Stromspeicher sollen Jobs in Jülich sichern

Von: Antonius Wolters
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Dr. Christoph Treppmann, Leiter Geschäftsentwicklung bei Stornetic, steht vor einem Container, der noch vollständig mit Speichermodulen bestückt werden muss, bevor im Sommer die Auslieferung an ein Stadtwerk erfolgen kann. Foto: Gottwald

Jülich. Das Schwungrad zur mechanischen Energiespeicherung ist war zwar ein Prinzip, das schon den alten Ägyptern bekannt war, doch die Jülicher Firma Stornetic hat die Grundidee weiterentwickelt zu einem Hightech-Produkt, das für den globalen Markt kon-struiert worden ist und inzwischen Marktreife erreicht hat.

Das System besteht aus dem Rotor, der mit einer Elektromotor-Generator-Kombination verbunden ist. Um den Speicher zu laden, wird der Rotor vom Motor in Bewegung gesetzt. Eine hohe Drehzahl entspricht dabei einer hohen Rotationsenergie. Mittels des Generators kann diese Energie bei Bedarf wieder in elektrischen Strom umgewandelt werden. So gibt der Rotor die Energie an den Generator ab.

Rotor ist berührungsfrei gelagert

Stornetic setzt beim Ladungs- und Entladungsprozess eine nahezu verschleiß- und wartungsfreie Technik ein. Der Rotor besteht aus carbonfaserverstärktem Kunststoff, der im Vakuum mit Magnetkraft berührungsfrei gelagert ist und in einem rund 1,3 Meter hohen Stahlzylinder per E-Motor auf bis zu 45.000 Umdrehungen pro Minute beschleunigt wird. Das EnWheel 22 kann so 22 kW Leistung kurzzeitig speichern bzw. wieder abgeben.

Bei Entwicklung und Produktion setzt die 2013 gegründete Stornetic auf Know how und Fertigungskapazität der „Mutter“ Enrichment Technologie, die am Standort Jülich unter anderem Zentrifugen für die Urananreicherung fertigt. Da dieser Geschäftszweig zuletzt unter Druck geraten ist, war Enrichment das neue Geschäftsfeld sehr willkommen, das mit einem Millionenbetrag angeschoben worden ist. Es soll dazu beitragen, möglichst viele Arbeitsplätze am Standort Jülich zu sichern. So unterstützen 20 bis 40 Mitarbeiter die Herstellung der ersten EnWheel-Module, von denen bis zu 28 in einem 40-Fuß-Seecontainer zusammengeschaltet werden. „Die erste Anlage ist für uns von besonderer Bedeutung“, bekennt Dr. Christoph Treppmann, Leiter Geschäftsentwicklung bei Stornetic. So soll der erste vollbestückte Container nach dem Absolvieren diverser Tests im Sommer an ein Stadtwerk ausgeliefert werden und in Betrieb gehen. Diese Demo-Anlage gibt Gelegenheit, die Leistungsfähigkeit der Technologie auch anderen Interessenten im laufenden Betrieb zu demon­strieren.

Anwendungsbereiche für die Kurzzeitspeicher sind beispielsweise Stromnetze, zu deren Stabilität sie durch die Beseitigung von Leistungsspitzen und -schwankungen beitragen können. Die Energierückgewinnung bei Kränen oder U- und S-Bahnen sowie die Senkung des Strombedarfs in der Industrie sind weitere Felder, für die der Energiespeicher je nach Leistungsbedarf maßgeschneidert werden kann.

So ist mit den 22 kW einer EnWheel-Maschine die Entwicklung noch längst nicht ausgereizt. Wird beispielsweise die Leistung des Motors erhöht, ist auch ein EnWheel mit 80 kW und mehr möglich. So ist der modulare Aufbau der Speicheraggregate, die einen emissions- und risikofreien Betrieb garantieren, maximal flexibel für die Anpassung an Nutzanwendungen aller Art.

Dazu kommt, dass ein Aggregat, das rund 650 kg auf die Waage bringt, komplett wiederverwertet werden kann, denn es besteht im Wesentlichen aus Stahl, Kupfer und Kohlefasern. Bei einer geschätzten Lebensdauer von 15 Jahren ist das Schnee von morgen.

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