Jülicher Land - Spritalternative Rapsöl ist nicht mehr gefragt

Spritalternative Rapsöl ist nicht mehr gefragt

Von: hfs.
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Jülicher Land. „Die Rapsfrucht macht Bauer Kerres glücklich.” Von dieser Schlagzeile aus August 2006 will der Landwirt von Gut Erzelbach bei Linnich jetzt absolut nichts mehr wissen - im Gegenteil. Seit einigen Monaten steht seine Rapsölmühle still, die damals beschriebene eigene „Ölquelle” sprudelt nicht mehr.

Bauer Kerres findet keine Abnehmer für seinen alternativen Treibstoff. Die Schuld für den Niedergang sucht Wilhelm Kerres in erster Linie bei der Politik. „Die Besteuerung ist ab 2009 nochmals um drei Cent auf nunmehr 18 Cent je Liter gestiegen”, sagt der Bauer, der seinen Rohstoff Rapsöl auf Gut Erzelbach zu Sprit machte.

Angesichts der damaligen hohen Benzinpreise ließen viele ihre Autos umrüsten, um Rapsöl als sehr preisgünstige Alternative zu tanken. Doch das ist bei fallenden Ölpreisen und der in den letzten beiden Jahren angehobenen Steuer für fossile Brennstoffe Schnee von gestern.

Kerres: „Ich müsste nun für den Liter Rapsöl mindestens 75 Cent verlangen, um die Kosten zu decken. Doch jetzt kostet der Diesel ohne Mehrwertsteuer rund 80 Cent. Kein Autofahrer setzt nunmehr auf die Alternative Rapsöl.”

Vor der Betriebseinstellung

Diese Entwicklung sieht auch Josef Schraven. Er ist Geschäftsführer von Regiokontor, mit dem unter anderem auch das ökumenische Christliche Sozialwerk Jülich kooperierte, um Langzeitarbeitslosen als Fahrer eines eigens angeschafften Tankwagen für die Auslieferung von Rapsöl eine Anstellung zu verschaffen. Doch der Betrieb bei Regiokontor ruht, muss wahrscheinlich Ende des Monats komplett eingestellt werden. „Unsere Firma ist so gut wie tot. Ich kontrolliere noch jeden Tag unseren Tankwagen, ob er noch anspringt. Über vier Wochen ist der nicht mehr ausgefahren. Die Fahrer mussten wir entlassen.”

Das neue Tankfahrzeug wurde im Juli 2006 in Betrieb gestellt. Das war zu Zeiten, als Rapsöl als Treibstoff gefragt war wie nie. „Wir belieferten damals im Umkreis von gut 120 Kilometer über 100 Kunden. Darunter auch eine Großspedition mit 80 Fahrzeugen”, sagt Laven wehmütig. Die hatte ihre Fahrzeuge für den Betrieb mit dem billigen Rapsöl umgerüstet. „Für rund 5000 Euro pro Stück”, kennt Schraven die finanziellen Rückschläge, die nicht nur dieser Kunde hinnehmen mussten.

Ob es der Landwirt war, der auf seinem Raps im Wert von 400000 Euro sitzen blieb, keine Abnehmer fand, oder aber Wilhelm Kerres, der tausende Liter Rapsöl nicht mehr verkaufen konnte: Alternative Brennstoffe sind nicht mehr gefragt, der Markt ist zusammen gebrochen.

„Bis Ende 2007 konnten wir nicht alle Kundenwünsche erfüllen”, sagt Josef Schraven, der selbst miterlebte, dass damals Rapsöl sehr billig bei einem großen Discounter flaschenweise eingekauft wurde. „Und dann kam das Öl als Treibstoff ins Auto.” Dass Rapsöl nochmals als Treibstoff zum Einsatz kommen wird, daran glauben Schraven und Kerres nicht mehr. „Das ist doch von der Politik überhaupt nicht gewollt”, sagen beide und schütteln den Kopf.

Dabei ist die in Deutschland entwickelte Technologie in außereuropäischen Ländern ein Renner. „Wir betreuen in Somalia ein Pilotprojekt. Seit Jahren zeigt sich, dass das Land mittels dieses alternativen Brennstoffs unabhängig von großen Ölkonzernen geworden ist”, bedauert Josef Schraven, dass diese deutsche Technologie im eigenen Land „kaputt geredet und systematisch von der Politik ins Abseits geführt wurde.”

Auch Vieh muss verzichten

Mit der Stilllegung der Ölmühle auf Gut Erzelbach war es mit der Unabhängigkeit von den Energielieferanten auch für Wilhelm Kerres vorbei. Der Ölsamen feuert die Heizung nicht mehr, erzeugt auch keinen Strom. Sprit für den eigenen Fuhrpark steht damit auch nicht mehr zur Verfügung. Und das Vieh muss ebenfalls verzichten, denn das Abfallprodukt Rapskuchen für die Verfütterung fiel zwangsläufig weg. Und den acht Landwirten, die Kerres mit über 2000 Tonnen Rapssamen im Jahr belieferten, fehlt nun auch eine ertragreiche Einnahmequelle.

Somit gehört die Mühle auf Gut Erzelbach der Vergangenheit an. Wie die von Landwirt Wilhelm-Josef Schäfer, dem letzten Betreiber einer Ölmühle im weiten Umkreis. „Bei mir läuft auch kein Rapsöl mehr aus der Pressung”, sagt der Heimbacher. Er hofft aber, seine Mühle noch einmal in Betrieb nehmen zu können. „Vielleicht kommen die Politiker in Berlin ja im Laufe der Wirtschaftskrise nochmals zur Besinnung und sehen ein, dass Rapsöl eine wirkliche Alternative ist”, kreidet er gerade Finanzminister Peer Steinbrück Wortbruch an. „Rapsöl sollte bis zum Jahr 2009 nicht besteuert werden”, erinnert sich Schäfer.

Doch bereits 2007 wollte das Finanzministerium in Berlin davon nichts mehr wissen, hob die Steuer aktuell auf 18 Cent pro Liter an. Steuergeld, das 612 Ölmühlen in Deutschland in den letzten Monaten den Garaus machte und zu vielen Millionen Euro an Verlusten führte.
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