„Tag der Archäologie“: 1300 begeisterte Besucher

Von: ptj
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Sorgfältig bearbeitete Steinmauern bezeugen die Existenz eines hochmittelalterlichen Wehrturms. Der Fund wird mit dem Vorrücken der Bagger bald verloren sein. Foto: Jagodzinska
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Einmalige Einblicke: Archäologen legen zwei Skelette in einer „Nekropole“ (Gräberfeld) aus der Merowingerzeit nahe Haus Verken frei.

Höllen/Inden. Einmalige Einblicke, umfassende Informationen und ein buntes Rahmenprogramm prägten den 23. Tag der Archäologie in der Außenstelle Höllen des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland und an der Abbaukante des Tagebaus Inden.

Veranstalter waren der Landschaftsverband Rheinland und die Archäologiestiftung. Letztere finanziert auch das Forschungsprojekt der Universität Bonn, das als Hauptattraktion der Veranstaltung galt. 1300 Gäste wurden gezählt, rund 25 kostenlose und gut gefüllte Pendelbusse führten ins Abbaugebiet bei Pier. Im laufenden Jahr wurde im Bereich nahe Haus Verken eine unbekannte „Nekropole“ (Gräberfeld) aus der Merowingerzeit entdeckt.

Die Besucher wurden Zeugen einer Freilegung von zwei Skeletten durch die Archäologen, eins war männlich und hatte eine Langwaffe neben sich liegen, das andere weiblich. Ganz nebenbei informierten die Experten über die merowingische Bestattungskultur in langen Reihengräbern. In der kleinen Nekropole fanden sich überwiegend Bestattungen in rechteckigen Erdgruben und in hölzernen Särgen.

Gut erkennbare, sorgfältig bearbeitete Steinmauern bezeugten die Existenz eines massiven Wehrturms, der von bis zu drei Metern tiefen Gräben umschlossen war. Diverse Grubenhäuser, Brunnen und Öfen veranschaulichten den Alltag der Menschen im Hochmittelalter. Allerdings ist der Fund verloren, sobald sich die riesigen Braunkohlebagger in den nächsten Tagen weiter durch den Tagebau fressen.

„Der Bagger ist leider oft schneller als uns lieb ist“, bestätigte Tor­sten Rünger von der Uni Bonn wenige hundert Meter weiter an der einstigen St. Helena-Kapelle in Vilvenich aus dem 12. bis 13. Jahrhundert. Dort werden aktuell Fundamente freigelegt. Das Forschungsprojekt soll klären, ob der romanische Bau auf ältere Anlagen zurückgeht. Die wenigen urkundlichen Belege der Anlage deuten sogar auf eine Holzkirche aus der Karolingerzeit.

„In der Braunkohle müssen wir sehr schnell und sehr effizient arbeiten“, bot der Archäologe Einblicke in seine Arbeit, in der Drohnenflüge und Laser-Scans keine Ausnahme sind. Die Tagebaubesucher zeigten sich ausnahmslos begeistert, „richtig etwas sehen zu können“, auch wenn Regen die Besichtigung gelegentlich erschwerten.

Auch in der Außenstelle mit seiner original nachgebauten eisenzeitlichen Anlage herrschte reges Leben. Dort lockten Handwerksdemonstrationen und Erlebnis-Archäologie für Kinder. Sie eiferten den Wissenschaftlern in einem speziell für sie vorbereiteten Ausgrabungsfeld nach, übten sie sich in der alten Technik des Brettchenwebens oder fertigten eine eigene „Fibel“ (Gewandspange) aus Bronzedraht. Die erwachsenen Gäste verfolgen die Live-Demonstration von Restauration Stella Oppl, die eine 2800 Jahre alte, „original verspeiste“ Urne mit größter Vorsicht freipräparierte und erste Knochenteile zu Tage förderte.

Dramatischer Germanenüberfall

Sie besichtigten etwa den für die Veranstaltung als Viertelkranz errichteten römischen Steinbrunnen und die darin verborgene 60 Zentimeter große Jupiterfigur, die auf dramatische Stunden eines Germanenüberfalls auf ein römischen Landgut hinweist. Ferner informierten sich Besucher über Forschungsprojekte der Archäologiestiftung wie die „Dendrochronologie“, die Altersbestimmung durch Baumringkurven, oder widmeten sich der Vorführung geophysikalischer Prospektionstechniken.

Nicht zuletzt lockte das Speisen- und Getränkeangebot. Als besonders beliebt erwiesen sich frisch gebackene Pizza aus dem Lehmkuppelofen und „Schweinefleisch mit Dörrpflaumen und Gemüse in Biersoße“ aus der römischen Klosterküche „Gasthus zu der Helle-Schenke“.

Dazu eignete sich Bier oder die „Höllener Variante“ des „Hipocras“, eines hausgemachten mittelalterlichen Würzweins. Letzterer wurde auch zu den Vorträgen des Autors Michael Kuhn über die Grundlagen der römischen Küche zum Probieren gereicht – zusammen mit „Moretum“, einer gemörserten römischen Käsepaste aus Schafskäse, Knoblauch und Olivenöl.

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