Sprache ist ein Knackpunkt für Asylsuchende

Von: Kr.
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Sie standen Rede und Antwort: Von links Sabine von Gyseghem, Sprecherin des Ortsverbandes der Grünen in Jülich, Anke Talarek von den Grünen, Doris Vogel, Sybille Haußmann, Emmanuel Ndahayo, Freya Lüdeke und Eva Hölzle. Foto: Kròl

Jülich. Auch die Stadt Jülich ist von der Flüchtlingswelle betroffen, von der zurzeit überall die Rede ist, und steht vor der schweren Aufgabe, die Hilfesuchenden unterzubringen. Für die Bürger der Stadt heißt das auch, sich mit fremden Gesichtern, Sprachen und Kulturen auseinanderzusetzen.

Viele Fragen, Unklarheiten und auch Vorurteile bringt die derzeitige Situation mit sich und so sah der Ortsverband Bündnis 90/Die Grünen Handlungsbedarf und lud zu einem Informationsabend in den Jülicher Kulturbahnhof ein. Zu Fragen des Asyl- und Arbeitsrechts, der Unterbringung, Problemen im Alltag, Schul- und Kitabesuchen der Kinder und vielem mehr stellten sich Doris Vogel, Leiterin des Sozialamtes der Stadt Jülich, Freya Lüdeke, Flüchtlingsberaterin des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Jülich, Sybille Haußmann vom Kommunalen Integrationszentrum des Kreises Düren sowie Eva Hölzle, Sprecherin des Arbeitskreises Asyl, den zahlreichen Anwesenden.

Es war eine große Resonanz, auf die dieses Angebot der Grünen gestoßen war und schnell füllte sich der kleine Saal im Kuba. Gekommen war auch eine stattliche Zahl von Asylbewerbern, doch hier tat sich dann auch gleich das größte Problem auf, das diese Hilfesuchenden haben – die Verständigung. Ein weiterer wichtiger Gast war Emannuel Ndahayo. Er war vor zehn Jahren ebenfalls als Asylsuchender nach Linnich gekommen, hatte zweieinhalb Jahre im Heim in Gevenich gelebt, ist mittlerweile eingebürgert, sitzt als Abgeordneter der Grünen im Kreistag und ist dort Vorsitzender des Kreis-Integrationsausschusses. Er sollte aus eigener Erfahrung die Situation dieser „vergessenen Menschen“ darlegen. Doch da betonte er gleich: „Ich habe auch immer gedacht, wir wären vergessen. Aber das stimmt nicht. Die Politik drängt uns mit Absicht an den Rand der Gesellschaft. Die Verantwortlichen wissen, was in den Heimen vor sich geht“.

Er berichtete von den schlechten Wohnverhältnissen in Gevenich, von der Langeweile, der Ungewissheit und den Problemen mit der Sprache. Er sagte aber auch: „Für mich war diese Zeit dennoch keine verlorene Zeit. Ich habe viel über die Menschen gelernt und daraus die Kraft gezogen, mich zu engagieren“. 216 Asylsuchende leben zurzeit in Jülich, davon 64 in Duldung. Täglich, so sagte Doris Vogel, Leiterin des Sozialamtes, können sich diese Zahlen ändern. Im Durchschnitt sind es 15 bis 20 Asylsuchende, die monatlich nach Jülich kommen. Sie gilt es unterzubringen und zu versorgen. Für ihr Amt war es ein Glücksfall, das Hotel „Alte Post“ für die Unterbringung anmieten zu können, denn der Wohnungsmarkt für preiswerte Wohnungen ist in Jülich sehr dünn. Außerdem gibt es einige Wohnungen und Heime, in denen Flüchtlinge untergebracht sind.

Doris Vogel betonte außerdem, dass man in Jülich großes Glück mit den Asylbewerbern habe. Man habe keinerlei Probleme mit ihnen. Viele von ihnen füllen kleine Jobs aus. Für 1,05 Euro die Stunde sind sie bei der Tafel, im Brückenkopf -Park oder anderen Einrichtungen tätig. Sie sprach auch das Problem mit der Sprache an. Deutsch wollen sie alle lernen, doch es gibt einfach nicht genügend Kurse. Auch Sybille Haußmann kannte dieses Problem. Ihr Integrationszentrum berät Institutionen, Kitas, Schulen, Verwaltungen und ähnliche Einrichtungen und ist für die Einbürgerungen zuständig. Einzelfallhilfen gewähren dagegen Eva Hölzle und der Arbeitskreis Asyl, während Freya Lüdeke für Rechtsfragen zuständig ist.

Hölzle wusste zu berichten, dass sie viel Unterstützung von Ehrenamtlichen findet. Sie seien als Sprachpaten für Kinder in den Schulen tätig und helfen in vielfältiger Weise. Es seien Fahrräder beschafft und repariert worden, Begleitung zu Ärzten und Ämtern werde angeboten, es gebe ein Ferienprogramm und ein Frauenfrühstück und vieles mehr. Gut besucht sei auch stets das Café Kontakt, in dem sich Flüchtlinge und Bürger treffen.

Dennoch bleibt viel zu tun, das wurde an diesem Abend schnell klar. Knackpunkt ist und bleibt dabei die Sprache. So hat sich mittlerweile ein runder Tisch gegründet, um zu sehen, wo was machbar ist und um ehrenamtliche Hilfe zu koordinieren. Wichtig ist vor allem die Einsetzung zertifizierter Kurse, um den Asylbewerbern den Einstieg in die Arbeitswelt zu erleichtern. Dabei ist auch nicht darüber hinweg zu sehen, dass die Integration der Asylsuchenden politisch noch nicht gewollt wird. Erst wenn sie als Flüchtlinge anerkannt sind, können sie an den Integrationskursen teilnehmen.„Wir leben in einer sehr schwierigen Situation“; berichtete auch einer der Betroffenen. „Wir sind junge Männer und zum Nichtstun verdammt“.

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