SPD sucht Erklärungen fürs erbärmliche Wahlergebnis

Von: Volker Uerlings
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Die neue Führungsmannschaft des SPD-Ortsvereins Jülich mit zum Teil bekannten Gesichtern (v.r.): Vorsitzender Martin Marquardt und die beiden Stellvertreter Karin Grün sowie Harald Garding. Foto: Uerlings

Jülich. Nach einer knappen halben Stunde war fürs Erste alles gesagt über das schlechteste Wahlergebnis der Jülicher SPD nach dem Krieg. Die Mitglieder des Ortsvereines beschönigten nichts im Heim der Arbeiterwohlfahrt. Die Meinung vieler kommt in einem Satz des Ratsmitgliedes Ansgar Kieven zum Ausdruck: „Wir sind nicht mehr nahe.”

Er und weitere Genossen spielten damit auf die durchaus wichtigen Jülicher Ortsteilen an, wo die Sozialdemokraten einerseits keine „Netzwerke” mehr hätten und ihnen andererseits die Jül den Rang abgelaufen hat. Dass die einmal aus früheren Genossen entstandene Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) an der einstigen Mehrheitsfraktion vorbeigezogen ist, konstatierte auch Versammlungsleiter Harald Garding: „Wir sind nur noch drittstärkste Kraft.”

Das Entstehen der Jül hat der SPD in doppelter Hinsicht geschadet. Zum einen zog die UWG massenhaft Stimmen auch von den Genossen zu sich, zum anderen fehlte der ältesten Jülicher Partei durch das Entstehen dieser Konkurrenz genau das Personal, das man braucht: im Wohnumfeld der Wähler vernetzte Mitglieder.

In der Deutlichkeit kam das nun freilich erst nach der zweiten Kommunalwahl seit Entstehen der Jül über die Lippen einiger Sozialdemokraten. Dennoch fragte ein Mitglied, warum man nicht bei der Wahl der stellvertretenden Bürgermeister mit eben jenen Rivalen paktiert habe. Garding: „Wir wollten nicht die Steigbügelhalter der Jül sein.”

Neben dem ominösen Bundestrend, der wahrlich kein Freund der SPD war, als Ursache des Misserfolgs in Jülich gab es noch viele Vorwürfe, die sich die alte Führung gefallen lassen musste: Das reichte vom „grausigen Wahlkampf” mit dem „Gipfel der Nichtaussage” auf Plakaten (Wolfgang Faul), dem bislang geringsten Wahlkampfbudget bis hin zu unklaren Positionen der Partei: Wofür stehen die Sozialdemokraten in Jülich und wofür nicht? Die Erarbeitung klarer Standpunkte ist wohl eine vordringliche Aufgabe des neuen Ortsvereinsvorstandes, den die knapp 50 Mitglieder mit doch deutlichen Mehrheiten wählte. Bei aller Kritik ist das als Zeichen des Neuanfangs zu werten.

So votierten die Genossen für einen guten Bekannten an der Spitze der Basis: Martin Marquardt. Der war schon mal Ortsvereinschef und ists nun wieder (36 Ja-, 8 Nein-Stimmen). Seine Stellvertreter sind Karin Grün und Harald Garding. Marquardt schickte auch gleich eine Grußadresse an die Bundespartei, die in Dresden tagt und gleichwohl Gründe für ihren Misserfolg sucht. Die SPD sei bei Hartz IV und dem Renteneintrittsalter „mit einer Basta-Mentalität vergewaltigt worden”.

Der neue Vorstand wird die Analyse fortführen und will auch einige personell ausgelaugte Distrikte wiederbeleben. Zunächst aber steht nächste Woche die Kür des Landtagskandidaten auf dem Plan. In Jülich stellten sich vier Bewerber vor - mit Wolfgang Anhalt und Karin Grün auch zwei aus den eigenen Reihen. Auf die Empfehlung eines Kandidaten wurde verzichtet.
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