Spektakuläre Jülicher Grabungsergebnisse im Fokus

Von: Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
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Funde aus einem der 53 Gräber: Neben Teilen der eingeäscherten Leiche haben die Archäologen Tongefäße gefunden, die eindeutig in Jülich hergestellt worden sind. Foto: Jansen
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Volle Schlosskapelle: Der Vortrag der Archäologen Benjamin Gnade (im Bild) und Oliver Ungerath stieß auf großes Interesse.

Jülich. Am Ende kam die Frage, die über allem steht. Eine Frau aus dem Publikum stellte sie. Sind neue Erkenntnisse dabei? Benjamin Gnade, Archäologe vom Kölner Ausgrabungsteam Ibeling, antwortete mit einem eindeutigen Ja. Gnade war derjenige, der die Funde aus der Römerzeit ausgewertet hat, die im vergangenen Jahr bei Kanalarbeiten in der Jülicher Mariengartenstraße gefunden worden waren.

„Da sind 53 Gräber gefunden worden, die so gut erhalten sind, dass der Fund damit eine europaweite Bedeutung erhält“, sagte Gnade. Er war einer von zwei Experten, die Ergebnisse der Ausgrabung im Rahmen des Mittwochsclubs von Jülicher Geschichtsverein und Museum Zitadelle in der voll besetzten Schlosskapelle vorstellten.

Museumsleiter Marcell Perse war zu Beginn direkt auf die Besonderheit des Fundes in der Mariengartenstraße eingegangen. Ausgrabungen seien in Jülich nichts Ungewöhnliches, sie fänden „alle Nase lang“ statt. „Aber ein derart komplexer Grabungsbefund ist in Jülich in den vergangenen 30 Jahren nicht mehr aufgetreten.“

Siedlung im Hinterland

Anschließend sprach Archäologe Oliver Ungerath über die Infrastruktur im römischen Reich, die heute noch erkennbar sei. Er berichtete von der „mächtigen Besiedlung am Rhein entlang und kleineren Siedlungen im Hinterland“, zu denen auch Jülich gehört habe. Die Römer hätten ein gut ausgebautes Straßennetz angelegt. Eine der wichtigsten Wege sei die große Straße gewesen, die die Hauptstadt der Provinz Niedergermanien, Köln, mit Boulogne-sur-Mer verbunden habe.

Sie durchlief Niedergermanien, Belgica und stellte mit ihrem Endpunkt, dem Nordseehafen Boulogne-sur-Mer, die Verbindung zu Britannia her. An ihr lag Jülich, also der Vicus Juliacum. „Hier war der Verlauf der Rur vor Hochwasser geschützt. Das wird auch der Grund für den Vicus an dieser Stelle gewesen sein“, schilderte Ungerath seine Rückschlüsse.

Übrigens spiegele sich die wichtige Römerstraße noch heute deutlich in einem Namen wieder: Steinstraß. „Steinstraß heißt nicht umsonst Steinstraß, es lag an dieser gut ausgebauten römischen Steinstraße.“

Die Jülicher Kleinstadt habe nur wenige oder gar keine Seitenstraßen gehabt, die Gebäude seien entlang dieser Straße gebaut worden. Es handelte sich um sogenannte Streifenhäuser, in der Regel sechs Meter breit und 30 oder mehr Meter lang. Auch die sind in Jülich eindeutig belegt. Beispielsweise auf dem Gelände der Tankstelle an der Straße, die bezeichnenderweise Römerstraße heißt. Dort haben Archäologen vor einigen Jahren drei dieser Streifenhäuser nachgewiesen.

Ungerath zeigte die Karte mit allen bekannten jemals in Jülich gemachten römischen Funden. In Summe ergeben sie das Bild des schmalen und entlang der Straße verlaufenden Vicus. Ohne Befunde ist die Fläche der Zitadelle. Während des Baus im 16. Jahrhundert gab es keinen Sinn für das Bewahren des antiken Erbes.

Benjamin Gnade zeigte Fundstücke aus der Mariengartenstraße und erklärte, wie einige der Gräber datiert werden konnten. „Das geht mit der Schnittmengenlehre“, sagte er. Eines von zwei Tongefäßen stammt seiner Machart nach aus den Jahren 75 bis 150, das zweite aus der Zeit 125 bis 175. Bleiben als Schnittmenge die Jahren zwischen 125 und 150.

Perse erklärte abschließend, dass es das Ziel sei, die Funde so aufzubereiten, dass sie später im Museum gezeigt werden können. Jetzt, nachdem die Archäologen die Funde erfasst und verzeichnet haben, sei es an der Zeit, Fragen zu entwickeln, deren Antworten neue Erkenntnisse bringen über die Römer im Rheinland. „Was sagt es über die Gesellschaft aus, dass wir die kleinen Öllämpchen nur in den Gräbern finden und nicht in der Siedlung? Und was hat es zu bedeuten, dass wir bei den Römern Kindergräber finden, im frühen Mittelalter aber nicht mehr?“

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