Titz/Düsseldorf - Streit um Kuhmist auf verschneitem Acker ist erledigt

Streit um Kuhmist auf verschneitem Acker ist erledigt

Von: gep
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Gülle darf seit dem 1. Februar wieder ausgebracht werden. Für Festmist gelten keine Sperrfristen. Foto: imago/Arco

Titz/Düsseldorf. Der Streit um knapp 38 Tonnen Kuhmist, die Mitte Januar auf Äckern bei Gevelsdorf ausgebracht worden sind, ist für das NRW-Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz „erledigt“. Das sagt Dr. Jons-A. Eisele vom Referat II A 5 (Pflanzenproduktion, Gartenbau). Das Ministerium vertraue darauf, „dass die Kreisstelle ordentlich arbeitet“.

Die Kreisstelle Aachen-Düren-Euskirchen der Landwirtschaftskammer (LWK) NRW in Düren hatte „vor Ort den Sachverhalt erfasst und dokumentiert“ und war mit Blick auf Schneehöhe und Frosttiefe zu dem Ergebnis gekommen: „Ein Verstoß gegen die Düngeverordnung konnten wir auf der Basis der real vorliegenden Informationen nicht feststellen.“

Nach Einschätzung von Eisele bestätigt der Fall die Erfahrung, dass ein rechtssicherer Vollzug der Düngeverordnung (DüV) sehr schwierig ist. Das betreffe sowohl die exakte Messung der Schneehöhe auf einem Schlag – Wo wird gemessen? Wie kann die exakte Schneehöhe im Nachhinein ermittelt werden? – als auch die genaue Bestimmung der Frosttiefe, die allein schon durch Bewuchs, Lage des Schlages, Beschattung oder Sonneneinstrahlung sowie Tageszeit mit unterschiedlichen Temperaturen schwanken könne.

Mit dem Verbot der Ausbringung auf schneebedeckten oder durchgängig gefrorenem Boden , so der Ministerialbeamte, solle in erster Linie dem Risiko einer Abschwemmung aufgebrachter Düngemittel in benachbarte Oberflächengewässer vorgebeugt werden. Eine erfolgte Abschwemmung sei in jedem Fall ein Verstoß gegen die DüV. Aus Gründen des Bodenschutzes sei jedoch die Nutzung oberflächlich gefrorener und damit tragfähiger Böden sinnvoll und erwünscht. In dem Gevelsdorfer Fall zeigten fehlende tiefen Treckerspuren, dass die Böden tragfähig gewesen seien und somit Bodenverdichtungen vermieden werden könnten. Aus diesem Grund sollten, so Eisele, nur oberflächlich gefrorene Böden, die tagsüber auftauen und aufnahmefähig sind, zur Düngung befahren werden.

Bei der derzeit diskutierten Novellierung der Düngverordnung sei vorgesehen, ein Ausbringungsverbot von Düngemitteln mit wesentlichen Gehalten an Stickstoff und Phosphat auf schneebedeckten Böden unabhängig von der Schneehöhe einzuführen.

Zudem werde geprüft, wie die Definition für gefrorene Böden angepasst werden könne, damit künftig die Ausbringung auf durchgängig gefrorenen Böden nicht gestattet sei. Eine bodenschonende Aufbringung von Düngemitteln sollte jedoch auf Böden möglich sein, die im zeitigen Frühjahr in den unteren Bodenschichten bereits aufgetaut seien und auf denen sich durch Nachtfröste eine oberflächig gefrorene Schicht gebildet habe, die dann im Verlauf des Tages wieder auftaue. Auf diesen Böden könnten Düngungsmaßnahmen in den frühen Morgenstunden sehr bodenschonend durchgeführt und Strukturschäden wirksam verhindert werden. Durch das vollständige Auftauen am Tage könnten die Dünger in den Boden einsickern.Damit sei die Gefahr der Abschwemmung in der Regel nicht mehr gegeben.

Im Sommer 2011 hatten sich die Bundesländer bereits darauf geeinigt, dass Gülle, Jauche, Biogas-Gärreste, Geflügelkot und flüssige Klärschlämme innerhalb von vier Stunden nach der Ausbringung eingearbeitet werden müssen, um den Ammoniak-Ausstoß zu mindern. Gulle und Festmist sind mit hohen Gehalten an gebundenem Stickstoff, Phosphor und Kalium wichtige betriebseigene Dünger, sie ersetzen Mineraldünger. Das Problem ist aber, dass bei der ublichen Breitverteilung der Gulle mit Pralltellern, Schwenkdüsen oder Düsenbalken Nährstoffe verloren gehen. Daher gewinnt die bodennahe Einarbeitung immer mehr an Bedeutung.

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