Stolze Stadt von der Historie umzingelt?

Von: Volker Uerlings
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Kein Zweifel: Der Hexenturm ist ein schutzwürdiges Denkmal. Im Gegensatz zu den teilweise großflächigen Bodendenkmälern lässt sich das am Relikt aus dem Mittelalter gleich erkennen. Foto: Uerlings

Jülich. Der Kämmerer würde dieser These seit einigen Jahren nicht zustimmen, aber: Jülich ist wenigstens in einer Hinsicht reich - reich an Denkmälern. Bei einer Siedlung, die vor 2000 Jahren gegründet wurde, mag das kaum verwundern. Das historische Erbe aber ist nicht immer nur ein Quell der Freude.

In den vergangenen beiden Sitzungen des Ausschusses für Kultur, Integration und Sport standen Bodendenkmäler auf der Tagesordnung, die insgesamt mehr als 40 Hektar (!) Fläche groß sind und deren Unterschutzstellung für die Grundbesitzer Beeinträchtigungen bedeuten.

Da schwoll einer großen Koalition aus Vertretern von vier Fraktionen der Kamm. Sie wetterten gegen die Fachbehörde und wollen nun als kleine rheinische Stadt den Aufstand proben - zwar nicht gegen Rom, aber immerhin gegen Köln, auch das ist ja Jülicher „Tradition”.

Im Oktober war das Gremium schon sehr überrascht, als das „Michelsberger Erdwerk” bei Stetternich unter Schutz gestellt werden sollte. Die jungsteinzeitliche Siedlung ist die größte ihrer Art im Rheinland, die aus einem Doppelgrabensystem mit Erdbrücken besteht.

Der Schutzbereich umfasst 36 Hektar und ist damit größer als der gesamte Brückenkopf-Park! In der November-Ausschusssitzung ging es um die jüngere Vergangenheit - einen römischen „Vicus” zwischen Bourheim und Königshäuschen. Hier geht es „nur um 4,5 Hektar.

Vertreter von CDU, SPD, FDP und Jül werteten diese großen Schutzflächen als „Umzingelung” der Stadt, da die Ausweisung von Bodendenkmälern Folgen hat. Alles, was in einer Tiefe ab elf Zentimetern geschehen soll, bedarf der Genehmigung der Denkmalbehörde. Wenn also ein Landwirt mit dem Pflug etwas tiefer seine Furchen ziehen möchte, muss er fragen. Karl Sauer (CDU): „Das ist ein enteignungsähnlicher Eingriff!”

Lambert Schmitz (SPD) war auch nicht begeistert und forderte „einen Brief an die Behörde, damit die uns anhören”. Ein derartiger Flächenanspruch blockiere die Stadt. So sah das auch Marco Johnen (CDU): „Wir verbauen uns die mögliche Stadtentwicklung.”

Matthias Hoven (Jül) sprach vielen aus der Seele: „Jeder Acker rund um Jülich ist nach einer so langen Geschichte mit einem Vorleben belastet. Das kann doch nicht in jedem Fall zu einem Bodendenkmal führen.”

Die Vertreter der Verwaltung hatten einen schweren Stand. Beigeordneter Martin Schulz: „Ich verstehe Ihren Ansatz, er ist politisch. Aber letztlich haben wir keine Chance. Wir müssen uns mit der Behörde fachlich auseinandersetzen.” Das gehe nur in einem Gutachten, das eventuell die fachliche Bewertung der Denkmalbehörde entkräftet.

Auch Dezernent Günter Vogel zeigte grundsätzliches Verständnis für die Kritik, hält die vorgetragenen Argumente bei einer Auseinandersetzung aber für „sachfremd”. Dennoch will die Verwaltung die Chancen ausloten und erst einmal mit dem Denkmalamt sprechen. Ende offen.
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