Stammhaus Jülich: Seit zehn Jahren eine gefragte Adresse

Von: Daniela Mengel-Driefert
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Ein Zuhause für Menschen mit Behinderung feiert zehnjähriges Bestehen: das Stammhaus. Betreuer und Bewohner laden herzlich zur Feier ins KuBa ein. Foto: Mengel-Driefert

Jülich. Ein Baum ist stark. Seine Wurzeln verankern den Stamm im Boden. Im Laufe der Jahre verzweigt er, treibt Blüten und trägt Früchte. Eine Gruppe von jungen Menschen fand Gefallen an diesem Bild, träumte von einem „Stammhaus Jülich“ – einem gemeinsamen Wohnhaus für Menschen mit Behinderung.

Viele Jahre später wurde der Traum wahr. Nun feiern die Bewohner, Betreuer, Eltern und Freunde das zehnjährige Bestehen.

Angefangen hat die Erfolgsgeschichte in der Kindertagesstätte Steppke für körperbehinderte Kinder in Hasselsweiler. Die Eltern machten sich damals Gedanken, was ist, wenn die Kinder erwachsen sind? Wo werden sie leben? Müssen sie nach Köln oder Aachen ziehen, weil es in Jülich keinen Wohnort für Menschen mit Handicap gibt? So war die Idee für ein wohnortnahes Zuhause geboren.

Im Laufe der Jahre wurden die kleinen Steppke-Kinder größer und entwickelten sich zu emanzipierten jungen Menschen mit Handicap. Die außerfamiliären Aktivitäten nahmen zu, sie trafen sich in einer Rollstuhlbasketballgruppe, gingen gemeinsam in die Disco. 2001 gründete die Gruppe eine Zeitung, die Stammhaus- Nachrichten. „Sie suchten etwas, womit sie ihre Stärken zeigen konnten“, sagt Gisela Beckers, Mutter von Bewohner Christoph Beckers und Sprecherin der Eltern. Die Gruppe wuchs zusammen und hielt an ihrem Traum fest: einem gemeinsamen Leben in einem „Stammhaus Jülich“.

Herausforderung gemeistert

Schließlich war der Landschaftsverband bereit – nach langer Überzeugungsarbeit –, die Finanzierung zu übernehmen. Das geschah jedoch unter einer Voraussetzung. Die Eltern mussten zehn Prozent der Kosten aufbringen. Doch dank vieler Sponsoren meisterten die Eltern auch diese Herausforderung. Zum Schluss hing alles am fehlenden Grundstück.

„Die Gruppe bombardierte die Stadt, ein Grundstück zur Verfügung zu stellen“, sagt Gisela Beckers und erzählt, wie groß die Freude war, als endlich der Weg zur Erfüllung des großen Wunsches geebnet war.

Der heutige Träger des Hauses ist die Stammhaus Jülich gGmbH, die aus der Elterninitiative der Kita Steppke in Hasselsweiler hervorgeht. Das Grundstück, auf dem sich das Gebäude befindet, ist ideal: in der Nähe des Brückenkopf-Parks liegt es geschützt und trotzdem in der Nähe der Stadt.

Heute nach zehn Jahren hat sich manches verändert. „Einige Bewohner wollten keine 24-Stunden-Betreuung mehr und freier sein“, sagt Hausleiterin Ingrid Brieden. Als Reaktion wurden vier Appartements gebaut, die Bewohner erhielten mehr Selbstständigkeit, vier neue konnten ins Stammhaus einziehen.

Die Persönlichkeitsentwicklung der Stammhausbewohner und die Entfaltung ihrer Stärken sind den Betreuern besonders wichtig. Jeder Bewohner soll herausfinden, wer er ist und wer er sein will, sagt Melanie Bickschäfer vom begleitenden Dienst. Erfahrungen sammeln und sich ausprobieren, gehören dazu.

Mittlerweile stehen 60 Anmeldungen auf der Warteliste, das Stammhaus ist eine gefragte Adresse.

Der Landschaftsverband übernimmt die finanzielle Grundversorgung. Alle Extras finanzieren sich über Spenden. Für die Erweiterung des Stammhauses, Stammhaus-Aktivitäten, Freizeitgestaltung, Bildungs- und Gesundheitsangebote werden nach wie vor Sponsoren gesucht.

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