Aldenhoven - Stele holt die Namen der jüdischen Mitbürger zurück

Stele holt die Namen der jüdischen Mitbürger zurück

Von: Adi Zantis
Letzte Aktualisierung:
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Bewegende Einweihungszeremonie zur Übergabe der Stele im Aldenhovener Römerpark mit dem Aachener Rabbiner Mordechai Bohrer (v.l.) und Herbert Rubinstein vom Landesverband Jüdischer Gemeinden. Foto: Zantis

Aldenhoven. Eine andächtige Stille des Gedenkens lag über dem weiten Rund im Aldenhovener Römerpark. Nur die klagenden Töne einer Trompete erfüllten die weihevolle Atmosphäre, als die Gemeinde sich erinnerte an diejenigen, die als jüdische Mitbürger durch einen grausamen Tod aus der Gemeinschaft gerissen wurden.

Um den Worten von Bürgermeister Lothar Tertel zu folgen, kann jetzt mit der Verwirklichung einer Gedenkstätte in Form einer aufragenden Stele wenigstens „die namentliche Erinnerung zurückgerufen werden. Es ist ein Ziel, um für die Nachwelt jüdisches Leben wieder aufzuarbeiten!

„Ein Ort des Gedenkens gegen Völkermord, für Frieden und gegen das Vergessen.” Tertel sprach von einem „gemeinsamen Bemühen” der Geschichtswerkstatt, den Kirchengemeinden mit den Jugendgruppen, der Pfadfinder, der Gemeinde Aldenhoven und der ganzen Bürgerschaft, die sich in Verbundenheit engagiert hatten.

Als „Aldenhovener Schöpfung” hat das beeindruckende Mahnmal durch den Künstler Karl Heinz Schumacher einen erinnerungswürdigen und tiefsinnigen Ausdruck gefunden, in dem das Wort „Lo Tischkach - Vergiss nicht!” eine mahnende Realisation gefunden hat. Schumacher sieht in seiner Idee „einen Eckpfeiler der Gesellschaft, wie im Dritten Reich die Menschen aus den Gemeinschaften herausgerissen wurden”.

Eine runde Bodenplatte aus Bruchsteinen als Basis symbolisiert die zerbrochene jüdische Welt. Trauerbänder mit den Namen der ermordeten Aldenhovener Juden durchziehen die zerstörte Welt und formieren sich zum Davidstern. Mitten aus diesem Hexagramm wächst die Stele empor. Der Steinblock versinnbildlicht eine gewachsene Gesellschaft mit Ecken und Kanten.

Ein Eckpfeiler war auch die jüdische Gemeinschaft in Aldenhoven. Brutal hat die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten Teile aus jener Gemeinschaft eleminiert. Deshalb sind Steinquader wie Stolpersteine aus der Stele herausgeschlagen. Sie sind wieder eingefügt, um an die Ermordeten zu erinnern. Hierzu hat in besonderer Weise die handwerkliche Geschicklichkeit von Steinmetzmeister Stefan Prell und Baumeister Jos Suárez ihren kreativen Ausdruck gefunden.

In einem Grußwort erinnerte Herbert Rubinstein vom Landesverband Jüdischer Gemeinden Nordrhein an die lange Geschichte der jüdischen Familien, die seit Generationen in der Aldenhovener Region beheimatet waren. „Wenn heute eine Stele an die Auslöschung jüdischen Lebens mahnt, dann verdient das Anerkennung und Dank. Sie haben hier in Aldenhoven das Geschichtsbuch nicht zugeklappt, sondern werden es mit einem Symbol in Ehren halten!”

Namens der Kirchen verzichtete der evangelischer Pfarrer Charles Cervigne demonstrativ auf eine Einsegnung. „Es steht uns nicht zu, denn wir haben als Christen nicht eingegriffen, als damals die Juden vernichtet wurden! Heute aber”, so betonte er, „holen wir unsere jüdischen Mitbürger in Erinnerung wieder nach Aldenhoven zurück!”

„Ich war sprachlos und tief bewegt” - so schilderte der Aachener Rabbiner Mordaichai Bohrer seinen ersten Eindruck von der Aldenhovener Gedenkstele. Für ihn ist das Mahnmal eine Stätte der Erinnerung und ein hoffnungsvolles Zeichen. „Hier gibt es Menschen, die unsere ermordeten Brüder und Schwestern nicht vergessen haben.”

Als Stätte des Gedenkens mit kostenfreier Beteiligung von Künstler und Handwerkern sowie einer Spendenaktion von Vereinen, Institutionen und aus der Bürgerschaft entstand ein Gemeinschaftswerk, dessen Kosten weitestgehend abgedeckt wurden.
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