„Tag der Architektur 2012”: Auf den Spuren der Religionen

Von: Daniela Mengel-Driefert
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Spuren der jüdischen und christlichen Bewohner, ihrer Religion und Berufsausübung wurden in den Gebäuden gefunden. Innenarchitektin Birgit Schwarzkopf erläutert Farbreste und Palmettenfries. Foto: Mengel-Driefert

Rödingen. „Das Gebäude selbst ist das Hauptexponat”, erklärte Innenarchitektin Birgit Schwarzkopf, „ daher wurde in der Sanierungsphase auf einen sensiblen Umgang mit der Bausubstanz geachtet”. Das LVR-Kulturhaus Landsynagoge Rödingen, das über jüdisches Leben im Rheinland mit 16 Audio und drei Videostationen in Wohnhaus und Synagoge informiert, beteiligte sich am „Tag der Architektur 2012”.

Die Judaistin und Leiterin Monika Grübel, Innenarchitektin Birgit Schwarzkopf und Restauratorin Sigrun Heinen standen bei freiem Eintritt für Fragen rund um Architektur und Restaurierung zur Verfügung.

Es ist ein überaus authentischer Ort, in dem jüdische und christliche Bewohner lebten und ihre Spuren hinterlassen haben. An jedem Türrahmen sind Abdrücke der Mesusots, kleine Schriftkapseln, zu finden, die in der Regel drei Tora-Stellen beinhalten. In der Sanierungs- und Restaurationsphase wurden diese Spuren deutlich hervorgehoben. Sie legen Zeugnis ab von dem Leben der ehemaligen Bewohner.

„Es war bei der Sanierung wichtig, die Flächen nicht zu tief zu behandeln”, sagte Restauratorin Sigrun Heinen. So kamen wahre Schätze zu Tage, wie eine Schablonenmalerei im Flur des Wohnhauses, die eine Ranke zeigt. „Zum Glück hat im Gebäudekomplex nie eine grundlegende Sanierung stattgefunden, dadurch hat sich vieles im Originalzustand erhalten oder konnte freigelegt werden.”

Im Wohnhaus lebte die jüdische Familie Ullmann. Issak Ullmann, Metzger und Viehhändler, Vorsteher der Gemeinde Rödingen, errichtete die Synagoge 1841 in seinem Hof. Sie ist heute die einzige weitgehend im Originalzustand erhaltene Landsynagoge im Rheinland. Damals lebten 42 Menschen jüdischen Glaubens im Dorf.

Ende des Jahrhunderts siedelten die jüdische Mitbürger in die umliegenden Städte. 1934 verließ auch Sybilla Ullmann als letzte jüdische Bewohnerin den Ort. Die Familie musste auf Druck der Nationalsozialisten den Gebäudekomplex an eine Aachener Schaustellerfamilie verkaufen. Die Synagoge wurde zweckentfremdet und diente bis 1999 als Werkstatt und Lagerraum für Karussells.

Auch diese Zeit hinterließ ihre Spuren. So sind über zwei Türrahmen im Wohnhaus Abdrücke von Kreuzen erkennbar sowie Farb- und Lackspuren an den Säulen der Frauenempore deuten auf Reparaturen.

In der Farbwahl der Innengestaltung hat der Landschaftsverband Akzente gesetzt. „Pro Raum gibt es ein Leitexponat, das „schwarz” hervorgehoben wird”, erklärte Birgit Schwarzkopf. So steht der weiße Kühlschrank, der Aufschluss über die jüdischen Speisevorschriften gibt, auf einem schwarzen Sockel. Mit „roter Farbe” sind die Erläuterungen zum Judentum markiert.

Der „Tag der Architektur 2012” wurde von vielen Besuchern positiv angenommen. Viele verweilten lange in der Dauerausstellung und nutzten die Zeit für Fragen an die Expertinnen.
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