zuletzt an der großen Bedeutung der Tagebaurandstraße.

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