Jülich - St. Elisabeth in Jülich schreibt rote Zahlen

St. Elisabeth in Jülich schreibt rote Zahlen

Von: Otto Jonel
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Dem Jülicher Krankenhaus geht
Dem Jülicher Krankenhaus geht es wirtschaftlich schlecht. Nach einem Millioendefizit 2011 stehen auch für 2012 die Flaggen auf Flaute. Foto: Jonel

Jülich. Eigentlich ist das St.-Elisabeth-Krankenhaus in Jülich ein Ort, an dem Kranke und Verletzte gesunden sollen. Dieser Anspruch bleibt unangetastet. Aber: Das Krankenhaus selbst ist ein Patient. Wirtschaftlich geht es ihm gar nicht gut.

„Wir haben letztes Jahr einen Minusbetrag erwirtschaftet”, bestätigte Assessor jur. Gábor Szük, Geschäftsführer der Caritas-Trägergesellschaft (ctw) West, auf Anfrage unserer Zeitung. Rund 1,7 Millionen Euro betrug das Defizit.

Das ist an sich schon arg genug, doch die Tendenz 2012 weist keine Besserung auf. Das Jahr habe zwar gut und vielversprechend begonnen, sagt Szük. Dann aber kamen die Nackenschläge. Die Evakuierung des Krankenhauses nach dem Fund der 20-Zentner-Fliegerbombe im Nordviertel habe sich auf 400 000 Euro summiert. Hinzu kommt eine tarifliche Kostenerhöhung.

In der Tarifrunde 2012/13 wurde Mitte des Jahres eine dreistufige Gehaltserhöhung für die Caritasmitarbeiterschaft beschlossen. Für NRW hatte die Regional-Kommission eine Steigerung um 3,5 Prozent ab Juli vorgesehen, dazu eine weitere Erhöhung um 1,4 Prozent ab 1. November und schließlich ab Februar 2013 noch einmal 1,4 Prozent. „Das bedeutet für uns 700 000 Euro Mehrkosten”, rechnet der Geschäftsführer vor.

Das fängt der Betrieb des Jülicher Krankenhauses nicht auf. „Wir können derzeit nicht so viele Patienten generieren, wie wir bräuchten.” Und das, obschon gegenüber der letzten Bilanz unter Malteser-Führung eine Steigerung von 5885 auf 6220 stationäre Aufnahmen erfolgt sei.

Zur Erinnerung: Mitte 2009 wurde das St.-Elisabeth-Krankenhaus der ctw übertragen, vollzogen wurde der Besitzwechsel allerdings erst im Februar 2011 nach einem über ein Jahr dauernden Verhandlungs- und Rechtsstreit mit dem Kreis Düren.

Die Stellschraube, an der die Geschäftsführung drehen will, um der defizitären Entwicklung entgegenzuwirken, ist die tarifliche Erhöhung. Würde die Mitarbeiterschaft einer Aussetzung der Gehaltssteigerung zustimmen - „zumindest bis Ende 2013”, so Czük -, wäre dem Haus schon geholfen.

Das aber hat die Mitarbeitervertretung abgelehnt. Das Bild vom gebrannten Kind drängt sich auf. Denn noch unter Malteser-Flagge hatte die Mitarbeiterschaft Verzicht geübt, hat beim Gehalt zurückgesteckt, bei Arbeitszeiten aufgestockt. „Genutzt hat es nichts”, sagt Ingrid Sauer, Vorsitzende der Mtarbeitervertretung im St.-Elisabeth-Krankenhaus.

Die Mitarbeitervertretung habe in den sachlichen Gesprächen mit der ctw-Geschäftsführung erklärt, dass „ein freiwilliger Verzicht nicht rechtens” sei und man dem nicht zustimmen werde. „Es gibt nur den Weg über die Arbeitsrechtliche Kommission.”

Dieses Gremium des Deutschen Caritas Verbandes wird sozusagen erstinstanzlich entscheiden müssen. Ihm liegt der Antrag der ctw auf „Aussetzung der tariflichen Erhöhung” vor. Die Mitarbeitervertretung habe dem Antrag, so Ingrid Sauer, nicht zugestimmt. „Aber wenn die Kommission den Antrag prüft, kommen auch wir zu Wort.”

Die Entscheidung der Kommission wird sowohl von der Geschäftsführung wie von den rund 300 Mitarbeitern des Jülicher Krankenhauses mit Spannung erwartet. Wie auch immer sie ausfällt, wird sie möglicherweise nicht die Lösung des Problems sein.

Insolvenz ist kein Thema

In diesem Zusammenhang weisen Szük und MAV-Vorsitzende Ingrid Sauer Spekulationen über Personalabbau im und Insolvenz des Krankenhauses fast gleichlautend zurück. „Das ist natürlich Quatsch!” Szük: „Im medizinischen Bereich ist nichts überbesetzt. Entlassungen machen überhaut keinen Sinn.” Ingrid Sauer bekräftigt: „Wenn man 20 Schwestern entlassen würde, liefe hier nichts mehr.”

Informiert ist selbstverständlich auch der Landrat, der die Faktionsvorsitzenden des Kreistages kommende Woche zusammenruft. Ihnen soll die ctw-Geschäftsführung die wirtschaftliche Situation des Krankenhauses detailiert schildern. „Der Kreis wird alles daran setzen, das Krankenhaus in Jülich zu erhalten”, betont Wolfgang Spelthahn. In der Pflicht sei aber die ctw. Dessen ist sich Gábor Scük bewusst. Er gehe „ohne Erwartung” in diese Runde.
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