Stichwahlsieger: Eine Frau, ein Fuchs und ein Rechtsanwalt

Von: -vpu-/ahw/jan
Letzte Aktualisierung:
10945153.jpg
Der Moment: Axel Fuchs hat die Stichwahl gewonnen und wird im Sitzungssaal des Jülicher Rathauses gefeiert. Der neue Bürgermeister siegte unangefochten. Foto: Volker Uerlings
10945158.jpg
Die neue Linnicher Bürgermeisterin Marion Schunck-Zenker (SPD) nahm zahlreiche Gratulationen entgegen. Foto: Wolters
10945354.jpg
Erste Gratulantin: Ehefrau Maria beglückwünscht ihren Mann Jörn Langefeld zur gewonnen Wahl in Inden. Foto: Guido Jansen

Jülicher Land. In Jülich, Linnich und Inden gibt es im Oktober durch die Bank neues Führungspersonal an den Verwaltungsspitzen. Eine Gewinnerin der Stichwahlen am Sonntag ist Marion Schunck-Zenker (SPD) in Linnich mit fast 80 Prozent der Stimmen.

 Das Ergebnis im Mittelzentrum Jülich war ebenfalls an Deutlichkeit kaum zu überbieten: Der parteilose Axel Fuchs vereinte 63 Prozent der Wählerschaft hinter sich und konnte sein Ergebnis aus dem ersten Durchgang fast verdoppeln – gegen einen Bewerber der schwarz-roten Ratsmehrheit.

Frank Peter Ullrich kam auf 36,1 Prozent. In Inden ging das Stechen etwas knapper aus, aber nicht minder überraschend: Auch hier machte der parteilose Rechtsanwalt Jörn Langefeld mit 53 Prozent das Rennen und auch hier gegen einen Konkurrenten der großen Koalition: Roul Combach (SPD/47 Prozent).

Axel Fuchs legte am Sonntag einen zu keiner Zeit gefährdeten Start-Ziel-Sieg hin. Und dennoch wirkte er lange Zeit angespannt, dann überwältigt. „Ich bin überglücklich, ein Traum ist in Erfüllung gegangen. Wir haben hier heute viel für Jülich erreicht“, sagte der 47-jährige Finanzbeamte und Personalratsvorsitzende, der den Schreibtisch im Finanzamt Düren bald räumen muss, um dann in seiner Heimatstadt zu arbeiten.

„Gegen den Jülicher Jung‘ war wohl nichts zu machen. Ich gratuliere Axel Fuchs“, sagte Frank Peter Ullrich, der noch vor zwei Wochen vorn gelegen hatte. Aber die Stichwahlen waren ein einziger Siegeszug für Axel Fuchs. Während Ullrich sogar weniger Stimmen als im ersten Durchgang holte, konnte der „Muttkrat“ sein Ergebnis fast verdoppeln: von 3682 auf 7006.

„Schön, dass es so eindeutig ist“, sagte Marion Schunck-Zenker am Abend ihres Triumphes im Linnicher Rathaussaal, umringt von vielen Parteifreunden, ihren Gatten Stefan Zenker stets an der Seite. Grandios hatte die SPD-Kandidatin die Stichwahl gegen Amtsinhaber Wolfgang Witkopp von der CDU gewonnen, ihre Stimmenzahl von 2373 im ersten Wahlgang vor zwei Wochen noch einmal deutlich auf 3675 gesteigert.

Demgegenüber gab der scheidende Bürgermeister Witkopp sogar Stimmen ab: Im ersten Wahlgang hatten noch 1175 Bürger für ihn votiert, bei der Stichwahl waren es nur noch 973. In Prozenten ausgedrückt stand es nach Auszählung aller Stimmen 79,1 zu 20,9 Prozent.

„Die Bürger wollten nach 20 Jahren einen Wechsel, das Ergebnis dokumentiert das“, erkannte Wolfgang Witkopp seine Niederlage ohne Wenn und Aber an, nachdem er seiner Nachfolgerin zu ihrem Erfolg gratuliert und ihr viel Kraft, eine starke Hand und Glück bei ihrer schweren Aufgabe als Bürgermeisterin gewünscht hatte.

Der erkennbar gut aufgelegte SPD-Fraktionsvorsitzende Hans-Friedrich Oetjen witzelte, dass er nach der Wahl von Marion Schunck-Zenker ja künftig einer Frau gehorchen müsse.

In Linnich eine Frau, in Jülich ein Fuchs – und in Inden ein Rechtsanwalt: Jörn Langefeld konnte sich erst nach Auszählung der Briefwahlscheine seines Sieges sicher sein. Bis kurz vor der Ziellinie hatten sich Langefeld, der im Wahlkampf von der UDB unterstützt wurde, ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Roul Combach (SPD) geliefert, der in der Stichwahl den Koalitionspartner CDU hinter sich hatte. Erst nach dem Auszählen der Briefwahlstimmen war die Entscheidung gefallen.

„Da steigt der Blutdruck ziemlich an“, sagte Langefeld einige Minuten später mit einem Lächeln auf den Lippen, nachdem er bereits fast alle Hände der im Rathaus Anwesenden geschüttelt hatte. Auch die des unterlegenen Roul Combach. „Das ist zwar jetzt nur eine Phrase: Aber so ist Demokratie“, sagte der SPD-Mann, der eingestand, dass sein Kontrahent einen „cleveren Wahlkampf“ gemacht habe. Auf die Frage, ob er vor der Wahl und vor der Stichwahl damit gerechnet habe, dass er gegen die Kandidaten der großen Koalition gewinnt, gab Langefeld eine ausweichende Antwort.

„Ich habe es mir gewünscht.“ Konkret wurde er in einem anderen Punkt: „Ich bin parteilos und ich lege großen Wert darauf, dass ich nie mehr einer Partei angehören werde“, sagte das einstige FDP-Mitglied. Dieses Prinzip der Überparteilichkeit will er als Bürgermeister weiter pflegen.

Ein lokalhistorischer Abend: drei Stichwahlen, drei überraschende Sieger und drei neue Frauen und Männer an den Verwaltungsspitzen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert