Stadt mietet ein Hotel für Flüchtlinge an

Von: Volker Uerlings
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Im Herzen Jülichs befindet sich das Hotel „Alte Post“, das zur Zeit leer steht, aber laut Stadtratsbeschluss zur Unterbringung von Asylbewerbern angemietet wird. An dieser Stelle befand sich früher einmal die „Landskron“, das Geburtshaus Schirmes (kleines Bild). Foto: Uerlings

Jülich. Die Stadt Jülich mietet das zentrale und leerstehende Hotel „Alte Post“ für zunächst drei Jahre zur Unterbringung von Asylbewerbern an. Das hat der Stadtrat auf seiner jüngsten Sitzung beschlossen. Die Mietkosten betragen 84.000 Euro pro Jahr (7000 Euro im Monat).

Diese Fakten aus dem nichtöffentlichen Teil hat das Rechtsamt auf Nachfrage der Redaktion bestätigt. Die Entscheidung fiel mit großer Mehrheit bei sieben Nein-Stimmen.

Damit reagiert die Stadt auf die erhebliche Zunahme an Flüchtlingen, die beständig zugewiesen werden. Das wird an Zahlen deutlich: Im November 2013 betrug die Zahl der Flüchtlinge in Jülich 155, Mitte Dezember 2014 sind es fast 250. Das ist eine Zunahme um über 60 Prozent, und die bisherigen Kapazitäten reichen nicht aus, wie die Jülicher Sozialamtsleiterin Doris Vogel mehrfach in politischen Gremien dargelegt hat.

In der nichtöffentlichen Sitzung hat es auch Kritik an dem Beschlussvorschlag gegeben. So sollen Ratsvertreter gefragt haben, warum nicht andere leerstehende Gebäude genutzt werden, die sich in städtischem Besitz befinden. Konkret genannt wurde die Realschule. Wie unsere Zeitung erfuhr, sei das unter anderem mit Verweis auf sanitäre Anlagen, die dort nicht in ausreichender Zahl verfügbar sind, und Küchenkapazitäten sowie dann notwendige Umbauten von Verwaltungsseite abgelehnt worden. Den Argumenten ist die Ratsmehrheit am Ende auch gefolgt.

In der „Alten Post“ gibt es die passgenauen Raumgrößen, vor allem die Sanitäreinrichtungen, aber eben auch schon Betten und Schränke, die nicht gekauft werden müssen. Zudem befinden sich im Obergeschoss des Gebäudes, an dessen Stelle einmal mit der „Lands­kron“ das Geburtshaus des berühmten Malers Johann Wilhelm Schirmer stand, zwei Wohnungen.

Die Hotelzimmer und die Wohnungen bieten die Möglichkeit, sowohl Einzelpersonen, Paare als auch Familien in dem Haus an der Ecke Kapuziner-/Baierstraße einzuquartieren. Weit über 70 Menschen dürften Platz finden. Nach mehreren Planspielen – unter anderem dem Kauf von Wohncontainern für 1,2 Millionen Euro – sind nun vom Rat Fakten geschaffen worden.

Ein weiterer Plan sieht bekanntlich vor, einige vorhandene Gebäude der alten Sendeanlage auf der Merscher Höhe zur Unterbringung von Flüchtlingen zu nutzen. Dazu sollte aber der Kauf vollzogen sein, zudem sind noch Arbeiten notwendig. Eine dritte Komponente sorgte nach Informationen unserer Zeitung für „Druck im Kessel“: Die Wohncontainer in Güsten sollen durch mehrere Wassereinbrüche in jüngster Zeit arg in Mitleidenschaft gezogen worden und außerdem überbelegt sein. Den schlechten Zustand der Container bestätigte Sozialamtsleiterin Doris Vogel am Freitag auf Anfrage: „Wir können froh sein, wenn sie den Winter überstehen. Die Anlage ist rott.“

Entsprechend steht das „Drehbuch“: In Güsten sind nur alleinstehende junge Männer untergebracht. Sie sollen laut Doris Vogel bis Ende Januar in die „Alte Post“ umziehen. Wie unsere Zeitung erfuhr, ist das Hotel der Stadt zur Anmietung angeboten worden.

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