Sonntagskult(o)ur: Der „Dom“ auf dem Dorf im Wandel der Zeit

Von: ptj
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Willibert Goebbels erklärte detailliert den Antwerpener Schnitzaltar der Müntzer Kirche St. Peter. Foto: Jagodzinska

Müntz. „Wie kam es zu dieser großen Kirche“? Mit dieser rhetorischen Frage startete Willibert Goebbels seine Kirchenführung im Rahmen der Sonntagskult(o)ur-Reihe des Katholischen Bildungsforum im „Dom des Jülicher Landes“, nämlich in St. Peter in Müntz.

Vor rund 30 Interessierten, darunter Bernd Rietfort vom Bildungsforum, bot Goebbels zwei alternative Antworten. Erstens „schaute im ausgehenden 19. Jahrhundert ganz Deutschland nach Köln“.

Aus Anlass der Eröffnung des Kölner Domes 1880 entstand aus der Gotikbegeisterung die Neugotik. Viele sakrale neugotische Bauten schuf der Kölner Kirchenbaumeister August Carl Lange, von 1875 bis 77 auch die Pfarrkirche in Müntz. Zweitens herrschte ein Kulturkampf zwischen dem preußischen Staat und der katholischen Kirche. „Um ihre Macht zu demonstrieren, bauten die Katholiken große Kirchen“.

Wie auch immer, trotz der vorhandenen, aus dem Jahre 1404 stammenden alten Kirche an Stelle des heutigen alten Friedhofs entschloss sich die Müntzer Kirchengemeinde zu einem Neubau und dem Abriss der alten Kirche. Wenig bekannt ist, was Hermann-Josef Raufuß aus belegten Quellen zu erzählen wusste: Die jüdische Gemeinde schenkte das Grundstück und lieh das Geld für den Kirchenbau.

Auflage für den Neubau war, den Antwerpener Altar und die Glocken nicht zu verkaufen. Als der stolze Bau nach nur zweieinhalb Jahren gottesdienstlich genutzt werden konnte, wollten ihn viele Gemeindeangehörige wegen der Verschuldungshintergründe nicht betreten. Erst die Drohung, die Kirche an die jüdische Gemeinde zu verkaufen, ermöglichte schließlich die finanzielle Endabwicklung.

Bis Pfarrer Wilhelm Bergs 1983 nach Müntz kam, war die Kirche weiß gestrichen, ohne Verzierungen, Kreuzweg oder Seitenaltäre, die bunt gemalten Holzfiguren waren abgebeizt. Unter Bergs wurden Dach und Fenster saniert und der Innenraum wieder wie ursprünglich bunt ausgemalt. Unter der Besuchern befand sich auch die Glaskünstlerin Barbara Rütten, die beide Querschifffenster mit eucharistischen Symbolen geschaffen hatte. Alle anderen Fenster entwarf die Aachener Künstlerin Maria Katzgrau.

Auf die Frage nach den Mitteln für die Sanierung antwortete Goebbels: „Die Angebundenheit an die Kirche war eine andere als heute, deswegen waren die Menschen spendenbereiter“. Längere Zeit verwandte Goebbels mit der Erklärung der biblischen Szenen im spätgotischen Antwerpener Schnitzaltar. In seiner Entstehungszeit um 1520 waren Antwerpener Retabel „Massenware“.

Bis auf drei bereits restaurierte Figuren steht der Hochaltar als letzte größere verbleibende Restaurierungsmaßnahme auf dem Plan. Ein größeres Thema war auch die 1843 von Orgelbauer Müller in Reifferscheid gebaute kostbare Orgel aus der alten Kirche. Sie wurde durch den Linnicher Orgelbaumeister Dauzenberg umgebaut, dann wegen starkes Verfalls in den 80er Jahren wieder ausgebaut und konserviert.

Von 2000 bis 2004 wurde das Instrument durch die Orgelbaufirma Georges Heintz aus Schiltach/Schwarzwald restauriert und wieder eingebaut. Auch hier war zwischendurch angedacht, „die Orgel zu verkaufen“.

Letzter großer Besichtigungsbereich war der dreigeschossige, in Stahl-Holz-Konstruktion gebaute, reich gegliederte Turm mit filigraner Maßwerkbrüstung und Schiefer-Pyramide, dessen markante Helmspitze 2010 Opfer des Orkantiefs Xynthia wurde. 2011 wurde sie in Anpassung an die ursprüngliche Gestaltung von Carl Lange neu errichtet. Heinz-Josef Hintzen führte die Besuchergruppe bis hinauf zur Kirchturmspitze.

Interessenten für weitere Kirchenführungen durch St. Peter wenden sich an Willibert Goebbels, Telefon 02463/993518.

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