Stimmenimitator mit dem Hang zu Sprachspielen

Von: ptj
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Der kleine Ruhrpöttler Hennes Bender zeigt sich im Kulturbahnhof bei seinem lachmuskelstrapazierenden Programm in jeder Richtung mächtig „erregt“. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Klingt ein bisschen anzüglich – ist es auch!“ Dieser Satz aus dem Munde des Ruhrpott-Comedians und Synchronsprechers Hennes Bender im fast vollbesetzten Saal des Kulturbahnhofs ist eine treffende Beschreibung für sein zweideutiges und lachmuskelstrapazierendes Programm „Erregt“.

Nach 20 Jahren auf der Bühne ist Bender zu seinen Ursprüngen zurückgekehrt und zeigte sich in jeder Beziehung „erregt“. In Jülich, wo „man merkt, dass man nicht mehr ganz in der Zivilisation ist“, stand er zum drittletzten Mal mit dieser Show auf der Bühne. Im Oktober folgt der Nachfolger „Klein/laut“, eine treffende Bezeichnung für den nicht ganz leisen 1,60 m großen Bochumer.

Bezeichnend für den 45-Jährigen ist seine enge Tuchfühlung mit ausgesuchten Zuschauern, die sich sogleich bereit erklärten, vor großem Publikum Details aus ihrem Privatleben zu verraten. Ein Zuschauer trat sogar mit auf die Bühne, um sich feiern zu lassen wie ein Star – und sich mit Unterwäsche bewerfen zu lassen. Der vielseitige Ruhrpöttler ist vor allem ein prima Stimmenimitator, ein Talent, das sein Publikum in der zweieinhalbstündigen Show voll auskosten durfte.

Der Vegetarier, der aber eine Elster wegen ihrer stakkato-ähnlichen Krawallgeräusche „fressen würde“, imitierte alles von diversen Insekten über Jan Delay, der wirklich „etwas aus einer fortgeschrittenen Nasennebenhöhlenentzündung gemacht hat“, bis hin zu Herbert Wehner, der „das Wort aggro erst erfunden hat“. Bender räumt mit Klischees auf, etwa damit, dass ein Ruhrpöttler statt eines Kindergartens eine „Untertagesstätte“ besucht hat, räumte aber ein, das Ruhrgebiet stehe für die „Teilung zwischen Aldi-Süd und Aldi-Nord“. Situationskomisch analysierte er Sprache, etwa: „Man kann sich verpissen, aber nicht verabschieden – man wird verabschiedet.“ Auch die Definition des Wortes „fußläufig“ als „Gegenteil von bettlägerig“, ließ ihn nicht los.

Fußball ist die Religion im Pott

Bender hat „nichts gegen Gott, aber gegen sein Bodenpersonal“. So kamen weder die „Katholen“ noch die „Scientologen“ gut weg. „Bei uns im Pott gibt es nur eine Religion, un dat is Fußball. Fußball hat so ein bisschen die Kriege ersetzt“. Diese Aussage wusste der Comedian höchst amüsant in kleine mimisch und stimmlich betonte Anekdoten – auch in englischer Sprache – umzusetzen, bei denen kein Auge trocken blieb.

Bender, der am 42. Geburtstag einen „altersbedingten Gichtanfall“ erlitten hat, philosophierte über den Unsinn des Lebens, aber auch seinen Sinn, den nach dem Roman „Per Anhalter durch die Galaxis“ die Zahl 42 symbolisiert. Die komplexen Inhalte seiner Show reichten von einstige Drogenerfahrungen bis zur Ermunterung zur Darmspiegelung. Bender outete sich als „Hörspielfan“ und glänzte als Analytiker des meist verbreiteten sozialen Netzwerks, das „sprachliche Veränderungen“ herbeigeführt habe, Beispiel „liken“. Eine Episode über das „visuelle Erkennen, das erst morgen räumlich existent wird“, las er aus seinem „kleinen Ruhrpottlexikon: Komma lecker bei mich bei“, das sich sogar in der Bestsellerliste platziert hat.

Nach einem Plädoyer für die wahre Liebe, der nichts peinlich ist, bot er wie versprochen, in seiner ausgedehnten Zugabe ein fulminantes Finale mit Lasershow und Glitterpistole und diversen Musikerparodien. Ausgestattet mit richtungsweisenden Requisiten verkörperte er etwa Udo Lindenberg oder Herbert Grönemeyer mit eigenen Texten wie „Ein Bond fürs Leben“.

Kaum eine Lachpause eingelegt

Das Publikum, das während der Show kaum eine Lachpause einlegte, zeigte sich auf Nachfrage stolz aufs JÜL-Kennzeichen, zwei Zeitungen und die „moderne Forschungsstadt“. Nach kräftigem Applaus versprach Bender gerne, auch sein neues Programm wieder im KuBa zu präsentieren.

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