Titz - „Sonntagskult(o)ur“: Irmundus Gebeine sind sicher im Tresor

„Sonntagskult(o)ur“: Irmundus Gebeine sind sicher im Tresor

Von: jago
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Der jüngste Ausflug in der Reihe „Sonntagskult(o)ur“ führte nach St. Urban Mündt, der ältesten Kirche im Jülicher Land. Als Referent hatte man Uwe Cormann vom Jülicher Geschichtsverein gewonnen. Foto: Jagodzinska

Titz. Ziel des jüngsten Ausflugs in der Reihe „Sonntagskult(o)ur“ des katholischen Bildungsforums war die älteste Kirche im Jülicher Land, St. Urban in Titz-Mündt.

Bernhard Rietfort, verantwortlich für die Organisation der seit zehn Jahren angebotenen näheren Einblicke in die Gotteshäuser in den Regionen Düren, Jülich und Eifel, begrüßte etwa 25 Besucher: „Ich freue mich besonders, dass wir mit Uwe Cormann einen ausgesprochen kompetenten Referenten gefunden haben.“

Der engagierte Autor diverser im Jülicher Geschichtsverein publizierter Schriften thematisierte zunächst die örtlichen Bodenvoraussetzungen und die Herkunft der verschiedenen an der Kirche verbauten Gesteinsarten. So wurde zeitweise Tuffgestein aus der Eifel herangeschafft; später verwendete man aus Lehmmaterial lokal hergestellte Feldbrandsteine.

Die Interessenten erfuhren, dass die ursprüngliche Form des erstmals 650 in einer Urkunde erwähnten Kirchenbaus unbekannt ist, erhalten geblieben sind hingegen Teile des Kirchenschiffs, das Untergeschoss des Turms, der Chor und die halbkreisförmige Apsis des im 10. Jahrhundert im Stil der Frühromantik komplett neu errichteten Gotteshauses.

„Wie kommt das Christentum in diese Gegend?“, fragte Cormann. Verkürzt ließ sich die Antwort so zusammenfassen, dass das Christentum schon zu Zeiten der Völkerwanderung Wurzeln im Rheinland gehabt und sich systematisch verbreitet hätte. In diesem Zusammenhang kritisierte Cormann mit großem Bedauern die heutzutage während Gottesdiensten oftmals nahezu leeren Kirchen und mahnte: „Es liegt an uns.“ Ohne dass es konkret ausgesprochen wurde, erkannten die Zuhörer darin die Sorge um die Wahrung der christlichen Glaubenskultur.

Aus der schriftlich festgehaltenen Historie der Kirche erwähnte der Referent wesentliche Eckpunkte wie das angebliche Niederbrennen durch die Hessen im Jahr 1642 und den Wiederaufbau ab 1680 im Stil der späten Gotik und des Barocks unter Integration der erhalten gebliebenen Substanz. Weitere Aspekte der Kirchenführung waren die Altäre, die durch die Sonneneinwirkung an diesem Tag in ihrer ganzen Schönheit strahlenden Fenster und die Kanzel, die mit ihren sinnbildhaften Figuren und Schnitzereien „ein wirkliches Schmuckstück darstellt“.

Ein wenig Schmunzeln verursachte der Hinweis auf den Verbleib der Gebeine des Heiligen Irmundus. Die Reste davon sind im Tresor des Pfarrhauses eingeschlossen. Um an diese zu gelangen, muss wiederum der Tresorschlüssel aus einem anderen Tresor geholt werden. Nicht nur die Kirche als solche hat eine bewegte Geschichte, auch beim Personal gab es im Verlauf der Zeiten bemerkenswerte Menschen, wie den „Schnapspastor“ Pfarrer Josef Neumann.

Seine bemerkenswerte Leistung bestand darin, zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Gründer des Abstinenzverbands Kreuzbund ein Heim für Frauen mit Alkoholproblemen zu errichten. Zum Abschluss der Kulturt(o)ur warf man einen Blick von außen auf die Kirche.

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