Sportschütze: Gestählt durch Rückschläge

Von: Niklas Zehbe
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Nils Schumacher will es noch einmal angehen: Der Sportschütze will die Pankratius-Sportschützen Inden/Altdorf nach vorne bringen. Foto: Niklas Zehbe

Inden. Der schönste Moment seiner Karriere war gleichzeitig der schlimmste: Im Team-Finale der Deutschen Meisterschaften 2015 verpatzt Nils Schumacher, Sportschütze am Luftgewehr, den entscheidenden Schuss. Sein Team, die SSG Kevelaer wird nur Zweiter.

Sein größter sportlicher Erfolg zog ein mediales Echo nach sich, von dem er sich nur schwer erholte. „Schumacher vergab einen ‚Elfmeter‘ zum Sieg“ schrieb etwa die Rheinische Post.

Auf diesen Rückschlag reagierte Nils Schumacher mit einer einjährigen Pause. Seit zwei Jahren ist er nun wieder bei den Pankratius-Sportschützen Inden/Altdorf (PSS), für die er bereits von 2003 bis 2009 schoss. Hier hat Schumacher seine sportliche Heimat gefunden.

„Als ich noch ein No-Name im Schießsport war, hat Inden mich aufgebaut“, erinnert er sich und ist mit dem Ziel zurückgekommen, „etwas zurückzugeben und die Mannschaft nach vorne zu bringen“. Bei den Deutschen Meisterschaften in München-Hochbrück nimmt Schumacher aus familiären Gründen jedoch nicht teil.

Vor eineinhalb Jahren wurde er zum ersten Mal Vater einer Tochter. „Papa der Mannschaft“ war er schon vorher. „Nils ist ein Mentor für die jüngeren Schützen“, sagt Schumachers aktuelle Trainerin Nina Hölzen. „Er will für einen starken Zusammenhalt innerhalb des Teams sorgen.“ Dass das gelingt, bestätigt seine Mannschaftskollegin Patricia Seipel, die Schumacher von gemeinsamen Stationen bereits gekannt und vor einem Jahr nach Inden gelotst hat: „Ohne Nils würde ich schon lange nicht mehr schießen.“

Karriere-Höhepunkt

Die stärkste Phase seiner Karriere hatte der heute 31-Jährige aber nach seinem ersten Engagement für Inden. 2009 schoss er zwei Jahre lang in der Bundesligamannschaft des Post SV Düsseldorf, 2013 gelang ihm mit der SSG Kevelaer der Aufstieg ins Oberhaus. Auf einen dritten Platz im Bundesliga-Finale 2014 folgte die angesprochene dramatische Vize-Meisterschaft im nächsten Jahr.

Zwischendurch hätte es auf dem Höhepunkt seiner Karriere beinahe sogar zu einem Einsatz bei den Olympischen Spielen 2012 in London gereicht.

Immer wieder musste sich Schumacher von Rückschlägen erholen. Sein ehemaliger Trainer Herman-Josef Riesen formuliert es so: „Er ist durch das Stahlgewitter gegangen und dadurch sehr wettkampfstark.“ Riesen hatte den Fast-Olympioniken 2001 in der Polizeischule Linnich kennengelernt; seitdem verfolgt er die Karriere seines ehemaligen Schützlings und zieht ein gemischtes Fazit: „Man konnte schon damals sein Talent sehen, allerdings ist er meines Erachtens ein, zwei Jahre zu früh in die Bundesliga gewechselt.“

Ob ihn eine Olympia-Teilnahme gereizt hätte? „Selbstverständlich!“, antwortet Schumacher. „Auf der großen Bühne aufzutreten, wäre toll gewesen. Allerdings denke ich, dass der Schießsport in der breiten Öffentlichkeit und im Fernsehen noch besser dargestellt werden könnte.“ Die Atmosphäre in einer Schießhalle sei noch einmal etwas ganz anderes. „Hier bei uns sitzen die Fans mit Trommeln und Tröten und machen richtig Stimmung.“ Wichtig wäre zudem, den Schießsport klar als Sport zu kennzeichnen, „bei dem das Gewehr ausschließlich als Sportgerät genutzt wird.“

Nervensache

In Schumachers Fall ist das Sportgerät ein Pressluftgewehr des Waffenherstellers Walther. Knapp vier Kilogramm stemmt er bei jedem Schuss, wobei er das Gewehr in seine Schulter drückt und mit der Faust stabilisiert. Intensives Krafttraining sei dazu nicht nötig: „Ist der Schütze angespannt, zittern die Muskeln, und er kann nicht vernünftig zielen.“ Generell gilt laut Schumacher aber: „Schießen kann jeder, der sich konzentrieren kann. Man muss nur die Nerven behalten.“ Deshalb stehen statt Bankdrücken und Hantelcurls Spaziergänge und Mentaltraining auf dem Programm. Das sei auch nötig, denn: „Geht ein Schuss daneben, kann alles vorbei sein.“

Solche Situationen hat Nils Schumacher oft genug erlebt. Diese Erfahrung hilft der jungen Indener Mannschaft. Der erfahrenste Schütze im Team ist sich aber sicher, dass die PSS auch ohne ihn eine Medaille bei den Deutschen Meisterschaften holen werden. Ins Wettkampfgeschehen eingreifen will er spätestens zum Auftakt der neuen Saison in der 2. Bundesliga West. Das klar definierte Ziel für seine letzten Jahre am Luftgewehr: „Ein Jahr will ich noch in der Bundesliga schießen.“

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