Stählerner Riese erhält ein neues „Hüftgelenk”

Von: Jörg Abels
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Am Boden vorsichtig mit Magnet
Am Boden vorsichtig mit Magneten in die Führungen gelegt, werden die einzelnen Kugelsegmente mit Hilfe eines Autokrans an ihren Bestimmungsort in gut 15 Metern Höhe gehoben.

Niederzier. Die nächste Großoperation im Tagebau Hambach steht kurz vor ihrem Abschluss. Der Patient: wieder einer der gigantischen Schaufelradbagger, der in den vergangenen 33 Jahren Tag für Tag Abraum, vor allem aber bis zu 240.000 Tonnen Braunkohle aus der Grube befördert hat.

Der „behandelnde Chefarzt”: Dr. Carsten Geisler, Fachleiter Maschinenbau im Tagebau Hambach, der schon vor zwei Jahren einem anderen stählernen Riesen, Bagger 287, in einem ähnlich aufwendigen Verfahren unter anderem ein neues Gebiss, sprich Schaufelrad, verpasst hat.

Die „Zähne” hat sich dessen „Bruder”, Bagger 289, zwar noch nicht an der nicht ganz so harten Braunkohle ausgebissen. Trotzdem nutzt Geisler mit seinem 150 Mitarbeiter starken Team, das den Patienten rund um die Uhr in drei Schichten bei Laune hält, die im Mai begonnene Grundinstandsetzung auch zu kleineren Eingriffen am Schaufelrad.

Gigantisches Kugellager

Im Mittelpunkt der rund acht Millionen Euro teuren Generalüberholung aber steht diesmal das „Hüftgelenk” des stählernen Riesen - ein gigantisches Kugellager, auf dem das 4800 Tonnen schwere Oberteil des Kolosses ruht und das den Ausleger samt Schaufelrad erst beweglich und damit drehbar macht. „Im Laufe der Jahre haben die Kugeln, aber auch die beiden Kugelbahnen mit einem Durchmesser von 20 Metern Risse bekommen”, erklärt Geisler den Grund der aufwendigen Operation, die RWE Power größtenteils in Eingenregie durchführt. „Das spricht für die Fachkompetenz und das hohe technische Know-how, über das wir in den eigenen Reihen verfügen”, betont Tagebauleiter Hans-Joachim Bertrams und verweist darauf, dass damit auch diesmal wieder rund 75 Prozent der Investitionen in der Region geblieben sind.

15 Hydraulikstempel

Um an die 279 Stahlkugeln - jede wiegt 135 Kilogramm, hat einen Durchmesser von 320 Millimetern und muss eine Last von 16 bis 18 Tonnen tragen - heranzukommen, mussten die Ingenieure den Oberkörper des Baggers erst anheben. „15 Hydraulikstempel verschaffen uns den Raum, um die Kugeln, die Kugelbahnen und den zum Antrieb benötigten Zahnkranz zu erneuern”, spricht Geisler von absoluter Präzisionsarbeit, die trotz der Dimensionen vonnöten ist. „Ist eine Kugel auch nur ein paar hunderstel Millimeter kleiner als die neben ihr liegende, trägt sie nicht mehr, während die Last auf den übrigen Kugeln steigt.” Und damit das nicht passiert, wird jede einzelne von RWE-Technikern hergestellt Kugel vor dem Einbau noch einmal genau unter die Lupe genommen, mit einem Spezial-Laserverfahren vermessen und bei Bedarf erneuert.

Bis zum Wochenende soll der Einbau der insgesamt 279 Kugeln abgeschlossen sein. Denn die Zeit drängt: Anfang August muss der 94 Meter hohe und 220 Meter lange Schaufelradbagger wieder Braunkohle fördern. Bis dahin müssen auch die anderen Arbeiten abgeschlossen sein, am Fahrwerk und am Getriebe des Baggers.

Für Carsten Geisler endet damit ein Projekt, das ihn und seine Kollegen rund anderthalb Jahre beschäftigt hat. Alle Abläufe wurden dezidiert geplant, teilweise sogar in 3D-Technik im Vorfeld simuliert, um zeitraubende Überraschungen während des eng gestrickten Terminplans der 90-tägigen Grundinstandsetzung auszuschließen.

Lange ausruhen aber kann sich der „Chefarzt” nicht. Neben den Schaufelradbaggern 287 und 289 sind auch die übrigen Großgeräte des 1978 aufgeschlossenen Tagebaus Hambach allmählich in die Jahre gekommen und müssen sich größeren Operationen unterziehen, um dann nach Möglichkeit bis 2045 - solange soll in Hambach Braunkohle gefördert werden - durchzuhalten. Deshalb haben parallel zu den Arbeiten an Bagger 289 auch bereits die Planungen zur Zahnoperation bei Bagger 290 begonnen, der bereits im kommenden Jahr ein neues Schaufelrad bekommen soll.
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