Strohmann Thomas ist untergetaucht

Von: Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
9492772.jpg
Gleich fliegt der Lazarus wieder durch die Luft: Etwas 100 Mal wird die Strohpuppe an Veilchendienstag in Jülich aufgeworfen.
9492778.jpg
Im Namen des Lazarus: (v.l.) Marcel Berwix, David Ningelgen und Pate Dr. Thomas Gissler-Weber.

Jülich. Der Lazarus Strohmanus ist tot. Am Veilchendienstag ertrank er in Fluten der Rur und hat die Sünden der Jülicher mit in sein nasses Grab genommen. So will es der Brauch, den die Historische Gesellschaft Lazarus Strohmanus nachweislich seit dem Jahr 1700 zelebriert. Ganz so lange ist Marcel Berwix noch nicht dabei.

„Ich mache mit, seit ich sechs Jahre alt bin“, sagte Berwix. Heute ist er 22. Und am Dienstag kam er zu einer ganz besonderen Aufgabe beim Umzug der Gesellschaft durch Jülich. Er hat den Mann getragen, also den Strohmann. „Das ist eine Ehre“, sagt der Jülicher, dem die Lazarus-Tradition familiär in die Wiege gelegt wurde.

Eine schwere Ehre. Denn die rund acht Kilogramm schwere Strohpuppe drückt mit der Zeit. Deswegen gibt es bei jedem Umzug zwei Strohmann-Träger. Dienstag bestimmte der Vorstand am Morgen Berwix und David Ningelgen, um den Lazarus zu tragen, zu werfen, mit ihm im Arm zu tanzen.

Thomas hieß die Strohpuppe, getauft nach ihrem Paten Dr. Thomas Gissler-Weber. Rund 100 Mal ist Thomas, als der Strohmann, durch die Jülicher Luft geflogen. Precken heißt das. An über 30 Stellen in Jülich wurde die Puppe aufgeworfen von den Mitgliedern der sogenannten Tuchgruppe, jedes Mal mit drei Würfen. Dazu murmelten die Mitglieder der Historischen Gesellschaft ihre Reimchen.

Für fast jeden Precken-Tatort gibt es ein besonderes Reimchen, die oft eine Art Spottvers sind, manchmal aber auch Lob oder Dank. Einmal ausgesprochen sind die Reimchen Geschichte, damit sie einzigartig und nicht wiederholbar sind. „Wer gehört hat, dass einer was gehört hat, der hat nur gehört, dass einer was gehört hat“, erklärte Präsident Heinrich Ningelgen, dass die Reimchen nicht aufgeschrieben werden und Beweise nach dem Hörensagen nicht zählen.

Kleine-Mann-Gang

Jede Gruppe der Gesellschaft hat ihre Aufgabe. Neben den Trägern und den Männern am Tuch gibt es beispielsweise auch die Besengruppe, die um den Lazarus herum tanzt, mit den Besen schwingt oder im Kleinen-Mann-Gang marschiert. Rund hundert Mal am Tag ist das Gehen in der Hocke angesagt, ausgerufen von Besengruppenführer Karl-Heinz Stier, der meist um einen Spruch nicht verlegen ist.

„Hier sind ein paar sterbende Schwäne dabei“, merkte er an. Ernst gemeint sind solche Aussagen nicht. Denn bei aller Tradition beim Lazarus Strohmanus steht der Spaß im Vordergrund. Und so ist auch die Aussage einer Mitglieder der Besengruppe zu verstehen, die sagen, dass angesichts der sportlichen Herausforderung am Abend des Veilchendienstags nur die Besen Muskelkater haben.

Im Rahmen des Umzugs kam es am Nachmittag zu einem Unfall. Ein THW-Mitarbeiter aus Jülich wurde von einem Auto erfasst, schwer verletzt und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Nähere Angaben konnte die Polizei nicht machen, die Beweisaufnahme läuft noch. Die Große Rurstraße war deswegen am Nachmittag gesperrt.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert