Aachen/Jülich - „Street Angels“ mit Chef Leines ohne Kutten im Gericht

„Street Angels“ mit Chef Leines ohne Kutten im Gericht

Von: Wolfgang Schumacher
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Rocker unterstützen mit ihrer internationalen Gruppierung „B.A.C.A.“ (Biker Against Child Abuse) die Familien von Missbrauchs-Opfern. Gestern rückte die überraschte Polizei am Aachener Landgericht an. Foto: R. Roeger
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Aufregung im Gericht als rund 50 Rocker zum Prozess wegen Kindesmissbrauchs zum Beistand der Familie kamen. Die Polizei rückte umgehend mit einem Großaufgebot an. Foto: Ralf Roeger

Aachen/Jülich. Da kam Stimmung auf am Aachener Landgericht, als rund 50 Rocker in schwarzen Kutten ins Gebäude wollten. Anlass zu solchen Auftritten sind normalerweise die zahlreichen Prozesse etwa gegen „Bandidos“ oder „Hells Angels“. Dieses Mal aber waren die Rocker in einer Hilfsmission unterwegs, von deren Ziel sie auch die herbeigerufene Hundertschaft der Polizei schnell überzeugen konnten.

Denn die Rocker treten als Helfer der Familie in dem Missbrauchsfall um den Angeklagten Peter D. aus Jülich auf. Mehr als 150 Mal und über einen Zeitraum von acht Jahren soll D. seinen Adoptivsohn in Merzenhausen sexuell missbraucht haben.

Anfang der Woche machte der 56-jährige Mechaniker erste Aussagen zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft. Am Verhandlungstag stand das Opfer selbst sowie die Mutter des heute 16-jährigen Jungen im Zeugenstand vor der 5. Großen Strafkammer.

Obgleich die Familie angekündigt hatte, dass die Aussage des Jungen durchaus in öffentlicher Sitzung stattfinden könne, schloss die Kammer unter Vorsitz von Richter Roland Klösgen Zuschauer und Presse von der Verhandlung aus.

Dies ist kein ungewöhnliches Vorgehen, gilt es doch, die Intimsphäre der jungen Opfer zu schützen. Im Fall von Peter D. aber kam noch eine ungewöhnliche Begleiterscheinung hinzu. Die Mutter, so sagte es am Mittwoch der wegen vielfältiger humanitärer Projekte bekannte Vorsteher des Aachener Motorradclubs „Street Angels“, Leines Gaworski, habe sich vor etwa vier Monaten an den Club gewandt, um in ihrem Fall Hilfe zu bekommen. „Ihr ist nirgendwo weitergeholfen worden“, sagte er.

Das Ergebnis sei, so der als „Leines“ bekannte Rockerchef auf der Aachener „Hazienda“ des Clubs, dass man seit Beginn des Prozesse die Familie unterstütze und bei Terminen persönlich begleite. So tauchten die etwa 50 Rocker vor Gericht auf. Die Rocker beteiligen sich an der internationalen Vereinigung B.A.C.A. (Bikers Against Child Abuse), zu der sich auch die Aachener mit Chef Leines Gaworski bekennen, aber auch aus den nahen Niederlanden waren Biker angereist.

Kammervorsitzender Klösgen verdonnerte die Biker, ihre Kutten vor dem Saal abzulegen – und machte zudem die Vernehmung des Jungen zu einer nichtöffentlichen Sitzung. Der Sinn der Anordnung: Die Aufschriften auf den Kutten (Lederkleidung der Biker) könnten „zu einer unzulässigen Beeinflussung des Prozessverhaltens einzelner Prozessbeteiligter“ führe.

So kampierten die Biker den ganzen Tag in weißen Hemden und ohne Kutten vor dem Gerichtssaal mit der Hoffnung, doch noch reingelassen zu werden. Der Prozess geht diesen Freitag weiter.

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