Jülich - Stadtwerke: Strom ist ein Nebenprodukt der Heizung

Stadtwerke: Strom ist ein Nebenprodukt der Heizung

Von: Antonius Wolters
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Klinkerbau mit großen Fenstern: Technischer Leiter Paul Gormanns (r.) und Jürgen Söbbing von den Stadtwerken Jülich erläutern den rund 1,8 Millionen Euro teuren Neubau einer Wärmeerzeugungsanlage, die an der Bongardstraße vor der Bastion entstehen soll. Foto: Wolters

Jülich. Weil die Wärmeerzeugungsanlage der Stadtwerke Jülich im Hallenbad in die Jahre gekommen ist, plant der Versorger einen rund 1,8 Millionen Euro teuren Neubau, der nur wenige Meter vom Hallenbad entfernt ebenfalls an der Bongardstraße vor der Bastei entstehen soll.

„Es ist unser ehrgeiziges Ziel, die Anlagen bis Ende des Jahres in Betrieb zu nehmen“, gibt Dipl.-Ing. Paul Gormanns, Prokurist und Technischer Leiter der Stadtwerke, einen straffen Zietplan vor. Mit Dipl.-Ing. Jürgen Söbbing, Leiter Netzmanagement, stellte er das Projekt vor.

Warum ist der Neubau nötig? Beide Techniker nennen an erster Stelle die Versorgungssicherheit, denn die Anfang der 1980er Jahre installierten beiden Heizkessel und vier Blockheizkraftwerke (BHKW) mit einer thermischen Leistung von insgesamt 5000 kW beheizen neben dem Hallenbad über ein kleines Fernwärmenetz unter anderem auch öffentliche Gebäude wie das Neue Rathaus und die Promenadenschule, die während der Bauphase natürlich nicht einfach abgeklemmt werden können.

Nach gut 30 Jahren neigt sich trotz regelmäßiger Wartung und stetigen Verbesserungen der Lebenszyklus der technischen Apparaturen seinem Ende zu. Quasi als Nebenprodukt bei der Wärmeerzeugung ist der Strom entstanden, den die BHKW ins öffentliche Stromnetz einspeisen.

So wird die mit Erdgas befeuerte Altanlage weiterlaufen, wenn mit dem Bau der neuen begonnen wird. Im Sommer, wenn weniger Wärme nachgefragt wird, soll die Einbindung der neuen Aggregate ins Fernwärmenetz vorbereitet werden. Dazu werden vorhandene Leitungen mit den neuen verknüpft. „Kein Mensch wird etwas davon merken, wenn die alte Anlage abgeschaltet wird“, hofft Paul Gormanns auf einen reibungslosen Umschluss beider Anlagen.

Technisch wird die neue Installation ein wenig anders ausgelegt: In dem ebenfalls noch zu errichtenden Gebäude an der Bongardstraße werden vier Heizkessel und ein Blockheizkraftwerk aufgebaut. Die thermische Leistung beträgt weiterhin 5000 kW, die elektrische rund 350 kW. Mit dem geänderten Konzept ist eine Effizienzsteigerung verbunden, denn der Erdgas-Motor des (BHKW) kann künftig fast durchgängig laufen und deckt damit die Grundlast bei der Wärmeversorgung ab.

Wird mehr Heizenergie nachgefragt, kommen die vier Heizkessel einzeln oder im Verbund zum Einsatz, die durch diesen Kniff ebenfalls effizienter betrieben werden können. Ein weiteres Instrument, um den Motor des BHKW länger laufen zu lassen und eine noch höhere Effizienz herauszukitzeln, ist ein thermischer Zwischenspeicher in Form eines stark isolierten Tanks, der mit 25.000 Litern Wasser gefüllt ist, das vom BHKW aufgeheizt wird und seine Temperatur möglichst lange stabil hält.

Wirkungsgrad wird gesteigert

Jürgen Söbbing schätzt, dass der Wirkungsgrad von jetzt 30 bis 35 durch das neue Konzept auf 38 bis 40 Prozent gesteigert werden kann. Damit kommt die Stadt Jülich auch ihrem unter der Woche verkündeten Klimaziel näher, den CO2-Ausstoß bis 2030 zu halbieren. Ein weiterer Baustein auf diesem Weg wäre es, wenn bei der Brennstoff-Wahl die Biogas-Option gewählt wird, was auch nachträglich möglich wäre.

Um dem Bemühen um Transparenz Rechnung zu tragen, soll das Gebäude an der Bongardstraße mit einer Grundfläche von rund 200 Quadratmetern über große „Schaufenster“ verfügen, die die Anlagen bei der Arbeit zeigen.

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