„Stabat mater“ bei ergreifendem Passionskonzert aufgeführt

Von: ptj
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Die aufführenden Sänger und Instrumentalisten ernteten stehend dargebrachte Beifallskundgebungen. Foto: Jagodzinska

Linnich. Ergreifend wirkte die Aufführung der Komposition „Stabat mater“ von Giovanni Battista Pergolesi als Hauptwerk im Passionskonzert in der voll besetzten evangelischen Kirche in Linnich. Das Werk, das die unter dem Kreuz stehende, vom Schmerz gebrochenen Mutter Jesu beschreibt, ist „eine großartige Schöpfung der mittelalterlichen Dichtung“ von Jacopone da Todi 1220 bis 1306).

Pergolesi verstand es, diese Schöpfung in einem ungewöhnlichen Zusammenspiel von Oper und ausdrucksstarker Frömmigkeit musikalisch zum Ausdruck zu bringen.

Unter Leitung der Kantorin Youna Park brachten exzellente koreanische Solisten, stimmlich unterstützt von einem fabelhaften siebenköpfigen Linnicher Projektchor, die erschütternde Episode der Passionsgeschichte zu Gehör. Ausführende waren Ja-Young Park (Sopran), You-Kyung Choi (Alt), Youngseo Kim und Dongjin Shin (beide Violine), Eunok So (Viola) und Dasol Choi (Violoncello).

Organist Prof. Jürgen Kursawa spielte einleitend auf der Orgelempore in Perfektion das „Präludium und Fuge c-moll, BWV 546“ von Johann Sebastian Bach und begleitete anschließend Sänger und Instrumentalisten im Chorraum auf einem Orgelpositiv.

Wie ins Opernhaus versetzt

Die einzelnen Strophen des „Stabat mater“ interpretierten Solistin und Altistin gemeinsam oder im Wechsel, in steter Begleitung durch das Streicherensemble. Manche Passagen in Chorbegleitung versetzten den Zuhörer im Geiste in ein Opernhaus. Andere, etwa ausgedrückt durch ein Solo der Altistin, stimmten unendlich traurig.

Pfarrerin Wiebke Harbeck unterstrich die Aussagen der einzelnen Gesangspassagen durch ausgewählte Zwischentexte. Sie startete mit dem korsischen Volkslied „Maria“, in dem diese „die Schreie hört, die den Todeskampf ankündigen...“ Im anschließenden Monolog von Rainer Maria Rilke hinterfragt Maria unter dem Kreuz die Notwendigkeit eines solches Todes, weiß im Grunde ihres Herzens aber, dass Gott ihr Ja und den Tod ihres geliebten Sohnes für sein Erlösungswerk gebraucht hat.

Das Johannesevangelium, in dem der sterbende Jesus seiner Mutter seinen Lieblingsjünger Johannes an die Seite stellt, legte die Pfarrerin in einer Kurzpredigt aus: „Jesus hadert mit Gott, nicht mit seiner Mutter. Er sorgt sich um eine gute Zukunft für seine Mutter und stellt ihr einen neuen Sohn an die Seite. Er wird die Lücke nicht füllen können, das muss er auch nicht. Johannes soll Jesus nicht ersetzen, sondern Maria trösten.“

Mit dem „Segen der Trauernden“ von Maria Luise Wölfing setzte die Pfarrerin die Reflektionsreihe fort. „Gesegnet seien alle, die mir jetzt nicht ausweichen...“ heißt es etwa darin. Weiter ging es mit der Deutung des Gemütszustandes „Traurigsein“ von Erich Fried. Als letzten Text verlas Harbeck vier Strophen aus dem Kirchenlied von Paul Gerhardt „O Haupt voll Blut und Wunden“, in dem das Standhalten eine große Rolle spielt: „Von dir will ich nicht gehen, wenn dir dein Herze bricht“, verbunden mit der Bitte in Todesnot: „Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir..“.

Auch das „Stabat mater“ führte thematisch vom Mitleiden unter dem Kreuz zum eigenen Tod, aber nicht in Verzweiflung, sondern in der Glaubensgewissheit der Auferstehung.

Die Aufführenden im Chorraum ernteten stehende Akklamationen von einem überwältigten Publikum.

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