Spätes Glück nach 60 Jahren: „Ich hab Dich mal geliebt”

Von: jago
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Edeltraud Habrom und Norbert Franitzek haben sich nach dem Tod ihrer Ehepartner wiedergefunden. Nun steht der Entschluss der neu verliebten Senioren fest, den weiteren Lebensweg gemeinsam zu gestalten. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Es war das längste Telefongespräch meines Lebens”, erzählt Norbert Franitzek. Der Ruheständler stutzt kurz, schüttelt scheinbar ungläubig den Kopf, ein verträumtes Lächeln huscht über sein Gesicht. Dann fährt er fort: „Eine kleine Anmerkung zum Schluss hat mein Leben komplett verändert.”

Ende April hatte er mit seinem Jugendfreund Franz Glania in Nürnberg, mit dem er in ständigem Kontakt steht, über Krankheit und Tod seiner Frau Gertrud gesprochen, die am 21. Januar verstorben war.

Erinnerungen an die gemeinsam verbrachte Zeit im heimatlichen Ratibor waren tröstlich, vieles wurde wieder gegenwärtig, und die Zeit verging wie im Flug. Nach über zwei Stunden verabschiedete man sich, wobei Franitzeks Freund fast nebenbei erwähnte, dass ihr gemeinsamer Jugendfreund Georg Habrom auch am 20. Januar gestorben sei.

„Im ersten Moment war ich sprachlos”, erinnert sich Norbert Franitzek. „Jetzt ist Edeltraud also auch allein”, war der erste Gedanke. Edeltraud, die mehr als nur eine gute Freundin, die erste große Liebe im zarten Teenageralter von 15 Jahren war.

Damals vor 60 Jahren war man für eine festere Bindung jedoch noch zu jung gewesen, die Wege trennten sich. „Ich war sehr froh, als sie später meinen Freund heiratete. Da wusste ich wenigstens, dass sie in guten Händen war”.

In den Anfangsjahren der Bundesrepublik verließen beide Familien - Franitzek hatte inzwischen seine Gertrud geheiratet - ihre Heimat. Er ging erst ins Ruhrgebiet und 1963 nach Jülich, sie zog in die Nähe von Wolfsburg. Man hatte sich für die nächsten Jahrzehnte aus den Augen verloren.

„Es ließ mir einfach keine Ruhe”, nimmt Franitzek den Faden wieder auf. „Ich musste mir einfach ihre Telefonnummer besorgen und dann habe ich angerufen. Erst war es ein komisches Gefühl, ihre Stimme nach so langer Zeit am Telefon zu hören. Dann habe ich ihr einfach gesagt: „Ja, Mädchen, ich hab dich doch einmal geliebt.”

Nach weiteren Telefonaten beschlossen beide, sich in Wolfsburg zu treffen. „Wie heimliche Verliebte sind wir durch die Terrassentür geschlichen” sagte Norbert Franitzek. „Ich war doch über die Terrasse raus gegangen, als ich ein Auto mit fremdem Kennzeichen in den Hof fahren sah”, beteiligte sich nun Edeltraud Habrom an der Schilderung.

Sie greift die Hand ihres Norbert und schmunzelt bei dem Gedanken an den Moment im Wohnzimmer, als sie sich nach 60 Jahren wieder gegenüber standen, ihrem inneren Bedürfnis nachgegeben und sich einfach in die Arme genommen und gedrückt haben. „Es hat wie ein Blitz eingeschlagen”, bestätigt ihr Gegenüber.

Als praktizierende Katholiken sind beide überzeugt davon, dass ihr Zusammenkommen kein Zufall, sondern Fügung ist. Um missgünstigen Stimmen entgegen zu wirken, legt das Paar Wert auf die Feststellung, dass beide nach dem Tod ihrer Partner nicht im Mindesten daran gedacht hätten, eine neue Beziehung zu suchen. „Es hat sich einfach so ergeben. Im Herzen werden unsere geliebten Verstorbenen stets bei uns sein und einen Platz in unserer Mitte haben”.

Nachdem man nun „mit weichen Knien” den erwachsenen Söhnen gestanden hat, sich neu verliebt zu haben und diese sich davon spontan begeistert gezeigt haben, steht einer Hochzeit zu Beginn des kommenden Jahres nichts mehr im Wege.
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