Städtepartnerschaft: Geburtstagsfeier auf Sparflamme

Von: ojo
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Linnich. Freundschaften sollten einem lieb und teuer sein, wobei in diesem Zusammenhang „teuer“ nicht finanziell gemeint ist. Manchmal aber spielt die wirtschaftliche Komponente unangenehm in eine freundschaftliche Beziehung hinein. Das wurde jetzt am Beispiel der deutsch-französischen Städtepartnerschaft Linnich-Lesquin deutlich.

Dass hier eine reiche Kommune (Lesquin) und eine bitter arme (Linnich) partnerschaftlich verbunden sind, deckte ein Antrag des Linnicher Tennisclubs „Schwarz-Gold“ auf. Der erbat sich von der Stadt Linnich einen Zuschuss zu einem Treffen der Linnich/Tetzer Tennisjugend mit ihren Tennisfreunden aus Lesquin.

Die Verwaltung hatte dem zuständigen Kultur-, Sport- und Partnerschaftsausschuss an Herz gelegt, dem Antrag zu folgen und 1000 Euro Zuschuss zu gewähren. Soviel gibt der Linnicher Haushalt in diesem Jahr „zur Pflege der Städtepartnerschaft“ her.

Die unverfängliche Nachfrage von Michaela Körffer (PKL) – „Ist die Höhe angebracht und ist das tatsächlich Partnerschaftspflege oder vielleicht ehe einen verkappte Vereinsförderung?“ – brachte den Stein ins Rollen und den Bürgermeister dazu, aus dem Nähkästchen zu plaudern.

Jüngst im September war Wolfgang Witkopp in Lesquin, wo ihm sein Amtskollege Dany Wattebled eröffnete, dass man im nächstes Jahr vorhabe, das 40-jährige Bestehen der Partnerschaft groß zu feiern. Natürlich mit den Linnichern. Vorsichtig habe Wattebled angefragt, ob eine Geburtstagsfeier auch in Linnich geplant sei.

Witkopp gab offen zu, peinlich berührt gewesen zu sein. Während Lesquin offensichtlich keine finanziellen Probleme hat, dank äußerst lukrativer Grundstücksvermarktung, kann sich Linnich es sich nicht leisten, die Gäste aus Frankreich über Nacht einzuladen.

Und eine Unterbringung auf privater Basis sei nur schwierig zu organisieren – wenn überhaupt, befürchtete Witkopp und schloss: „Wir tun uns schwer mit der Partnerschaft.“ Vor diesem Hintergrund könne man nur froh, dass ein einziger Verein diese Freundschaft am Leben erhalte.

Dem das dafür im Haushalt eingeplante Geld zu geben, sei ein gutes . „Der Verein macht kein Geschäft damit“, ging der Bürgermeister auf die PKL-Frage ein. Der werde als Gastgeber sicherlich mehr als 1000 Euro für dieses Freundschaftstreffen ausgegeben haben.

Die Suche nach Finanzmittel zur Förderung der internationalen Städtepartnerschaft zieht im Übrigen weite Kreise. Es bestünde zarte Hoffnung auf eine Förderung durch EU-Mittel. Auch daran hätte Lesquin den größeren Anteil.

„Die Franzosen möchten uns im Rahmen des Partnerschaftsjubiläums ihre ungarische Partnerstadt vorstellen“, vertiefte Witkopp. Und für ein Trio, zumal mit einem osteuropäischen Partner, „scheinen die Fördermöglichkeiten etwas besser zu sein als bei nur zwei Partner“.

In Linnich setzt ungeachtet dessen die Suche nach einem Sponsoren ein, der einen Tag Geburtstagsfeier in dem armen Städtchen an der Rur ausrichtet.

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