Stammzellenspende: Der Gerettete wird zum zweiten Opa

Von: Daniela Mengel-Driefert
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Wiedersehen nach der Rettung: Empfänger Wolfgang Rapp (l.) und Spender Michael Schröder. Foto: dmd
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Der letzte Schritt für den Spender: die sogenannte periphere Entnahmemethode. Foto: DKMS

Jülich. Der Arzt prognostizierte eine Lebenserwartung von wenigen Monaten. Wolfgang Rapp aus Dresden war an Blutkrebs erkrankt, hatte schon einige Chemotherapien hinter sich. Michael Schröder aus Jülich rettete mit einer Stammzellenspende sein Leben.

Heute sitzen die zwei fröhlich nebeneinander, Rapp geht es den Umständen entsprechend gut. „Bis auf einen Schnupfen“, sagt er. „Man wird ja jedes Jahr älter“, sagte er, damit deutet er an, nicht mehr der Jüngste zu sein. Rapp ist 72 Jahre alt, der Spender könnte sein Enkel sein.

Michael Schröder, 27 Jahre, setzte sich schon früh mit dem Thema der Stammzellenspende auseinander. Warum? Der Vater ist Mitglied im Lions Club, der die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) mit Spenden unterstützt. Schröder traf schon als Jugendlicher die Entscheidung, aktiv zu helfen: „Wenn ich 18 bin, lasse ich mich typisieren“. Das war 2006. Eine erste Anfrage zur Spende kam 2008. Doch der Empfänger entwickelte am Tag vor der Stammzellentransplantation eine Lungenentzündung. Er überlebte nicht.

Eine zweite Anfrage erfolgte 2010. Wolfgang Rapp war körperlich am Ende. Auch ihm sollte eine Knochenmarkspende helfen. „Der Arzt war sehr zuversichtlich“, blickt Rapp heute zurück. Er sprach von 95 prozentiger Sicherheit, dass es klappen würde. Wer spendet, war Rapp unwichtig: „Wenn sie so weit unten sind, ist das ziemlich egal“.

Die Stammzellentransplantation fand am 18. Mai um 10 Uhr statt. Er weiß das noch ganz genau. „Es war mein zweiter Geburtstag“, sagt er mit fester Stimme. Sicher, ob alles klappt, konnte er erst zwei Jahre später sein. Dann, heißt es, ist der Empfänger über den Berg. Auch kurz vor der Übertragung gibt es einen kritischen Moment. Dann wird das Immunsystem auf Null runtergefahren. „Wenn der Spender in diesem Moment aussteigt, kann man nicht überleben.“ Michael Schröder stieg nicht aus. Rapp hatte Glück. Nicht nur das Glück, einen passenden Spender gefunden zu haben. Auch Glück, dass sein Körper die Spende angenommen hat.

Schröder interessierte, wie es ihm geht, dem Empfänger, auch wenn er nicht wusste, ob es sich um eine Frau oder einen Mann handelt. Denn Empfänger und Spender werden anonymisiert. Ein direkter Kontakt wird zwei Jahre untersagt. Einzige Möglichkeit: Briefkontakt über den Umweg der DKMS, ohne Unterschrift, ohne Namen. Auch Rapp war gespannt und die ersten Briefe wanderten zwischen Jülich und Dresden hin und her. Nach zwei Jahren fragten beide ihre Kontaktdaten ab. Möglich ist das nur, wenn Spender und Empfänger einverstanden sind. So kam es zu den ersten Telefonaten. Was sagt man dann? „Wir haben uns herangetastet“, antworten beide.

Ein erster Besuch fand 2013 in Dresden statt. „Komisch war das schon“, so Schröder. „Da schlummert etwas von einem selber in jemand anderes weiter“. Rapp war überrascht, dass sein Spender so jung war.

Nun lässt der Gesundheitszustand einen Gegenbesuch in Jülich zu und Rapp ist froh, dass es einen Michael gibt. Auch der sieht sich nicht nur als Geber: „Er hat viel von meinem Opa, der im Februar gestorben ist. So habe ich nun doch noch einen Großvater.“

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