Stacheln schützen nicht vor Autoreifen und Rasentrimmern

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Die Igel werden bei Margitta Keßel vorbildlich gepflegt: Sie werden vorsichtig untersucht, auf Parasiten gecheckt, mit Medikamenten versorgt und entwurmt. Zum Prozedere gehört auch das regelmäßige Wiegen und die Untersuchung des Kots unter dem Mikroskop.

Titz. „Wir sind anders”, erklärt Margitta Keßel. Das hat sie auch von Anfang ihren Nachbarn in Titz mitgeteilt, als sie vor drei Jahren mit ihrem Mann dorthin zog. Was sie damit meint, zeigt sich beim Blick in den Garten des Einfamilienhauses.

Hier sieht es nicht so akkurat und zurechtgestutzt aus, wie in vielen anderen Außenanlagen. Und das liegt nicht daran, dass Margitta Keßel keinen Sinn für Ordnung hätte. Die 66-Jährige ist Tierschützerin aus Leidenschaft.

Jahrelang betrieb sie eine große Igelstation mit regelmäßig mehr als 100 Tieren am Niederrhein, hat zahllose schwer verletzte oder kranke Igel aufgenommen, gefüttert und gepflegt.

Das macht sie heute nicht mehr, kümmert sich aber wohl um einige verletzte und kranke Igel aus ihrer Nachbarschaft. Und leider werden das immer mehr. „Ich habe im vergangenen Jahr allein acht tote Igel im Bereich Goethestraße, Schulstraße und Landstraße gefunden”, beklagt Keßel.

Sie führt das zurück auf unaufmerksame Fahrer, die sich nicht immer an die Tempo-Limits halten. „Wer in der Zone 30 auch tatsächlich 30 fährt, kann immer rechtzeitig bremsen, wenn ein Igel über die Fahrbahn läuft”, davon ist sie überzeugt. Dazu kommt das natürliche Verhalten der Tiere, die sich eben „einigeln”, wenn sich ein „Angreifer” nähert.

Aber der Straßenverkehr ist nicht die einzige Gefahrenquelle für die stacheligen Nützlinge. Lebensgefährlich für die kleinen Säugetiere wird es im Garten, wenn unbedarft der Rasentrimmer oder ein Laubhäcksler zum Einsatz kommen. Gerade in Laubhaufen fühlen sich Igel pudelwohl und landen unbemerkt im Häcksler. Auch wer ohne vorher genau nachzusehen unter Büschen „trimmt”, riskiert schwere Verletzungen beim Igel.

Nicht minder gefährlich sind bauliche „Fallen”: Kellertreppen und -schächte. Diese sollten gut abgedeckt werden bzw. regelmäßig auf „abgestürzte” Igel kontrolliert werden.

Auch hiesige Traditionen können brandgefährlich werden. In den Reisighaufen für Martins- und Osterfeuer, die einige Tage vor dem Abbrennen aufgeschichtet werden, verstecken sich die Tiere gerne - und verbrennen dann bei lebendigem Leib.

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