Höllen - Spektakuläre Funde beim 20. Tag der Archäologie

Spektakuläre Funde beim 20. Tag der Archäologie

Von: Otto Jonel
Letzte Aktualisierung:
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Dennis und Josef Franzen (v.l.), die beiden Ausgrabungsleiter des Projektes Haus Pesch, haben das Rittergut im Maßstab 1:50 detailgetreu nachgebaut.
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Das unscheinbare Stück Holz, das Außenstellenleiter Dr. Udo Geilenbrügge hier hält, ist ein seltenes Halbfabrikat einer römischen Flöte.

Höllen. Zum 20. Mal öffnet die Außenstelle des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland in Höllen ihre Pforten, um die Öffentlichkeit an den Schätzen teilhaben zu lassen, die die Archäologen aus dem Dunkel der Geschichte förderten, bevor die riesigen Baggerschaufeln diese Schatztruhe für immer verschwinden lassen.

Am Samstag, 13. Juli, zwischen 10 und 18 Uhr wird es sein, wie man es mittlerweile gewohnt ist: Die Archäologen präsentieren stolz die Ausbeute ihrer „Erdarbeiten“. „Von besonderem Interesse sind die Neufunde und solche, die nach teils aufwändiger Restaurierung erstmals der Öffentlichkeit gezeigt werden“, bringt es Dr. Udo Geilenbrügge, Leiter der Außenstelle, auf den Punkt. Diesmal ist das herausragende Stück eine kleine Schieferplatte, gefunden im Vorfeld des Tagebaus Inden bei Schophoven.

Erst bei fototechnischer Bearbeitung wurde das Geheimnis der kleinen Platte erkennbar: parallele und sich kreuzende Linien. Für den Finder Dr. Jürgen Thissen vom Prospektionsprojekt „Paläolithikum im Rurtal“ drängt sich eine Erklärung auf: Die Risszeichnung aus dem Magdalénien-Fundplatz ist eine Darstellung einer Rentierjagd – mit topographischer Darstellung des Alt-Rurverlaufs, des Rurtals und des Engpasses, in dem die hineingetriebenen Rentiere von den Jägern erlegt wurden.

„Das ist meine Interpretation, aber sie ist sehr plausibel“, verweist Thissen auf die Übereinstimmung von topographischen Anhaltspunkten, die sich im Gelände und auf der Schieferplatte decken. Ob Jagdanleitung oder Zeitvertreib eines Steinzeitmenschen – eines ist sicher: Die unscheinbare Schieferplatte aus der Zeit vor 15 000 Jahren ist eines der ältesten Kunstobjekte des Rheinlandes.

Beileibe nicht annähernd so alt, aber vielleicht noch spektakulärer ist die Arbeit der Brüder Dennis und Josef Franzen. Die Ausgrabungsleiter der Burganlage Haus Pesch bei Erkelenz haben den Grundgedanken, Funde „so zu dokumentieren, dass man sie später rekonstruieren könnte“, selbst Gestalt werden lassen.

Vom Grundriss des alten Rittergutes, das 1586 im Zuge des Kölnischen Krieges zerstört wurde, bauten die beiden Archäologen eine Holzmodell, das im Maßstab 1:50 detailgenau zeigt, wie das Rittergut um die Mitte des 16. Jahrhunderts ausgesehen haben kann. Die kleine Burg mit ihren Zinnen und Wehrtürmen, Zugbrücke und einsehbarem Kellergeschoss nimmt einen eigenen Raum im Innenbereich der Außenstelle ein.

Auch auf dem Außengelände wird den Besuchern viel geboten. Das 1999 begonnene eisenzeitliche Dorf ist nun komplett. Das letzte Bauwerk – ein kleines Lager- oder Wohnhaus – ist inzwischen fertiggestellt. Hier werden im Steinofen die berühmten Köstlichkeiten wie die Römerpizza zubereitet.

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